Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bio statt Chemie – Polyesterfasern umweltfreundlich veredeln

13.11.2012
DBU fördert biologisches Verfahren zum Behandeln von Oberflächen synthetischer Textilien mit 510.000 Euro

Sie stecken in Kleidern, Deko- und Sportartikeln: Polyesterfasern. Durch ihre besonderen Eigenschaften sind sie vielseitig verwendbar und gehören daher weltweit zu den wichtigsten Chemiefasern.

„Um ihre Eigenschaften zu erweitern oder verbessern, werden sie veredelt. Das ist immer verbunden mit einem hohen Chemikalien-, Strom- und Wasserverbrauch. Umso wichtiger ist es, chemische Verfahren durch umweltfreundlichere zu ersetzen“, sagt Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

„Wir wollen ein System entwickeln, das Polyesteroberflächen biologisch modifiziert und dabei die Faserqualität verbessert. Auf dieser Basis soll auch ein digitales Druckverfahren getestet werden, das eine umweltfreundliche Alternative zu anderen Techniken bietet“, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Zimmermann vom Lehrstuhl für Mikrobiologie und Bioverfahrenstechnik des Instituts für Biochemie der Universität Leipzig. Die DBU fördert das Projekt mit 510.000 Euro.

„Für das Veredeln von Polyestergarnen wird in einigen Fällen bis zu einem Kilo Chemikalien pro Kilo Textil eingesetzt. Der Wasserverbrauch ist enorm, das Abwasser stark belastet. Auch führen chemische Prozesse, die häufig bei hohen Temperaturen ablaufen müssen, zu Einbußen in der Faserqualität“, so Zimmermann. Gemeinsam mit dem Biotechnologie-Unternehmen evocatal aus Düsseldorf und der Saxion University of Applied Sciences aus Enschede solle nun ein biologisches, wirtschaftliches und milderes Verfahren zum Veredeln von Kunststofffasern entwickelt werden, das den hohen Verbrauch von Chemikalien, Wasser und Strom senkt – ohne dabei die Qualität zu beeinträchtigen.

Bevor die Gewebe im weiteren Herstellungsprozess zum Beispiel gefärbt oder bedruckt werden, müssten die Oberflächeneigenschaften der Fasern verbessert werden. „Für einen biologischen Prozess eignen sich spezielle Enzyme. Die müssen wir so optimieren, dass sie mindestens so wirkungsvoll sind wie Chemikalien. Nur so wäre das biologische Verfahren dann auch für die industrielle Produktion geeignet.“ Zudem müsse das Enzym – ein sogenannter Biokatalysator, der chemische Reaktionen einleiten, beschleunigen und lenken kann, ohne dabei selbst verbraucht zu werden – eine gewisse Stabilität vorweisen: Je länger es im Veredlungsprozess eingesetzt werden könne, desto umweltfreundlicher und wirkungsvoller sei das neue Verfahren. Ein weiterer Vorteil sei zudem, dass bei der Biokatalyse im Vergleich zu chemischen Prozessen niedrigere Wassertemperaturen ausreichten – das spare Strom und schone die Fasern. Zum Bedrucken der Textilien eigne sich ein umweltfreundliches Tintenstrahldrucksystem, das eine Alternative zu herkömmlichen Verfahren biete. „Da der digitale Druck nur auf modifizierten Oberflächen beste Ergebnisse liefert, wäre er mit dem biologischen Veredlungsverfahren gut kombinierbar“, so Zimmermann.

Das biologische Verfahren zum Veredeln von Kunststofffasern soll in Zukunft innovative Textilien umweltfreundlich herstellen. „Hier eröffnet sich mit der Textilindustrie für die Biotechnologie ein weiterer Anwendungsbereich. Es gibt viel Potenzial, durch neue Entwicklungen und Verfahren die Umwelt zu entlasten“, sagt DBU-Experte Dr. Hans-Christian Schaefer.

Franz-Georg Elpers | DBU-Presseabteilung
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel33731_335.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff
17.07.2018 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Künstliche neuronale Netze helfen, das Gehirn zu kartieren
17.07.2018 | Max-Planck-Institut für Neurobiologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Optische Kontrolle von Herzfrequenz oder Insulinsekretion durch lichtschaltbaren Wirkstoff

17.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umweltressourcen nachhaltig nutzen

17.07.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Textilien 4.0: Smarte Kleidung und Wearables als Innovation

17.07.2018 | Innovative Produkte

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics