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Wie innovationsfähig ist die deutsche Automobilindustrie?

29.04.2004


2. ISST-Forum in Berlin: Verlässliche Systeme im Automobil der Zukunft


Das diesjährige Forum des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik in Berlin stand ganz im Zeichen der deutschen Automobilzukunft. Gefragt waren verlässliche Systeme im Innovationsbereich Elektrik/Elektronik. Hochkarätige Referenten aus Industrie, Forschung und Politik stellten im ddb forum in Berlin Trends in der Kraftfahrzeugelektronik vor und gaben Antworten auf aktuelle Fragen aus dem Automotive-Bereich. Der erste Veranstaltungstag fand seinen Abschluss in einer angeregt geführten Diskussion zum Top-Thema: Innovationen in Deutschland: gefordert, gefördert, verhindert?

Am Beispiel der Automobilindustrie hinterfragte TV-Moderatorin Christiane Feist die Innovationskraft deutscher Unternehmen im Zusammenspiel mit Politik und Wissenschaft. Ausgangspunkt war die Forderung des Tages, in der Software- und Systementwicklung künftig eine größere Zusammenarbeit, Transparenz und Kontinuität walten zu lassen. "Die Innovationen, die jetzt anstehen, sind Entwicklungen, die für die nächsten 10 bis 20 Jahre entscheidend sind. Für eine so langfristige Strategie fehlt der Autoindustrie, die im Tagesgeschäft verhaftet ist, die notwendige Zeit. Politik und Forschung müssen als Innovationstreiber hier eng mit der Industrie zusammenarbeiten, um die Vorreiterrolle der deutschen Automobilindustrie zu sichern", forderte Prof. Dr. Herbert Weber, Leiter des Fraunhofer ISST.


Erste Initiativen, wie z. B. die Standardisierung von Softwarebausteinen im AUTOSAR-Projekt, einem Zusammenschluss deutscher Marktteilnehmer, wurden als beispielhaft zitiert. Dr. Günter Reichart, Hauptabteilungsleiter Systemdesign und -verifkation der BMW Group, wies jedoch darauf hin, dass AUTOSAR nicht exklusiv für den deutschen Standort gedacht ist. "Um erfolgreich zu sein, müssen Standards international etabliert werden. Entscheidend ist, den Trend zu bestimmen, von Deutschland aus Treiber zu sein."

Als Vertreter der Zulieferindustrie begrüßte Dr. Jürgen Mottok, Siemens VDO Automotive, eine enge Zusammenarbeit mit allen Marktteilnehmern: "Die Zunahme der Komplexität der Systeme zwingt uns zu einer engen Zusammenarbeit. Wir verlieren damit nicht an Kompetenz, sondern tauschen uns über Verantwortung und technisches Know-how aus."

Auf die Frage, wie unter dem Aspekt "Know-how-Schutz" überhaupt eine enge Zusammenarbeit zwischen Wettbewerbern wie z. B. VW und BMW aussehen könnte, wies Dr. Thomas Scharnhorst, Leiter Fahrzeugsystemelektronik bei der Volkswagen AG, darauf hin, dass eine gemeinsame Plattform den Wettbewerb nicht behindert: "Mit sinnvollen Standards kann sich der Hersteller von einem großen Teil von Routineaufgaben befreien, die ohne Wertschöpfung für das Unternehmen sind und seine ganze Kraft auf die eigentlichen Innovationen verwenden."

Aus Sicht der Forschungspolitik wies Dr. Wolf-Dieter Lukas, Ministerialdirigent im Bundesministerium für Bildung und Forschung, darauf hin, dass es Ziel seines Ministeriums ist, Informationstechnologie gezielter zu fördern: "Wir werden IT dort forcieren, wo wir in Deutschland auch Systemanwender haben - dazu gehört auf jeden Fall die Automobilindustrie und hier vor allem kleinere und mittlere Unternehmen aus der Zulieferindustrie." Darüber hinaus forderte Dr. Lukas mehr Engagement der Wirtschaft für eine adäquate Ausbildung: "Die notwendige Qualifikation kann nicht im Studium passieren. Das Beste ist, die Unternehmen nehmen das in die Hand."

Als besondere Herausforderung sieht auch Dr. Jürgen Bielefeld, BMW Group, eine Neuorientierung bei der Ausbildung im Ingenieursbereich an: "Grundsätzlich haben wir in Deutschland eine sehr gute Ingenieursausbildung und Informatikausbildung. Die Schlüsselfrage ist, wie sich nun eine Transformation herbeiführen lässt. Es ist vor allem eine Aufgabe der Unternehmen, den Nachwuchs frühzeitig an entsprechende Projekte heranzuführen."

Dass Innovationen durch Politik weder verordnet noch verhindert werden können, darüber waren sich die Diskussionsteilnehmer einig: "Unternehmen müssen Innovationen aus Eigeninteresse fördern", lautete der Tenor. Die Schwäche in Deutschland, so Dr. Jürgen Bielefeld, sei jedoch immer noch, aus Forschung und Entwicklung vermarktbare Produkte zu machen. Die eigentliche Herausforderung ist, den Prozess von der Idee zur Verwertbarkeit schneller zu führen.

Ines Jansky | Fraunhofer ISST

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