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Genomforschung geht in die zweite Runde: Suche nach der Funktion der gefundenen Gene

12.02.2001



Nach der erfolgreichen Entschlüsselung der Genome von Mensch und Maus sieht Dr. Andreas Zimmer, Professor für molekulare Neurobiologie an der Universität Bonn, nun die Zeit für einen zweiten Schritt gekommen: Die Erforschung, welche Funktion die entdeckten Gene im Organismus erfüllen. Zimmer ist Mitglied des neu gegründeten "International Mouse MutagenesisConsortium" (IMMC), das in der kommenden Ausgabe des renommierten Wissenschaftsmagazins Science vom 16. Februar ein Positionspapier veröffentlichen wird. Ehrgeiziges Ziel der Wissenschaftler: Die Aufklärung der Funktion sämtlicher Erbanlagen im Maus-Genom. Der Vorstoß soll auch der menschlichen Genomforschung neue Impulse geben.

Seit über 100 Jahren führen Wissenschaftler schon mit Mäusen genetische Experimente durch - angefangen von Kreuzungsversuchen bis hin zur vollständigen Entschlüsselung der Basenabfolge im Maus-Genom. Trotz aller Bemühungen konnte bislang erst für 5.000 der schätzungsweise 30.000 Maus-Gene geklärt werden, welche Funktion sie im Organismus erfüllen. Zwar liefert die Gensequenz manchmal schon erste Anhaltspunkte über Wirkort oder Aufgabe des Genprodukts, auch lassen Ähnlichkeiten zu bereits bekannten Genen aus anderen Organismen in einigen Fällen Rückschlüsse auf die Funktion zu. In den meisten Fällen stehen die Wissenschaftler aber vor einem Rätsel.

Angesichts der Fülle an Informationen aus den Genomprojekten befinden sich die Forscher in einer ähnlichen Situation wie ein Gelehrter, der ein Buch aus einer bislang unbekannten Sprache übersetzen muss und dabei nur vage Vor-stellungen vom Inhalt hat. Ziel des Inter-national Mouse Muta-genesis Consortium ist es, diese Situation grundlegend zu än-dern. Dazu wollen die beteiligten Forscher langfristig jedes Gen der Maus so mutieren, dass es seine Aufgabe im Organismus nicht mehr erfüllen kann. Die dann beobachteten Krankheitssymptome erlauben weit reichende Rückschlüsse auf die Funktionsweise der betroffenen Erbanlagen in gesunden Mäusen; die Methode könnte daher beispielsweise neue Ansätze zur Behandlung von Krankheiten liefern.

Um dieses Ziel zu erreichen, möchte das IMMC die Arbeit auf diesem Gebiet koordinieren und den Austausch zwischen den Gen-Forschern fördern. Ziel ist es, eine Standard-Vorgehensweise zu etablieren, mit der sich jeder Erbanlage eine Funktion zuweisen lässt. Innerhalb von zehn Jahren hoffen die beteiligten Wissenschaftler so, die genetische Grundlage vieler grundlegender Eigenschaften wie Sozial- und Lernverhalten, Schlaf, Blutdruck, Atmung oder Fruchtbarkeit verstehen zu können.

Prof. Zimmer ist von den Unterzeichnern des Positionspapieres deutschlandweit der einzige, der nicht für eine Großforschungseinrichtung arbeitet, sondern an einer Universität forscht. Voraussetzung für die Teilnahme am IMMC, so betont der Wissenschaftler, waren die hervorragenden Rahmenbedingungen in Bonn. So stellte die Landesregierung 28 Millionen Mark für ein neues Tierhaus bereit, das nach seiner Fertigstellung in drei Jahren zu den modernsten Deutschlands zählen soll.


Weitere Informationen: Prof. Dr. Andreas Zimmer, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Bonn, Tel.: 0228/287-9123 oder 9124, Fax: 0228/287-9125, E-Mail: a.zimmer@uni-bonn.de

Dr. Andreas Archut |

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