Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eifersüchtige Pferde. Forscherteam zeigt: Gefühl beugt Konflikten vor und sichert Gruppenhierarchie

27.01.2012
Eifersucht begegnet uns überall – als Ausdruck von Verlustangst, als Ursache von Tobsuchtsanfällen oder als gängiges Mordmotiv in TV-Krimis. Klar ist, Eifersucht kann die Beziehung zwischen zwei Personen schwerwiegend belasten oder sogar gefährden.
Dennoch gehen Wissenschaftler mittlerweile davon aus, dass das Gefühl evolutionär sinnvoll ist. Dafür spricht, dass auch Tiere eifersüchtig sein können. Im Gegensatz zu Menschen geht es eifersüchtigen Tieren aber zumeist darum, ihre Ressourcen zu sichern: das Futter oder die eigene Stellung innerhalb einer Gruppe. Entsprechend betrifft Eifersucht vor allen Dingen Tierarten, die in größeren Sozialverbänden zusammenleben. So zum Beispiel auch Pferde, wie jetzt zwei Wissenschaftlerinnen der Universitäten in Regensburg und Greifswald nachweisen konnten.

Dr. Konstanze Krüger vom Institut für Zoologie der Universität Regensburg und Gudrun Schneider vom Institut für Zoologie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald beobachteten dazu vier Gruppen von verwilderten Pferden – insgesamt 84 Esperia-Ponies – in den italienischen Abruzzen. Die 84 Pferde gehörten zu einer Gesamtpopulation von etwa 300 Tieren. Krüger und Schneider stellten dabei fest, dass besonders ranghohe Stuten einschreiten, wenn sich Gruppenmitglieder, mit denen sie häufig sozialen Kontakt haben, anderen Tieren nähern oder sich mit diesen „beknabbern“ – ein Zeichen für Zuneigung. Die hierarchisch höher gestellten Stuten treiben die „Störenfriede“ einfach nur davon oder „beknabbern“ sich nach ihrem Einschreiten selber mit der „befreundeten“ Stute. Die Intervention richtet sich ausschließlich gegen die fremden Tiere und nicht gegen den etablierten Sozialpartner.

Die Wissenschaftlerinnen entdeckten diese Form des Einschreitens vor allen Dingen im Falle von friedlichen Interaktionen. Nur zweitrangig waren Interventionen bei aggressiven Konflikten zwischen ihren Sozialpartnern und anderen Tieren. Ganze 67 Interventionen bei friedfertigen Kontakten durch insgesamt 64 Stuten zählten die beiden Forscherinnen, wobei lediglich acht Interventionen im Falle von aggressiven Auseinandersetzungen beobachtet wurden.

Krüger und Schuster kommen zu dem Schluss, dass es für ranghohe Stuten von großem Vorteil ist, ihre eigenen Sozialpartner in der Gruppe von Kontakten mit anderen Tieren abzuhalten. „Auch hier geht es um Ressourcen – nämlich um die Zahl der Sozialpartner, mit denen weitere Ressourcen und Nachkommen verteidigt und die Stellung in der Hierarchie der Gruppe gesichert werden kann“, so Krüger. „Die ranghohen Stuten wollen ohne größeren Aufwand und ohne allzu hohes Risiko verhindern, dass ihre – niedriger gestellten – Sozialpartner zu anderen Pferden „abwandern“ können.“

Der Aufbau und die Sicherung von Kontakten und Partnerschaften ist eine gängige Strategie von sozial lebenden Tieren, um den gemeinsamen Zugang zu Ressourcen zu sichern, der Gefahr von Angriffen durch Feinde zu begegnen oder um Konflikte um die Hierarchie innerhalb der eigenen Gruppe zu reduzieren. Krüger und Schneider gehen davon aus, dass dabei einige Tierarten, wie zum Beispiel Pferde, in höherem Maße erfolgreich sind, und auf diese Weise aufwändigen Interventionen bei aggressiven Konflikten vorbeugen können. Diese Überlegungen werden durch die Beobachtung gestützt, dass sich bei Pferden auch andere Konfliktlösungsmechanismen wie Versöhnungen, Schlichtungen oder das Spenden von Trost beobachten lassen.

Die Ergebnisse der beiden Zoologinnen sind in der renommierten Fachzeitschrift “Animal Behaviour“ erschienen (DOI:10.1016/j.anbehav.2011.11.007).
Ansprechpartner für Medienvertreter:
Dr. Konstanze Krüger
Universität Regensburg
Institut für Zoologie
Tel.: 0941 943-3293
Konstanze.Krueger@biologie.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Türsteher im Gehirn
06.08.2020 | Institute of Science and Technology Austria

nachricht Peptide: Forschungs-Erfolg mit den kleinen Geschwistern der Proteine
06.08.2020 | Hochschule Coburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

Eine entscheidende Ergänzung zum Stanzen von Kontakten erarbeiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT. Die Aachener haben im Rahmen des EFRE-Forschungsprojekts ScanCut zusammen mit Industriepartnern aus Nordrhein-Westfalen ein hybrides Fertigungsverfahren zum Laserschneiden von dünnwandigen Metallbändern entwickelt, wodurch auch winzige Details von Kontaktteilen umweltfreundlich, hochpräzise und effizient gefertigt werden können.

Sie sind unscheinbar und winzig, trotzdem steht und fällt der Einsatz eines modernen Fahrzeugs mit ihnen: Die Rede ist von mehreren Tausend Steckverbindern im...

Im Focus: ScanCut project completed: laser cutting enables more intricate plug connector designs

Scientists at the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT have come up with a striking new addition to contact stamping technologies in the ERDF research project ScanCut. In collaboration with industry partners from North Rhine-Westphalia, the Aachen-based team of researchers developed a hybrid manufacturing process for the laser cutting of thin-walled metal strips. This new process makes it possible to fabricate even the tiniest details of contact parts in an eco-friendly, high-precision and efficient manner.

Plug connectors are tiny and, at first glance, unremarkable – yet modern vehicles would be unable to function without them. Several thousand plug connectors...

Im Focus: Elektrogesponnene Vliese mit gerichteten Fasern für die Sehnen- und Bänderrekostruktion

Sportunfälle und der demografische Wandel sorgen für eine gesteigerte Nachfrage an neuen Möglichkeiten zur Regeneration von Bändern und Sehnen. Eine Kooperation aus italienischen und deutschen Wissenschaftler*innen forschen gemeinsam an neuen Materialien, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.

Dem Team ist es gelungen elektrogesponnene Vliese mit hochgerichteten Fasern zu generieren, die eine geeignete Basis für Ersatzmaterialien für Sehnen und...

Im Focus: New Strategy Against Osteoporosis

An international research team has found a new approach that may be able to reduce bone loss in osteoporosis and maintain bone health.

Osteoporosis is the most common age-related bone disease which affects hundreds of millions of individuals worldwide. It is estimated that one in three women...

Im Focus: Neue Strategie gegen Osteoporose

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Ansatzpunkt gefunden, über den man möglicherweise den Knochenabbau bei Osteoporose verringern und die Knochengesundheit erhalten kann.

Die Osteoporose ist die häufigste altersbedingte Knochenkrankheit. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen davon betroffen. Es wird geschätzt, dass eine von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationstage 2020 – digital

06.08.2020 | Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Türsteher im Gehirn

06.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kognitive Energiesysteme: Neues Kompetenzzentrum sucht Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft

06.08.2020 | Energie und Elektrotechnik

Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

06.08.2020 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics