Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

CT45 - ein neues Tumor Antigen - Bedeutung für Diagnose und Prognose

20.11.2008
Der Nachweis Tumor-assoziierter Proteine ist seit mehr als 25 Jahren ein wichtiger Bestandteil der pathologischen Diagostik. Er ermöglicht eine genauere Charakterisierung eines Tumors und damit verbesserte Therapieansätze sowie die Möglichkeit, eine Prognose über den Verlauf der Krankheit zu wagen.

In den letzten 10 Jahren hat eine neue Familie von Tumor-assoziierten Proteinen das Interesse von Wissenschaftlern und Klinikern geweckt. Diese wachsende Gruppe von Proteinen - sie umfasst im Moment etwas weniger als 100 Mitglieder - wird auf Grund ihrer Verteilung im normalen wie malignen Gewebe als Cancer/Testis Antigen-Familie bezeichnet.

Im normalen Gewebe werden diese Proteine fast ausschließlich in den Keimzellen des Hodens (Testis) nachgewiesen. Zusätzlich werden diese Proteine in unterschiedlichen Mengen in verschiedenen Tumoren gefunden. Viele Patienten mit solchen Tumoren entwickeln eine spezifische humorale oder zelluläre Immunantwort gegen diese Proteine. Die Hoffnung der Wissenschaftler ist daher, dass Cancer/Testis Antigene Zielstrukturen für eine gegen den Tumor gerichtete Immuntherapie sein könnten.

Im Zentrum des Forschungsprojektes steht das neue Cancer/Testis Antigen 45 (CT45), welches von der Arbeitsgruppe um Dr. Heidebrecht in Kiel mit einem neuen monoklonalen Antikörper identifiziert wurde. Dieses Protein ist in gesunden Geweben nur in den Keimzellen des Hodens nachweisbar. Die meisten Tumore exprimieren dieses Protein ebenfalls nicht oder nur zu einem sehr geringen Prozentsatz. Ausnahme sind Hodgkin-Lymphome sowie einzelne Keimzelltumore. In einer größeren retrospektiven Untersuchung an Patienten mit Hodgkin-Lymphomen zeigte sich, dass der Verlauf der Krankheit bei Patienten mit CT45-positivem Tumoren schwerwiegender war als bei der Kontrollgruppe.

CT45 ist in sogenannten "Nuclear Speckles" in Zellkernen nachweisbar. Diese subnukleären Interchromatin-Strukturen sind besonders reich an Vorläufern von Boten-RNS und "Splicing" Faktoren und werden daher mit der Transkriptionskontrolle in Verbindung gebracht. Über die Funktion von CT45 in normalen oder malignen Zellen gibt es bisher allerdings keine Informationen. Ein Schwerpunkt des Forschungsprojektes wird daher sein, diese fehlende Information zu erarbeiten. Dazu wird CT45 in Tumorzellen selektiv durch RNS-Interferenz ausgeschaltet. Neben verschiedenen zellbiologischen Analysen werden moderne biochemische Verfahren eingesetzt. Die kürzlich in der Arbeitsgruppe Molekulare Immunologie unter Leitung von Prof. Janßen etablierte Technik der differenziellen zweidimensionalen Gelelektrophorese (2D-DIGE) erlaubt einen direkten Vergleich der Proteinmuster von CT45-positiven und -negativen Zellen oder Kernextrakten. Die unterschiedlich regulierten Proteine können ausgestanzt und massenspektroskopisch identifiziert werden. Sie sollen Informationen und Hinweise erbringen, in welche Signalwege CT45 eingreift.

Die prognostische Bedeutung einer CT45-Expression wird in einer neuen retrospektiven Studie an gut dokumentierten Kolonkarzinomen untersucht. Vorarbeiten ergaben, dass etwa 10% dieses epithelialen Tumortyps CT45 exprimieren. Krankheitverläufe und Überlebenszeiträume von Patienten mit CT45-positiven Karzinomen werden mit entsprechenden CT45-negativen Kohorten verglichen. Außerdem werden in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kliniken am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Seren von Patienten mit CT45-positiven Tumoren auf eine mögliche CT45-spezifische humorale Immunantwort (CT45-spezifische Immunglobuline) untersucht. Dies soll klären, ob CT45 möglicherweise auch als Zielstruktur für eine Immuntherapie geeignet sein könnte.

Kontakt:
Dr. Hans-Jürgen Heidebrecht, Institut für Pathologie, Universitätsklinikum Schleswig Holstein Campus Kiel, E-mail: hheidebrecht@path.uni-kiel.de

Prof. Dr. Ottmar Janßen, Molekulare Immunologie, Institut für Immunologie, Universitätsklinikum Schleswig Holstein Campus Kiel, E-mail: ojanssen@email.uni-kiel.de

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 100.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.sanst.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Infrarotsensor als neue Methode für die Wirkstoffentwicklung
19.07.2018 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Neues aus der Schaltzentrale
18.07.2018 | Karl-Franzens-Universität Graz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mit dem Nano-U-Boot gezielt gegen Kopfschmerzen und Tumore

19.07.2018 | Medizin Gesundheit

VDI sieht urbane Produktion und Logistik als integrale Teile der Stadt der Zukunft

19.07.2018 | Architektur Bauwesen

Infrarotsensor als neue Methode für die Wirkstoffentwicklung

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics