Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Treibhausgase aus Autoklimaanlagen reduzieren

20.04.2004


EU soll umwelttechnologische Vorreiterrolle ergreifen


Die zunehmende Klimabelastung durch Autoklimaanlagen muss dringend reduziert werden. Das forderten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie auf der Automobilmesse in Leipzig. Bundesumweltminister Trittin solle sich dafür einsetzen, dass der EU-Ministerrat bei der bevorstehenden Entscheidung über neue Kältemittel für Klimaanlagen die umweltverträglichste Lösung wähle. Das wäre auch im Interesse der deutschen und europäischen Automobilindustrie, die bei der Entwicklung emissionsarmer Klimaanlagen weltweit führend sei.

Dr. Hans-Jochen Luhmann, Wuppertal Institut: "Das heute übliche Kältemittel Tetrafluorethan (R134a) ist ein extrem klimaschädliches Treibhausgas und muss möglichst rasch ersetzt werden. Von den zur Wahl stehenden neuen Kältemitteln - Difluorethan (R152a) und Kohlendioxid (R744) - weist Kohlendioxid mit Abstand die bessere Klimabilanz auf. Difluorethan ist 140-mal klimaschädlicher, Tetrafluorethan sogar 1 300-mal." Die von BMW, Audi und Toyota entwickelte Kohlendioxid-Technologie sei so weit fortgeschritten, dass sie bereits in vier Jahren den bisherigen Standard ablösen könne. Difluorethan, das vor allem von US-amerikanischen Unternehmen favorisiert werde, berge als brennbares Gas größere Sicherheitsrisiken. Ein Einsatz wäre außerdem vor 2012 nicht möglich.


Dr. Werner Reh, BUND-Verkehrsexperte: "Die EU darf die Chance für eine umwelt-, industrie- und technologiepolitische Weichenstellung bei Autoklimaanlagen nicht verpassen. Wir befürworten den Vorschlag des Europaparlaments, Emissionsgrenzwerte für Neuwagen festzulegen, die nur mit Kohlendioxid-Anlagen eingehalten werden können. Jetzt kommt es darauf an, dass sich der EU-Umweltministerrat dem anschließt. Der Vorschlag der EU-Kommission, auch Difluorethan zuzulassen, ist angesichts der großen Nachteile nicht akzeptabel."

Der Vormarsch von Autoklimaanlagen sei kaum noch aufzuhalten, obwohl sie zum Beispiel in Mitteleuropa nicht nötig wären. Von den im Jahr 2002 rund 3,3 Millionen neu zugelassenen PKW in Deutschland hatten bereits 87 Prozent eine Klimaanlage. Durch eine Klimaanlage erhöht sich der Energieverbrauch eines PKW um etwa zehn Prozent. Während des Betriebs und bei der Entsorgung gelangen große Mengen des extrem klimaschädlichen Kältemittels in die Atmosphäre. Der jährliche Kältemittelverlust eines PKW entspricht den Emissionen, die bei der Verbrennung einer ganzen Tankfüllung mit fünfzig Litern Benzin entstehen. Im Jahr 2012 wird die deutsche Autoflotte allein durch Kältemittelverluste das Klima so stark belasten wie ein Braunkohlekraftwerk.

In dreißig Jahren werden voraussichtlich weltweit doppelt so viele PKW wie heute auf den Straßen unterwegs sein. Der Zuwachs wird vornehmlich in den Ländern des Südens stattfinden, wo Klimaanlagen wegen der Hitze sinnvoll sind. Luhmann: "Die CO2-Klimaanlagentechnologie vermeidet den Aufbau einer zusätzlichen Klimalast in den Entwicklungsländern, die absehbar auf die Industrienationen zurückschlagen würde. Europa kann mit seiner Entscheidung für umweltfreundlichere Klimaanlagen eine technologische Vorreiterrolle ergreifen."

Ein Hintergrundpapier zu Autoklimaanlagen und ihrer klimaschädlichen Wirkung ist als pdf-Dokument im Internet abrufbar.

Dorle Riechert | idw
Weitere Informationen:
http://www.bund.net
http://www.wupperinst.org

Weitere Berichte zu: Difluorethan Klimaanlage Kältemittel Treibhausgas

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Automotive:

nachricht Wichtige Schritte auf dem Weg zum automatisierten Fahren
29.03.2018 | Universität Bremen

nachricht Es wird noch heller: Innovative Leuchten in der Automobilindustrie
28.03.2018 | Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Automotive >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

VDI sieht urbane Produktion und Logistik als integrale Teile der Stadt der Zukunft

19.07.2018 | Architektur Bauwesen

Infrarotsensor als neue Methode für die Wirkstoffentwicklung

19.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics