Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Altägyptische Balsamierungstechniken auf dem Prüfstand

23.10.2003


Naturwissenschaftler veröffentlichen in "Nature" über Herstellung des Balsamierungsteers



Über Einbalsamierungstechniken im alten Ägypten berichten Tübinger und Münchner Forscher in der nächsten Ausgabe des Fachjournals "Nature". Durch die Analyse eines unbenutzten Balsamierungsteers aus der 18. Dynastie (um 1500 v. Chr.) wiesen sie nach, dass es aus Zedernholz hergestellt worden war. Bisher galt unter den Ägyptologen die Lehrmeinung, dass derartige Teere aus Wacholderholz destilliert worden seien. Darüber hinaus konnte das Team um Ulrich Weser vom Physiologisch-Chemischen Institut in Tübingen und Johann Koller vom Doerner-Institut in München mit dem Guaiacol einen bemerkenswert wirksamen Konservierungsstoff im Balsamierungsteer identifizieren.



Im alten Ägypten wurden Tote einbalsamiert, um ihre Körper für das Leben im Jenseits zu konservieren. Da manche Mumien Wacholderbeeren in den Händen hielten, gingen die Ägyptologen bisher davon aus, dass auch der Balsamierungsteer aus Wacholder hergestellt worden sei. Zu dieser Annahme trug außerdem bei, dass die griechische Sprache für Zeder und Wacholder nur einen Begriff, kedros, kennt. Ulrich Weser und seine Kollegen stellten für ihre Untersuchungen einen Extrakt aus einem unbenutzten Balsam her, der bei der Mumie "Saankh-kare" in Deir el-Bahari, Ägypten, entdeckt worden war. Mit Hilfe der Gaschromatographie konnten sie nachweisen, dass die Substanz Sesquiterpenoide, Junipen, Cadalen, Calamen, Cuparen und alpha-Curcumen enthält, die aus dem Koniferenholz stammen. Diese Kombination von Inhaltsstoffen weist darauf hin, dass der Teer mit großer Wahrscheinlichkeit aus Zedern und nicht aus Wacholder hergestellt worden ist.

Die Biochemiker untersuchten darüber hinaus die Substanzen Guaiacol, p-Cymol, Limonen und alpha-Pinen auf ihre konservierende Wirkung. Sie bedeckten in einem Modellversuch Schweineknochen mit jeweils einer dieser Substanzen und bewahrten sie 35 Tage bei Raumtemperatur auf. Um die Wirkung nachzuweisen, bestimmten sie anschließend die Aktivität des Enzyms Alkalische Phosphatase. Guaiacol erwies sich dabei als das effektivste Konservierungsmittel; in den damit behandelten Knochen wies das Enzym eine zwölfmal höhere spezifische Aktivität auf als in den unbehandelten Proben.

Weitere Informationen:

Prof. Ulrich Weser
Physiologisch-Chemisches Institut
Universität Tübingen,
Tel./Fax: (07071) 29-5564
E-Mail: ulrich.weser@uni-tuebingen.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Berichte zu: Balsamierungsteer Enzym Guaiacol Wacholder Ägyptologen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neuer Behandlungsansatz für Juckreizgeplagte
15.08.2018 | Universität Zürich

nachricht Cholestase: Riss in Lebermembran lässt Galle abfließen
15.08.2018 | Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Macht Sinn: Fraunhofer entwickelt Sensorsystem für KMU

15.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

15.08.2018 | Informationstechnologie

FKIE-Wissenschaftler präsentiert neuen Ansatz zur Detektion von Malware-Daten in Bilddateien

15.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics