Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gewebelappen aus Herzzellen gezüchtet

18.02.2002


Fünf Millimeter große Stücke im Bioreaktor schlagen wie menschliches Herz

Wissenschaftlerinnen des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge haben in einem gläsernen Bioreaktor Gewebestücke ("patches") aus Herzzellen gezüchtet. Bisher hat der kleine Gewebelappen allerdings erst einen Durchmesser von rund einem halben Zentimeter und eine Höhe von weniger als einem Millimeter. Da dies als Implantat zu klein ist, ist er für medizinische Zwecke noch nicht einsetzbar. Jetzt versuchen die Forscherinnen, das Herzgewebe mit Blutgefäßen zu züchten, damit die Zellen mit Nährstoffen angereichert werden und ein größerer Gewebelappen wachsen kann.

"Die Zellen ziehen sich wie menschliche Herzzellen rhythmisch zusammen", erklärte Freed das Geschehen im Bioreaktor. Der Bioreaktor wurde von der US-Raumfahrtbehörde NASA für Zellstudien im All entwickelt. Es handelt sich dabei um eine sich langsam drehende Kammer, die mit einer sauerstoffreichen Nährlösung gefüllt ist. In das Gerät brachten die Forscher ein sich langsam abbauendes Stützgerüst und Herzzellen ein. Die Herzzellen hefteten sich an das Stützgerüst und bildeten nach dessen Abbau ein dreidimensionales Gewebe. Für die Züchtung des Herzgewebes sind rund fünf Mio. einzelne Herzzellen nötig. "Herzzellen reagieren auf ihre Umwelt sehr empfindlich", sagte Freed. Verändert sich die Raumtemperatur oder schlägt jemand die Türe laut zu, verändern die Zellen ihren Rhythmus.

Bisher gelang es Wissenschaftlern in Labors in flachen Petrischalen lediglich eine dünne Schicht aus Herzzellen herzustellen. "Diese Monoschichten sind aber nicht unbedingt geeignet, um die Wirkung eines Medikaments zu testen, da Herzzellen in Petrischalen kein gutes Modell für das koronare System darstellen", so Freed. Realistischere Ergebnisse seien zu erzielen, wenn Medikamente auf mit bioreaktor-gezüchtetem Herzgewebe getestet würden. Daher sollen die Gewebelappen zumindest Medikamententests der Pharmaindustrie dienen, sollte das neue Herzgewebe aus dem Reaktor nicht für die medizinische Praxis geeignet sein. Die Hoffnung vieler Forschergruppen besteht aber dennoch darin, eines Tages ein "menschliches Ersatzteillager" - nicht nur für Herzen – entwickeln zu können.

Sandra Standhartinger | pte.monitor
Weitere Informationen:
http://www.mit.edu
http://www.nasa.gov

Weitere Berichte zu: Bioreaktor Gewebelappen Herzgewebe Herzzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Anomale Kristalle: ein Schlüssel zu atomaren Strukturen von Schmelzen im Erdinneren
16.11.2018 | Universität Bayreuth

nachricht Günstiger Katalysator für das CO2-Recycling
16.11.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Kalikokrebse: Erste Fachtagung zu hochinvasiver Tierart

16.11.2018 | Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mikroplastik in Kosmetik

16.11.2018 | Studien Analysen

Neue Materialien – Wie Polymerpelze selbstorganisiert wachsen

16.11.2018 | Materialwissenschaften

Anomale Kristalle: ein Schlüssel zu atomaren Strukturen von Schmelzen im Erdinneren

16.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics