Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

USA: Sturmangriff der Schnecken

19.12.2005


Klimaänderung sorgt für Trockenheit und Explosion der Weichtiere



Die zunehmende Trockenheit hat Millionen von kleinen Schnecken zu den Salzmärschen der südlichen USA gelockt. Die Schnecken der Spezies Littoraria irrorata, die nur etwa 2,5 Zentimeter groß sind, nehmen in den Feuchtgebieten überhand. Experten warnen davor, dass die Trockenperioden durch die globale Erwärmung diese Situation des ökologischen Breakdown noch verschlimmern könnte, berichtet das Wissenschaftsjournal Nature.



Die kleinen Schnecken haben eine sehr eigenwillige und erst vor wenigen Jahren entdeckte Art der Nahrungsaufnahme: Sie fressen mit ihrer Raspelzunge Streifen in die Halme des Grases Spartina alterniflora. Auf ihrem Weg durch ihr Futter streifen sie Pilzsporen ab, die an ihrer Haut haften. Die Pilze können in dem offen gelegten Blattinnern und mit den Nährstoffen aus dem Schneckenkot besonders gut wachsen. Wenn die Tiere dann später nochmals zu den Grashalmen kommen, finden sie noch wertvollere Nahrung. Forscher hatten damals entdeckt, dass die Schnecken diese Pilze für ihr Wachstum brauchen.

Normalerweise leben Schnecken und Gras in perfekter Harmonie. Allerdings kam es in der Region 1999 bis 2001 zu Trockenperioden, die auch die großen Mengen von Gräsern anfälliger für Krankheiten machte. Dazu kam es zu einer explosionsartigen Vermehrung der kleinen Schnecken, wie Brian Silliman von der University of Florida in Gainesville herausgefunden hat. Und die Zukunft der Küsten-Ökosysteme an der Atlantikküste der USA sieht nicht gerade rosig aus, denn Klimaforscher sagen längere Trockenperioden voraus.

Was Silliman in seiner Studie beschreibt, klingt jedenfalls bedrohlich: in einem Teil Louisianas fand der Wissenschaftler bis zu 2.000 Schnecken pro Quadratmeter. "Schnecken über Schnecken lagen am Boden und das Gras, das hier bis 1,2 Meter hoch wächst, war unter der Last der Schnecken nur 30 Zentimeter hoch", berichtet der Forscher. Wenn das Gras dann völlig abgefressen ist, suchen die Schnecken mit 15 Metern pro Stunde nach neuen Nahrungsquellen. Mehr als 100.000 Hektar Küstengebiet sind in den vergangenen sechs Jahren auf diese Art vernichtet worden. "In Regionen wie Louisiana kommen natürlich menschliche Aktivitäten hinzu, dennoch tragen auch die Schnecken Mitschuld daran", meint der Wissenschaftler.

Silliman hat mit Forscherkollegen schneckenfreie Zonen im Marschland geschaffen, um zu erforschen, wie sehr die Schnecken für diese Zerstörung verantwortlich sind. Tatsächlich gedieh in dieser Zone das Gras. Als die Forscher die Salzgehalte im Boden künstlich anhoben und damit Trockenheit simulierten, stieg der ökologische Stress an. Das Gras war anfälliger für Krankheiten und Schnecken hatten ein leichtes Spiel. "Neu sind die Erkenntnisse, das Pflanzenfresser in Feuchtgebieten unter ökologischem Stress ein leichtes Spiel haben, nicht", meint Bill Mitsch, Feuchtbiotop-Fachmann von der Ohio State University. Mitsch ist zwar nicht völlig überzeugt davon, dass das Zerstörungspotenzial der Schnecken derart groß ist, meint jedoch, dass die Arbeit darauf hinweise, dass Küstenzonen wie etwa Mangroven auch besonders empfindliche Ökogebiete sind. Sillimans Team untersucht derzeit andere Pflanzenfresser in Küstengebieten. Er und sein Team wollen herausfinden, ob Krabben in Argentinien einen ähnlichen Stress auf die Umwelt ausüben wie die Schnecken in Louisiana.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nature.com

Weitere Berichte zu: Gras Schnecken Stress Trockenheit Trockenperioden

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Krebszellen Winterschlaf halten
16.07.2018 | Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

nachricht Feinstaub macht Bäume anfälliger gegen Trockenheit
16.07.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Im Focus: First evidence on the source of extragalactic particles

For the first time ever, scientists have determined the cosmic origin of highest-energy neutrinos. A research group led by IceCube scientist Elisa Resconi, spokesperson of the Collaborative Research Center SFB1258 at the Technical University of Munich (TUM), provides an important piece of evidence that the particles detected by the IceCube neutrino telescope at the South Pole originate from a galaxy four billion light-years away from Earth.

To rule out other origins with certainty, the team led by neutrino physicist Elisa Resconi from the Technical University of Munich and multi-wavelength...

Im Focus: Magnetische Wirbel: Erstmals zwei magnetische Skyrmionenphasen in einem Material entdeckt

Erstmals entdeckte ein Forscherteam in einem Material zwei unabhängige Phasen mit magnetischen Wirbeln, sogenannten Skyrmionen. Die Physiker der Technischen Universitäten München und Dresden sowie von der Universität zu Köln können damit die Eigenschaften dieser für Grundlagenforschung und Anwendungen gleichermaßen interessanten Magnetstrukturen noch eingehender erforschen.

Strudel kennt jeder aus der Badewanne: Wenn das Wasser abgelassen wird, bilden sie sich kreisförmig um den Abfluss. Solche Wirbel sind im Allgemeinen sehr...

Im Focus: Neue Steuerung der Zellteilung entdeckt

Wenn eine Zelle sich teilt, werden sämtliche ihrer Bestandteile gleichmässig auf die Tochterzellen verteilt. UZH-Forschende haben nun ein Enzym identifiziert, das sicherstellt, dass auch Zellbestandteile ohne Membran korrekt aufgeteilt werden. Ihre Entdeckung eröffnet neue Möglichkeiten für die Behandlung von Krebs, neurodegenerative Krankheiten, Alterungsprozessen und Virusinfektionen.

Man kennt es aus der Küche: Werden Aceto balsamico und Olivenöl miteinander vermischt, trennen sich die beiden Flüssigkeiten. Runde Essigtropfen formen sich,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

Conference on Laser Polishing – LaP: Feintuning für Oberflächen

12.07.2018 | Veranstaltungen

Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft – MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

11.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vertikales Begrünungssystem Biolit Vertical Green<sup>®</sup> auf Landesgartenschau Würzburg

16.07.2018 | Architektur Bauwesen

Feinstaub macht Bäume anfälliger gegen Trockenheit

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Krebszellen Winterschlaf halten

16.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics