Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bedarf an pädagogischen Fachkräften in Kitas steigt weiter

19.07.2012
Aber: Die meisten Erzieherinnen arbeiten in Teilzeit

Bertelsmann Stiftung veröffentlicht "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme"

Erzieherinnen verzweifelt gesucht: Unter dieser Überschrift wird der Ausbau der Kinderbetreuung ein Jahr vor Inkrafttreten des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz ab dem vollendeten ersten Lebensjahr diskutiert. Ein Ausweg schlummert im Personalstamm der Kitas. Denn 60 Prozent der pädagogischen Fachkräfte in Kitas arbeiten derzeit in Teilzeit – ein sehr hoher Anteil im Vergleich zu anderen Branchen. Mehr Anreize zur Vollzeitbeschäftigung könnten also den Personalmangel erheblich lindern. Das geht aus dem diesjährigen "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" hervor, den die Bertelsmann Stiftung heute veröffentlicht.

Der neue Ländermonitor zeigt, dass Kinderbetreuung bereits seit längerem ein Jobmotor ist. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der pädagogischen Fachkräfte in den Kitas um nahezu 25 Prozent gestiegen. Inzwischen arbeiten 440.000 Erzieherinnen in Kindertageseinrichtungen (Stichtag 1. März 2011). Fünf Jahre zuvor waren es 353.000 Fachkräfte. Und der Bedarf an pädagogischem Personal steigt weiter. Dazu trägt vor allem der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab dem vollendeten ersten Lebensjahr bei, der am 1. August kommenden Jahres in Kraft tritt. Allein für die bis dahin neu zu schaffenden Kita-Plätze für unter Dreijährige werden 42.000 Fachkräfte benötigt, die Arbeits- und Ausbildungsmarkt nicht vollständig hergeben: Im kommenden Jahr werden bis zu 15.000 Erzieherinnen fehlen. Das hat die Universität Dortmund errechnet.

Der Ländermonitor der Bertelsmann Stiftung führt weitere Faktoren auf, die den Fachkräftemangel verschärfen. So ist in Westdeutschland eine weiter steigende Nachfrage nach Ganztagsbetreuung für Kinder ab drei Jahren zu erwarten, die zusätzliches Personal erfordert. Denn bislang haben die Eltern noch nicht einmal für jedes dritte Kind dieser Altersgruppe (30 Prozent), das eine Kita besucht, eine tägliche Betreuungszeit von mehr als sieben Stunden vereinbart. In Ostdeutschland hingegen wird vor allem die notwendige Verbesserung der Personalschlüssel den Wettbewerb der Kitas um qualifizierte Erzieherinnen steigern. Von 2006 auf 2011 verbesserten sich die Personal¬schlüssel für die Krippengruppen dort zwar von 1:6,7 auf 1:5,7. In den westlichen Bundesländern liegt der Personalschlüssel allerdings bei 1:3,8 und damit weitaus günstiger für qualitativ hochwertige Betreuung. Soll sich der schlechte Ost-Personalschlüssel dem West-Niveau annähern, müssen zusätzliche Erzieherinnen eingestellt werden. Im Osten verschärft sich der Personalbedarf für die Kitas zudem mittelfristig durch die Altersstruktur: mehr als 15.000 pädagogisch Tätige (19,4 Prozent) sind dort 55 Jahre alt oder älter.

Unverändert hoch ist der Anteil an Teilzeit-Arbeitsplätzen im Kita-Bereich. Während über alle Branchen hinweg in Deutschland etwa jeder dritte Arbeitnehmer in Teilzeit arbeitet, sind es in den Kitas knapp 60 Prozent der pädagogischen Fachkräfte. In den östlichen Bundesländern sind von den insgesamt 79.000 Beschäftigten sogar mehr als 75 Prozent in Teilzeit tätig. Während im Osten jedoch eine Trendwende zu verzeichnen ist (2006 waren es noch 82 Prozent), setzen die Kitas im Westen weiterhin überwiegend auf Teilzeitmodelle. Von den im Westen seit 2006 hinzu gekomme¬nen Stellen ist lediglich jede dritte ein Vollzeit-Arbeitsplatz.

Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, bewertet den hohen Anteil von Teilzeit-beschäftigten in Kitas kritisch: "Kinder brauchen in ihrer Kita eine feste Bezugsperson. Das ist eine zentrale Frage der Qualität außerfamiliärer Kinderbetreuung." Angesichts steigender Nachfrage nach Ganztagsbetreuung ist dieser Qualitätsanspruch nur einzulösen, wenn mehr pädagogische Fachkräfte in Vollzeit arbeiten. Zugleich ist es eine wirksame Strategie gegen den Fachkräftemangel, wenn möglichst viele Teilzeitbeschäftigte ihre Stundenzahl erhöhen. "Politik und Träger sollten deshalb mehr Anreize für Vollzeitbeschäftigung schaffen", empfiehlt Dräger.

Dass gezielte Förderung von Vollzeitbeschäftigung wirksam sein kann, zeigt das Beispiel Thüringen. Dort hat sich der Anteil der Vollzeitbeschäftigten innerhalb eines Jahres von 28 auf 39 Pro-zent erhöht. Die dortige Landesregierung verpflichtete die Träger von Kindertageseinrichtungen zu prüfen, ob und wie Erzieherinnen ihre Stundenzahl ausweiten können. Inzwischen liegt Thüringen mit seinem Anteil der Vollzeitkräfte zwar im Osten vorn, aber noch erheblich hinter dem bundesweiten Spitzenreiter Nordrhein-Westfalen, wo 56 Prozent aller Beschäftigten in Kitas in Vollzeit arbeiten. Schlusslicht ist Sachsen-Anhalt mit 15 Prozent.

Der "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelsmann Stiftung ist ein Internetportal, das alle wichtigen Daten und Fakten zu Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege bundesweit sowie für jedes einzelne Bundesland aufbereitet. Grundlage sind Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik. Die Berechnungen hat der Forschungsverbund DJI/TU Dortmund durchgeführt. Der Ländermonitor stellt die Informationen transparent dar, ermöglicht Ländervergleiche und setzt damit Impulse für eine datengestützte und zielgerichtete Weiterentwicklung bestehender Bildungs- und Betreuungsangebote in Deutschland.

Rückfragen an: Anette Stein, Telefon: 0 52 41 / 81 81 274; E-Mail: anette.stein@bertelsmann-stiftung.de

Kathrin Bock-Famulla, Telefon: 0 52 41 / 81 81 173; E-Mail: kathrin.bock-famulla@bertelsmann-stiftung.de

Ute Friedrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de/
http://www.laendermonitor.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Das Reifungsmuster des Hippokampus steuert die menschliche Gedächtnisentwicklung
23.07.2018 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

nachricht Lehrerbildung für die digitale Welt
17.07.2018 | Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 467 km/h in Los Angeles: TUM-Hyperloop-Team bleibt Weltmeister

Mit grandiosen 467 Stundenkilometern ist die dritte Kapsel des WARR-Hyperloop-Teams in Los Angeles durch die Teströhre auf dem Firmengelände von SpaceX gerast. Die Studierenden der Technischen Universität München (TUM) bleiben damit auch im dritten Hyperloop Pod Wettbewerb in Los Angeles ungeschlagen und halten den Geschwindigkeitsrekord für den Hyperloop Prototyp.

Der SpaceX-Gründer Elon Musk hatte die „Hyperloop Pod Competition“ 2015 ins Leben gerufen. Der Hyperloop ist das Konzept eines Transportsystems, bei dem sich...

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natur in der Stadt – was sie leistet und wie wir sie schützen können

23.07.2018 | Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Suchmaschine für «Smart Wood»

23.07.2018 | Informationstechnologie

Das Geheimnis der Höhlenkrebse entschlüsselt

23.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Natur in der Stadt – was sie leistet und wie wir sie schützen können

23.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics