Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Zauber der Lupinen

11.05.2006
Ernährungswissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg forschen gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut
Cholesterin erfüllt im menschlichen Körper wichtige Aufgaben. Steigt der Anteil dieses Nahrungsfettes im Blut jedoch über das normale Niveau hinaus, kommt es häufig zu Arterienverkalkungen und in Folge dessen zu Gefäßverschlüssen, die im schlimmsten Fall zum Herzinfarkt oder zum Schlaganfall führen. Vermeiden lässt sich ein zu hoher Cholesterinspiegel schon häufig durch die richtige Ernährung. Neben einer Vielzahl von Möglichkeiten zur Cholesterinsenkung, scheinen auch pflanzliche Eiweiße die Blutfette beeinflussen zu können. Außer Soja-Bohnen wird dabei Lupinengewächsen eine cholesterinsenkende Wirkung zugeschrieben. Ob dieser Effekt tatsächlich nachzuweisen ist, wird seit Beginn des Jahres am Institut für Ernährungswissenschaften untersucht.

"Eigentlich handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt", meint Dr. Gabriele Stangl, Professorin für Humanernährung. Die Kooperation besteht aus 13 Klein- und mittelständischen Unternehmen, dem Fraunhofer Institut in Freising und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Zu den Firmen gehören außer einem Saatlieferanten, aus dessen Ernteerträgen die benötigten Proben gewonnen wurden, hauptsächlich Lebensmittelhersteller. "Sie würden im Endeffekt von den Ergebnissen profitieren und könnten mit neuen funktionellen Lebensmitteln weitere Märkte erschließen", erklärt die gebürtige Bayerin. Dafür beteiligen sich diese Unternehmen finanziell am Projekt. Ein zukünftiger industrieller Einsatz sei in verschiedenen Bereichen denkbar - bei Teigprodukten wie Pizza, Brot und Pasta und selbst bei der Zubereitung von Speiseeis.

Erste Testversuche im Reagenzglas

In einem ersten Schritt habe das Fraunhofer Institut die Proteine aus den Saatproben extrahiert, entfettet und gereinigt. "In sogenannten In-Vitro-Studien, also in Experimenten außerhalb des lebenden Organismus, haben die Freisinger daraufhin geprüft, inwieweit die gewonnenen Proteine mit Cholesterin wechselwirken", erklärt Stangl. So habe man feststellen können, dass ein Teil des Cholesterins von den Lupinenproteinen adsorbiert, also gebunden wurde.

"Wir müssen nun eine richtige Dosis finden, um eine Wirkung zu erzielen." Außerdem müsse noch ermittelt werden, unter welchen Bedingungen die cholesterinsenkende Eigenschaft aktiviert werden kann und welche Wechselwirkungen mit anderen Nahrungsproteinen bestehen.

Prüfung der Wirkung am Lebenwesen

Derzeit erprobt das Team um Stangl die Wirkung der Proteine im lebenden System. Dazu werden Blut- und Gewebeuntersuchungen an Ratten ausgewertet. "Uns interessiert die Wirkung der Proteine und Proteinbausteine auf tierische Zellen. Welche Mechanismen greifen? Bei welcher Menge nimmt die Zelle Schaden? Alles Fragen, die wir klären werden", kündigt die Wissenschaftlerin an.

Eine Schlüsselstellung nehmen molekularbiologische Untersuchungen ein. Geprüft werden müsse, welche Gene bei der Zuführung von Lupinenproteinen aktiviert werden, um den Cholesterinspiegel auf das normale Niveau zu senken. "Hierbei sind sogenannte Transkriptionsfaktoren von Interesse, welche die Bildung von Molekühlen für die Regulation des Fettstoffwechsels aus den Genen der Erbinformationen veranlassen", erklärt die Professorin.

Für weitergehende Versuche sind Ratten jedoch nur bedingt geeignet, da sie kaum Arteriesklerose in ihren Blutgefäßen entwickeln.

Medizinische Verwertbarkeit testen

Verlaufen die Experimente an den Nagetieren erfolgreich, können im nächsten Jahr die ersten Untersuchungen am Menschen durchgeführt werden. Zur Auswertung der Ergebnisse wird eine Kooperation mit der medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke Universität in Magdeburg angestrebt. Bei erfolgsversprechendem Verlauf könnten schon im Jahr 2008 Produkte auf Basis von Lupinenproteinen in den Lebensmittelläden erhältlich sein.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. habil. oec. troph. Gabriele Stangl
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Institut für Ernährungswissenschaften
Emil-Abderhalden-Straße 26
06108 Halle (Saale)
Telefon: 0345 55-22701
E-Mail: gabriele.stangl@landw.uni-halle.de

Dr. Margarete Wein | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

Weitere Berichte zu: Cholesterin Gen Lupinenproteinen Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bienen brauchen es bunt
20.08.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

nachricht Künstliche Enzyme aus DNA
20.08.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Mischung macht‘s: Jülicher Forscher entwickeln schnellladefähige Festkörperbatterie

Mit Festkörperbatterien sind aktuell große Hoffnungen verbunden. Sie enthalten keine flüssigen Teile, die auslaufen oder in Brand geraten könnten. Aus diesem Grund sind sie unempfindlich gegenüber Hitze und gelten als noch deutlich sicherer, zuverlässiger und langlebiger als herkömmliche Lithium-Ionen-Batterien. Jülicher Wissenschaftler haben nun ein neues Konzept vorgestellt, das zehnmal größere Ströme beim Laden und Entladen erlaubt als in der Fachliteratur bislang beschrieben. Die Verbesserung erzielten sie durch eine „clevere“ Materialwahl. Alle Komponenten wurden aus Phosphatverbindungen gefertigt, die chemisch und mechanisch sehr gut zusammenpassen.

Die geringe Stromstärke gilt als einer der Knackpunkte bei der Entwicklung von Festkörperbatterien. Sie führt dazu, dass die Batterien relativ viel Zeit zum...

Im Focus: It’s All in the Mix: Jülich Researchers are Developing Fast-Charging Solid-State Batteries

There are currently great hopes for solid-state batteries. They contain no liquid parts that could leak or catch fire. For this reason, they do not require cooling and are considered to be much safer, more reliable, and longer lasting than traditional lithium-ion batteries. Jülich scientists have now introduced a new concept that allows currents up to ten times greater during charging and discharging than previously described in the literature. The improvement was achieved by a “clever” choice of materials with a focus on consistently good compatibility. All components were made from phosphate compounds, which are well matched both chemically and mechanically.

The low current is considered one of the biggest hurdles in the development of solid-state batteries. It is the reason why the batteries take a relatively long...

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

IHP-Technologie darf in den Weltraum fliegen

20.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Eröffnung des neuen Produktionsgebäudes bei Heraeus Medical in Wehrheim

20.08.2018 | Unternehmensmeldung

Universum Studie: Internationalität und Praxisbezug sind Erfolgsfaktoren der ISM

20.08.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics