Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Drei Millionen Euro für die Erforschung der Wegener'schen Granulomatose

03.01.2008
Universität Lübeck erhält Klinische Forschergruppe

An der Universität zu Lübeck wird eine Klinische Forschergruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingerichtet, die den Entstehungsmechanismus der Wegener'schen Granulomatose aufklären soll. Die Wegener'sche Granulomatose (WG) ist eine äußerst schwerwiegende Autoimmunerkrankung der Atemwege, der Niere und weiterer Organe, die zu schweren Organstörungen und zum Tod führen kann. Die DFG fördert die Arbeit der Forschergruppe mit rund drei Millionen Euro für zunächst drei Jahre.

Insgesamt 37 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Lübeck, Kiel, Hamburg und Bochum, des Forschungszentrums Borstel und der Rheumaklinik Bad Bramstedt arbeiten vom Januar 2008 an in sieben Teilprojekten in der Klinischen Forschergruppe KFO 170 zusammen. Sprecher ist Prof. Dr. med. Wolfgang L. Gross, Leiter Prof. Dr. med. Peter Lamprecht, beide Universitätspoliklinik für Rheumatologie Lübeck.

Erst seit Mitte der 1980-er Jahre weiß man, dass es sich bei der Wegerner'schen Granulomatose um eine gegen einen bestimmten körpereigene Zellbestandteil, die Proteinase 3, gerichtete Autoimmunerkrankung handelt. Es kommt, wie bei der Erkrankungsguppe der Vaskulitiden insgesamt, zur chronischen Entzündung von Gewebe und Gefäßen, zur Bildung knotenartiger Gewebewucherungen (Granulome) und in der Folge davon zur Schädigung der durch die Gefäße versorgten Organe. Während der Pathomechanismus der Autoimmunvaskulitis weitgehend geklärt ist, liegt die Induktion der granulomatösen Entzündung nach wie vor im Dunkeln.

... mehr zu:
»Granulom »Granulomatose

In der interdisziplinären Forschergruppe wird die frühe Phase der Krankheitsentstehung mit genetischen, immunologischen und mikrobiologischen Methoden sowie epidemiologischen Daten erforscht. Im Mittelpunkt des Interesses steht dabei das zentrale morphologische Element, mit dem die Krankheit im oberen Respirationstrakt beginnt: die Granulombildung. "Nach wie vor verstehen wir nicht, wie aus einem zunächst harmlos erscheinenden Entzündungsprozess in der Nase eine lebensbedrohliche Autoimmunerkrankung wird", sagt Projektleiter Prof. Dr. med. Peter Lamprecht. "Ziel unserer Arbeit ist es, die molekularen Grundlagen dieser Reaktion zu entschlüsseln".

Besonderes Augenmerk legen die Lübecker Forscher dabei auf die Untersuchung der "Dangermoleküle" bzw. "Dangerrezeptoren", zu denen beispielsweise die Proteinase 3 (PR 3) als "Wegener'sches Autoantigen" und deren erst kürzlich erkannte Rezeptoren PAR-2 und Liganden IL-32 zählen. Darüber hinaus soll die Rolle von bekannten mikrobiellen Rezidivauslösern (Staphylococcus aureus) im Hinblick auf die Granulomentwicklung sowie die Keimzentrumsentwicklung im Granulom studiert werden. Patientenstudien sind ein wesentlicher Teil des Forschungsprojekts.

Die zentrale wissenschaftliche Hypothese des Projekts ist in der Abbildung veranschaulicht: Eine Barrierestörung am respiratorischen Epithel führt u.a. zu einer S. aureus Besiedlung und Rekrutierung Neutrophiler (PMN). PR3 aus PMN induziert über seinen Rezeptor PAR-2 auf dendritschen Zellen (DC) eine DC-Ausreifung, mit konsekutiver TEM-Expansion, Th1-Antwort und Granulombildung (= lokalisierte WG). In diesem "primären" Granulom bilden sich im Weiteren lymphatische Strukturen als zelluläres Korrelat der zur PR3-ANCA führenden Immunantwort und Vaskulitis. Klinische Folge ist die Transition von der lokalisierten zur generalisierten Krankheitsphase. Zu den prädisponierenden Elementen gehören endogene HLA-DP (Granulom?), PTPN22 (PR3-ANCA) und exogene (S. aureus) Faktoren. TEM = Effektor Memory T-Zellen. B = B-Zellen. M = Makrophagen.

Die Wegener'sche Granulomatose ist nach dem Lübecker Pathologen und Ehrendoktor der Universität zu Lübeck Dr. Dr. h.c. Friedrich Wegener benannt, der die Erkrankung 1935 erstmals beschrieb.

Die an der Klinischen Forschergruppe beteiligten Wissenschaftler gehören dem bundesweit einzigen Vaskulitis-Zentrum an. Es betreut das europaweit größte Patientenkollektiv dieser Erkrankungen und ist mit allen international bekannten Vaskulitis-Zentren vernetzt. Ziel des Zentrums am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein ist es, über die Grenzen der einzelnen Fachrichtungen hinaus eine Optimierung der Erforschung dieser Erkrankung und der Patientenversorgung zu erreichen.

Rüdiger Labahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.vaskulitis-zentrum.de

Weitere Berichte zu: Granulom Granulomatose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Neue Lernwelt durch VR-Technologie
16.04.2019 | Universität Witten/Herdecke

nachricht Studie zu Perspektiven der beruflichen Bildung 2040 – Flexibilität schaffen
15.04.2019 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Chaperone halten das Tumorsuppressor-Protein p53 in Schach: Komplexer Regelkreis schützt vor Krebs

Über Leben und Tod einer Zelle entscheidet das Anti-Tumor-Protein p53: Erkennt es Schäden im Erbgut, treibt es die Zelle in den Selbstmord. Eine neue Forschungsarbeit an der Technischen Universität München (TUM) zeigt, dass diese körpereigene Krebsabwehr nur funktioniert, wenn bestimmte Proteine, die Chaperone, dies zulassen.

Eine Krebstherapie ohne Nebenwirkungen, die gezielt nur Tumorzellen angreift – noch können Ärzte und Patienten davon nur träumen. Dabei hat die Natur ein...

Im Focus: Wasserstoff – Energieträger der Zukunft?

Fraunhofer-Allianz Energie auf Berliner Energietagen

Im Pariser Klimaabkommen beschloss die Weltgemeinschaft, dass die weltweite Wirtschaft zwischen 2050 und 2100 treibhausgasneutral werden soll. Um die...

Im Focus: Quanten-Cloud-Computing mit Selbstcheck

Mit einem Quanten-Coprozessor in der Cloud stoßen Innsbrucker Physiker die Tür zur Simulation von bisher kaum lösbaren Fragestellungen in der Chemie, Materialforschung oder Hochenergiephysik weit auf. Die Forschungsgruppen um Rainer Blatt und Peter Zoller berichten in der Fachzeitschrift Nature, wie sie Phänomene der Teilchenphysik auf 20 Quantenbits simuliert haben und wie der Quantensimulator das Ergebnis erstmals selbständig überprüft hat.

Aktuell beschäftigen sich viele Wissenschaftler mit der Frage, wie die „Quantenüberlegenheit“ auf heute schon verfügbarer Hardware genutzt werden kann.

Im Focus: Self-repairing batteries

UTokyo engineers develop a way to create high-capacity long-life batteries

Engineers at the University of Tokyo continually pioneer new ways to improve battery technology. Professor Atsuo Yamada and his team recently developed a...

Im Focus: Quantum Cloud Computing with Self-Check

With a quantum coprocessor in the cloud, physicists from Innsbruck, Austria, open the door to the simulation of previously unsolvable problems in chemistry, materials research or high-energy physics. The research groups led by Rainer Blatt and Peter Zoller report in the journal Nature how they simulated particle physics phenomena on 20 quantum bits and how the quantum simulator self-verified the result for the first time.

Many scientists are currently working on investigating how quantum advantage can be exploited on hardware already available today. Three years ago, physicists...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Nachwuchskräfte aufgepasst! „Traumjobs live“ bei der Friedhelm Loh Group

20.05.2019 | Veranstaltungen

MS Wissenschaft startet Deutschlandtour mit Fraunhofer-KI an Bord

17.05.2019 | Veranstaltungen

Wie sicher ist autonomes Fahren?

16.05.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Chaperone halten das Tumorsuppressor-Protein p53 in Schach: Komplexer Regelkreis schützt vor Krebs

21.05.2019 | Biowissenschaften Chemie

Sichtbare Fresszellen

21.05.2019 | Biowissenschaften Chemie

Chinesische Gastwissenschaftlerin forscht an neuen Kunststoffen auf Basis nachwachsender Rohstoffe

21.05.2019 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics