Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Regenerationskraft des Körpers verbessern

01.02.2016

Stammzellen können sowohl Krankheiten auslösen als auch heilen. Das Nationale Forschungsprogramm "Stammzellen und regenerative Medizin" (NFP 63) untersuchte in den vergangenen fünf Jahren ihr Potential.

Diabetes, Herzinfarkt, Knorpelersatz, Wundheilung, Hirntumore, Parkinson – zwölf Forschungsgruppen des Nationalen Forschungsprogramms "Stammzellen und regenerative Medizin" (NFP 63) haben sich mit unterschiedlichen Krankheiten befasst. Dabei haben sie erforscht, wie Stammzellen zu ihrer Entstehung beitragen oder wie sie genutzt werden können, um diese Erkrankungen in Zukunft besser zu behandeln.


Stammzellen können sowohl Krankheiten auslösen als auch heilen. Das Nationale Forschungsprogramm "Stammzellen und regenerative Medizin" (NFP 63) untersuchte in den vergangenen fünf Jahren ihr Potential.

Der Bundesrat hat 2007 den Schweizerischen Nationalfonds (SNF) mit der Durchführung des NFP 63 beauftragt. Die grundlegenden Mechanismen der Stammzellbiologie und regenerativen Medizin sollten erörtert, junge Forschende ausgebildet und die Spitzentechnologie in der Schweiz gefördert werden. Die Ergebnisse der Forschungsarbeiten, die zwischen 2010 und 2015 stattgefunden haben, wurden in einer Broschüre zusammengefasst, die nun publiziert wurde (Link weiter unten).

Tumore aus Stammzellen

"Das NFP 63 hat zahlreiche, äusserst interessante Resultate hervorgebracht. Dies zeigt ein Blick auf die über hundert Publikationen in teils sehr renommierten Fachzeitschriften. Die Qualität der einzelnen Projekte zeigt sich auch darin, dass praktisch alle über das Ende des NFP 63 weiterlaufen", bilanziert Bernard Thorens, Präsident der Leitungsgruppe des NFP 63. Insgesamt wurden 24 Postdocs sowie 12 Doktorandinnen und Doktoranden ausgebildet. Mehrere Gruppen sind bereits in Kontakt mit Biotech- und Pharmaunternehmen, um ihre Ergebnisse in Zukunft für Patienten nutzbar zu machen.

Die Forschungsgruppen beleuchteten die wichtige Rolle der Regulierung von Stammzellen. Die Entwicklung einer Stammzelle in beispielsweise eine Blutzelle wird nicht ausschliesslich durch Gene kontrolliert. Es existieren noch übergeordnete Kontrollmechanismen, die gleich mehrere Gene an- und abschalten können. Bei der Entwicklung von Medikamenten müssen die berücksichtigt werden.

Auch wie aus Stammzellen Tumore entstehen, wurde untersucht. Zwei Teams konnten zeigen, dass die grosse Gefahr nicht allein von den Stammzellen selbst ausgeht, sondern von noch nicht ausgereiften Zwischenformen, die sich in Stammzellen zurückverwandeln und sich dann zu Tumore entwickeln. "Den Unterschied zwischen gutartigem und bösartigem Wachstum zu kennen, ist wichtig", sagt Lukas Sommer, Professor an der Universität Zürich und Leiter eines NFP 63-Projektes. "Nur wenn wir das Wachstum kontrollieren, können Stammzellen in der Medizin eingesetzt werden."

Körperteile ersetzen

Zellen der Bauchspeicheldrüse haben eine erstaunliche Wandlungsfähigkeit, wie die Gruppe von Pedro Herrera an der Universität Genf hat in Mäusen entdeckte. Nach der Zerstörung aller Insulin-produzierenden Zellen können diese aus artverwandten Zellen in der Bauchspeicheldrüse wieder entstehen. Diese Entdeckung könnte die Behandlung von Diabetikern revolutionieren. Anstatt künstliches Insulin zu injizieren, wird es dereinst vielleicht möglich sein, eigene Zellen zu dessen Produktion anzuregen

In einem weiteren Projekt hat die Gruppe von Ralph Müller an der ETH Zürich ein neues Material entwickelt, um menschlichen Knorpel zu ersetzen. Dieses Nanocellulose könnte zur Rekonstruktion von Ohrmuscheln oder zur Behandlung von Knorpelschäden im Knie verwendet werden. Mit Zellen des Patienten angereichert würde es die Entwicklung von natürlichem Gewebe unterstützen. Das Material wurde bereits in Tierversuchen getestet.

Die Mehrheit der wissenschaftlichen Publikationen aus den zwölf Forschungsprojekten sind für die Öffentlichkeit kostenlos zugänglich (Link weiter unten).

Das NFP 63 in Kürze

Das Nationale Forschungsprogramm "Stammzellen und regenerative Medizin" (NFP 63) förderte die Grundlagenforschung, rekrutierte Talente aus Entwicklungs- und Zellbiologie, bildete junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus und verbesserte die Sichtbarkeit der Schweizer Forschung auf internationaler Ebene.

Im Auftrag des Bundesrates führte der Schweizerische Nationalfonds (SNF) das NFP 63 mit einem Budget von zehn Millionen Franken durch. Zwischen 2010 und 2015 erforschten zwölf Forschungsgruppen aus Basel, Bern, Genf, Lausanne und Zürich neue Ansätze zur Behandlung verschiedener Krankheiten.

Kontakte

Prof. Bernard Thorens
Präsident der Leitungsgruppe des NFP 63
Universität Lausanne
Tel.: 021 692 39 81
E-Mail: Bernard.Thorens@unil.ch

Florian Fisch
Wissenschaftsredaktor
Schweizerischer Nationalfonds (SNF)
Wildhainweg 3
3001 Bern
Tel.: 031 308 23 75
E-Mail: florian.fisch@snf.ch

Weitere Informationen:

http://www.snf.ch/de/fokusForschung/newsroom/Seiten/news-160201-medienmitteilung...
http://www.nfp63.ch/de/Seiten/Home.aspx Website NFP 63 "Stammzellen und regenerative Medizin"

Medien - Abteilung Kommunikation | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen
20.07.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

nachricht Erwiesen: Mücken können tropisches Chikungunya-Virus auch bei niedrigen Temperaturen verbreiten
20.07.2018 | Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics