Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

RUB-Biochemiker geheimnisvoller "kleiner RNA" auf der Spur

15.12.2000


... mehr zu:
»Evolution »K-RNA »RNA »Synthese
Dass die RNA nicht bloß ein "Stempel" ist, der die Informationen der DNA weitervermittelt, darin sind sich die Experten heute einig. RNA-Moleküle können Informationen speichern, katalytische Aktivitäten
entfalten, sich perfekt tarnen, und sie regulieren auch als Produkt ihre eigene Synthese. Wie das funktionieren könnte, dafür haben Bochumer Biochemiker um Prof. Dr. Bernd-Joachim Benecke (Fakultät für Chemie) jetzt ein Modell entwickelt.

Kleine RNA: im Schleimaal untergetaucht?

Die Bochumer Forscher wählten für ihre Untersuchungen u. a. eine spezielle "kleine RNA" (7S K-RNA), deren Funktion noch völlig ungeklärt ist, die man aber an einer Schaltstelle der Genexpression vermutet. Als Modellorganismus für die Untersuchung von Genfunktionen dient die Hefe - ihre Erbsubstanz ist gut erforscht. Aber wie das entsprechende Gen in der Hefe finden? Gensonden wie bei der DNA helfen hier nicht weiter, denn die RNA hat im Laufe der Evolution nicht die Sequenzabfolge ihrer Bausteine beibehalten sondern die Struktur der gefalteten Kette. Einzige Möglichkeit war, die Leiter der Evolution abwärts zu klettern: über Säugetiere, Vögel, Amphibien, Knochenfische bis zum Knorpelfisch. Hier war Schluss: War die gesuchte RNA beim Neunauge noch vorhanden, so war sie - als einzige - beim Schleimaal nicht mehr zu entdecken; ein abruptes "Redesigning" dieser RNA, das vermutlich mit ihrer Funktion in Beziehung steht. Da die Genexpression bei beiden Tieren qualitativ gleich funktioniert, schlossen die Forscher außerdem, dass sich 7S K-RNA beim Schleimaal tarnt. Untersuchungen am Quastenflosser, einem "lebenden Fossil", sollen mehr Aufschluss über diese RNA geben.

RNA-Selbstkontrolle nach dem "Gummizug-Prinzip"

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Aufklärung der Mechanismen, die die Biosynthese der kleinen RNA steuern. Tests, die die Promotoren (Kontrollelemente, die der RNA den Weg zum Gen weisen) betrafen, schlugen bei 7S K-RNA fehl. Das brachte die Forscher auf die Idee, dass die RNA selbst für ihre eigene Synthese verantwortlich sein könnte. Sie entwickelten ein neues Modell, nach dem die RNA, nachdem sie einen DNA-Strang gelesen hat, wie ein Gummi zusammenschnellt und dann direkt wieder von vorne mit dem Lesen anfängt. Durch ihre enge Faltung trägt sie also zur Funktion des Leseprozesses bei. In Tests, in denen die Forscher die Faltung durch Abstandhalter beeinträchtigten, war die Funktion der RNA gestört.

RUBIN 2/00 erschienen

In RUBIN 2/00 finden Sie außerdem folgende Themen: Sich selbst vis-à-vis: Was Elstern wahrnehmen; Wenn der Whisky ins Glas rieselt - na dann prost!; Netzwerksicherheit - (k)ein Thema für Sozialwissenschaftler; Geographie des Protestantismus: Zahlen versus Mythen; Den alten Hüttenleuten auf die Finger geschaut; Antibiotikaresistenz: "Fünf vor zwölf" für neue Strategien. RUBIN ist bei der Pressestelle (UV 3/368) für 5 DM erhältlich und steht im Internet: http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rubin.htm.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Bernd-Joachim Benecke, Ruhr-Universität Bochum, Biochemie, Fakultät für Chemie, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-24233, Fax: 0234/32-14-244

 

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Josef König | idw

Weitere Berichte zu: Evolution K-RNA RNA Synthese

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neues aus der Schaltzentrale
18.07.2018 | Karl-Franzens-Universität Graz

nachricht Chemische Waffe durch laterale Gen-Übertragung schützt Wollkäfer gegen schädliche Pilze
18.07.2018 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

Interdisziplinäre Konferenz: Diabetesforscher und Bioingenieure diskutieren Forschungskonzepte

13.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vernetzte Beleuchtung: Weg mit dem blinden Fleck

18.07.2018 | Energie und Elektrotechnik

BIAS erhält Bremens größten 3D-Drucker für metallische Luffahrtkomponenten

18.07.2018 | Verfahrenstechnologie

Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz

18.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics