Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

500.000 Euro für BMBF-Projekt zur Verbesserung der Psychotherapie von Panikstörungen

12.05.2010
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bewilligt weitere 500.000 Euro für die Greifswalder Psychologen. In einer ersten Studienphase wurde in den vergangenen drei Jahren in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern in Dresden und Berlin eine kontrolliert, randomisierte (1) klinische Studie mit 360 Patienten durchgeführt. In der zweiten Phase sollen nun Veränderungsmechanismen der Psychotherapie von Panikstörungen genauer aufgeklärt werden.

Panikstörung mit Angst vor großen Plätzen (Agoraphobie) ist eine der schwersten Angsterkrankungen, welche unbehandelt einen chronischen Verlauf nimmt und nicht nur die Patienten belastet, sondern auch enorme Kosten für das Gesundheitssystem verursacht.

Obwohl die kognitive Verhaltenstherapie eine der effektivsten psychotherapeutischen Behandlungsverfahren dieser Erkrankung darstellt, sind die einzelnen Wirkmechanismen dieser Behandlung noch nicht geklärt. Dies ist möglicherweise auch ein Grund, weshalb diese Behandlung in der klinischen Routine noch viel zu wenig angewendet wird.

In vergangen drei Jahren wurde daher ein bundesweites Netzwerk zur Verbesserung der Behandlung der Panikstörung durch das BMBF gefördert. In einer kontrollierten, randomisierten klinischen Studie wurde die Effektivität zweier Varianten einer Expositionstherapie an 360 Patienten mit Panikstörung und Agoraphobie durchgeführt wurde. Expositionstherapie bedeutet, dass der Patient sich unter Anleitung systematisch mit seinen gefürchteten Situationen konfrontiert (zum Beispiel Fahren in öffentlichen Verkehrsmitteln, Aufenthalt in engen Räumen) und dabei lernt, dass seine Angst im Verlauf der Situation immer weiter nachlässt.

Es konnte gezeigt werden, dass es bei 80 Prozent der Patienten durch diese Behandlung zu deutlichen klinischen Verbesserungen kommt und vor allem die Patienten wieder mobiler werden. Hier konnten außerordentlich starke Effekte erzielt werden. „Wir konnten auch erste genetische und Verhaltensmarker identifizieren, welche den Therapieerfolg beeinflussen. Mit einer erneuten klinischen Studie soll nun unter der Federführung der Greifswalder Psychologen vor allem untersucht werden, ob die Angst vor körperlichen Symptomen ein zentraler Mechanismus bei der Entwicklung der Panikstörung und Agoraphobie darstellt und ob der Therapieerfolg durch gezielte Behandlung dieses Symptomkomplexes verbessert werden kann“, so Professor Dr. Alfons Hamm, Leiter des Projektes.

In den kommenden drei Jahren sollen erneut 120 Patienten mit Panikstörung und Agoraphobie untersucht werden. Außerdem werden 30 Patienten mit Panikstörung, bei denen sich noch keine Agoraphobie entwickelt hat, einbezogen; ebenso Personen, welche zwar schon eine Panikattacke erlebt, aber noch keine klinische Störung entwickelt haben. Diese Personengruppe ist insofern besonders interessant, da sich bei effektiver Frühintervention die Entwicklung einer Angsterkrankung verhindern lässt.

An der Studie nehmen neben Greifswald die Universitäten Bremen, Würzburg, Marburg und Münster teil.

Weitere Informationen
(1) Randomisiert bedeutet, dass bei solchen Studien zufällig bestimmt wird, welcher Behandlungsbedingung eine Person zugeordnet werden, um zu vermeiden, dass Unterschiede nach der Behandlung auf unterschiedliche Zusammensetzung der Personengruppen zurückgehen.
Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Prof. Dr. Alfons Hamm
Institut für Psychologie
Lehrstuhl für Physiologische und Klinische Psychologie/Psychotherapie
Franz-Mehring-Straße 47, 17487 Greifswald
Telefon 03834 86-3715
hamm@uni-greifswald.de

Jan Meßerschmidt | idw
Weitere Informationen:
http://www.panik-netz.de/
http://www.gesundheitsforschung-bmbf.de/en/1452.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Bildung Wissenschaft:

nachricht Eye-Tracking-Labor: Erfassung und Analyse von Blickbewegungen hilft, Lernverhalten zu verbessern
04.12.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht Wie Mensch und Maschine mit komplexen Situationen umgehen
19.11.2018 | Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Bildung Wissenschaft >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wenn sich Atome zu nahe kommen

„Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält“ - dieses Faust’sche Streben ist durch die Rasterkraftmikroskopie möglich geworden. Bei dieser Mikroskopiemethode wird eine Oberfläche durch mechanisches Abtasten abgebildet. Der Abtastsensor besteht aus einem Federbalken mit einer atomar scharfen Spitze. Der Federbalken wird in eine Schwingung mit konstanter Amplitude versetzt und Frequenzänderungen der Schwingung erlauben es, kleinste Kräfte im Piko-Newtonbereich zu messen. Ein Newton beträgt zum Beispiel die Gewichtskraft einer Tafel Schokolade, und ein Piko-Newton ist ein Millionstel eines Millionstels eines Newtons.

Da die Kräfte nicht direkt gemessen werden können, sondern durch die sogenannte Kraftspektroskopie über den Umweg einer Frequenzverschiebung bestimmt werden,...

Im Focus: Datenspeicherung mit einzelnen Molekülen

Forschende der Universität Basel berichten von einer neuen Methode, bei der sich der Aggregatzustand weniger Atome oder Moleküle innerhalb eines Netzwerks gezielt steuern lässt. Sie basiert auf der spontanen Selbstorganisation von Molekülen zu ausgedehnten Netzwerken mit Poren von etwa einem Nanometer Grösse. Im Wissenschaftsmagazin «small» berichten die Physikerinnen und Physiker von den Untersuchungen, die für die Entwicklung neuer Speichermedien von besonderer Bedeutung sein können.

Weltweit laufen Bestrebungen, Datenspeicher immer weiter zu verkleinern, um so auf kleinstem Raum eine möglichst hohe Speicherkapazität zu erreichen. Bei fast...

Im Focus: Data storage using individual molecules

Researchers from the University of Basel have reported a new method that allows the physical state of just a few atoms or molecules within a network to be controlled. It is based on the spontaneous self-organization of molecules into extensive networks with pores about one nanometer in size. In the journal ‘small’, the physicists reported on their investigations, which could be of particular importance for the development of new storage devices.

Around the world, researchers are attempting to shrink data storage devices to achieve as large a storage capacity in as small a space as possible. In almost...

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kommunikation zwischen neuronalen Netzwerken

17.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Beim Phasenübergang benutzen die Elektronen den Zebrastreifen

17.12.2018 | Physik Astronomie

Pharmazeuten erzielen Durchbruch bei Suche nach magensaftbeständigen Zusätzen für Medikamente

17.12.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics