Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Nutzer für alte Häuser: Leerstandsmanagement durch Zwischennutzung

16.03.2010
Gebäudeerhalt durch Nutzerbeteiligungen mittels der vier Grundmodelle Verkauf-Miete-Pacht-Leihe. Neuer Bericht aus der Bauforschungsförderung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR).

In Ostdeutschland stehen derzeit erhebliche Teile der Gründerzeitbebauung insbesondere in sozial problematischen Stadtteilen leer und sind teil- oder unsaniert. Unter den durch Abriss und Verfall bedrohten Gebäuden finden sich eine Reihe historisch wertvoller Baudenkmäler und für die Stadtstruktur prägende Gebäude.

Die innovative Verknüpfung und Handhabung der vier Grundmodelle Verkauf - Miete - Pacht - Leihe mit vorhandenen Fördermodellen und neuen potentiellen Nutzergruppen soll es den Eigentümern von unsanierter und vom Abriss bedrohter Bausubstanz ermöglichen, flexible und zeitlich gleitende Konservierungsmodelle für den Erhalt der Gebäude zu finden. Durch die Entwicklung attraktiver Beteiligungsmodelle für verschiedene Nutzergruppen können die Eigentümer bei der Unterhaltung der Gebäude entlastet und die Bausubstanz damit erhalten werden - sie wird "durch Nutzung gepflegt".

Praktisches Ziel ist die dauerhafte Nutzung von historisch wertvollen Einzelgebäuden und Stadtstrukturen unter Einbeziehung neuer Nutzergruppen.

In den zahlreicher Interviews, die im Rahmen der Forschungsarbeit mit Nutzern, Eigentümern und Akteuren geführt wurden, wird gezeigt, wie mit verschiedensten Ansätzen die temporäre Nutzung alter Häuser bereits praktisch versucht wird und mit welchen Hemmnissen und Problemen, aber auch positiven Erfahrungen und Ergebnissen solche Projekte existieren.

Auch auf dieser Grundlage wurde ein Gebäudepass entwickelt, der die erste Bewertung der Bausubstanz auch für fachliche Laien ermöglichen soll und es wurden Handlungsempfehlungen für alle potentiellen Projektpartner aufgestellt: für Akteure, Nutzer und Eigentümer.

Eingearbeitet in die Forschungsarbeit sind die Ergebnisse eines juristischen Gutachtens für die Grundmodelle Kauf-Miete-Pacht-Leihe. In dessen Ergebnis wurden Modellverträge entwickelt, die den Umgang mit temporären Nutzungsmodellen sowohl für Eigentümer als auch für Nutzer rechtssicher machen.

Die Anwendung des Prinzips "Temporäre Nutzung und Entwicklung durch Pflege" kann in der Stadtentwicklung strategisch dazu eingesetzt werden, historisch wertvolle Gebäude zu sichern und zu erhalten, und zusätzlich Entwicklungsimpulse in Problemvierteln zu geben.

Im Forschungsbericht kann jeder potentielle Projektpartner für temporäre Nutzungskonzepte seine Problemstellungen und enstsprechende Lösungsansätze finden:

Finanzierung und Fördermittel - für Vereine, Interessengemeinschaften, private Eigentümer werden neue und praktikable Wege und Kontakte für die Finanzierung aufgezeigt - das Beispiel GLS-Bank zeig, dass auch Banken vermeintliche Risikoprojekte erfolgreich finanzieren können.

Vertrag und Rechtssicherheit - Wahl und Prüfung der vertraglichen Grundlagen müssen für alle Projektpartner bereits bei der Planung des Projekts eine herausragende Rolle spielen. Gestattungsverträge und Nutzungsvereinbarungen sind insbesondere bei Wohnnutzungen anfechtbar.

Ausbau und Sicherung - Grundlage für die temporäre Nutzung eines Gebäudes ist die bauliche Bewertung und die daraus resultierende Grundsicherung. Entscheidendes Ergebnis ist, dass letztere oft schon ausreicht, um eine temporäre Nutzung zu etablieren, und zudem gefördert werden kann.

Anfang - Besonders wichtig ist zuerst die Behandlung der Erdgeschosszone der Gebäude, deren Belebung an der Straße eine entscheidende Rolle für das einzelne Haus und für das ganze Stadtquartier spielt. Sie kann als gesellschaftlicher Treffpunkt des Gebäudes und des Quartiers und für das Haus selbst als "Pufferzone" zum Straßenlärm dienen und damit die nächsten Nutzer "locken".

Für die regional übergreifende Initiierung und Betreuung temporärer Nutzungsprojekte und die Gründung entsprechender Projekt-Agenturen stehen zum einen die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit zur Verfügung, zum anderen gibt es eine hohe Bereitschaft der heutigen Akteure zur Netzwerkbildung. Kontakte, Links und Ansprechpartner werden im Anhang des Forschungsberichts für alle Interessierten genannt.

Jana Reichenbach-Behnisch, Michael Rudolph:
Leerstandsmanagement durch Zwischennutzung
Hammonia-Verlag GmbH
ISBN-10: 3872923196
ISBN-13: 978-3872923196
262 Seiten, 48 Euro
Kontakt:
Jana Reichenbach-Behnisch
Büro Tapetenwerk
rb architekten
Haus B 1. Obergeschoss
Lützner Strasse 91
04177 Leipzig
Tel.: 0341 - 4 92 82 36
Weitere Informationen zur Bauforschungsförderung:
Guido Hagel
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Referat II 3 - Forschung im Bauwesen, Technisches Gebäudemanagement
Deichmanns Aue 31-37, 53179 Bonn
Tel. 0228 99 401 1482

Guido Hagel | idw
Weitere Informationen:
http://www.forschungsinitiative.de
http://www.forschungsinitiative.de/projekte.jsp?p=20068033583&stat=ab

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Kaiserslauterer Architekten setzen Holzkuppel dank Software einfach wie Puzzle zusammen
19.09.2018 | Technische Universität Kaiserslautern

nachricht StadtLandNavi entwickelt anpassungsfähige Tools für ein nachhaltiges Flächenmanagement
11.09.2018 | HafenCity Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kupfer-Aluminium-Superatom

Äußerlich sieht der Cluster aus 55 Kupfer- und Aluminiumatomen aus wie ein Kristall, chemisch hat er jedoch die Eigenschaften eines Atoms. Das hetero-metallische Superatom, das Chemikerinnen und Chemiker der Technischen Universität München (TUM) hergestellt haben, schafft die Voraussetzung für die Entwicklung neuer, kostengünstiger Katalysatoren.

Chemie kann teuer sein. Zum Reinigen von Abgasen beispielsweise benutzt man Platin. Das Edelmetall dient als Katalysator, der chemische Reaktionen...

Im Focus: Hygiene im Handumdrehen – mit neuem Netzwerk „CleanHand“

Das Fraunhofer FEP beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Entwicklung von Prozessen und Anlagen zur Reinigung, Sterilisation und Oberflächenmodifizierung. Zur Bündelung der Kompetenzen vieler Partner wurde im Mai 2018 das Netzwerk „CleanHand“ zur Entwicklung von Systemen und Technologien für saubere Oberflächen, Materialien und Gegenstände ins Leben gerufen. Als Partner von „CleanHand“ präsentiert das Fraunhofer FEP im Rahmen der Messe parts2clean, vom 23.-25. Oktober 2018, in Stuttgart, am Stand der Fraunhofer-Allianz Reinigungstechnik (Halle 5, Stand C31), das Netzwerk sowie aktuelle Forschungsschwerpunkte des Institutes im Bereich Hygiene und Reinigung.

Besonders um die Hauptreisezeiten gehen vermehrt Testberichte und Studien über die Reinheit von europäischen Raststätten, Hotelbetten und Freibädern durch die...

Im Focus: Hygiene at your fingertips with the new CleanHand Network

The Fraunhofer FEP has been involved in developing processes and equipment for cleaning, sterilization, and surface modification for decades. The CleanHand Network for development of systems and technologies to clean surfaces, materials, and objects was established in May 2018 to bundle the expertise of many partnering organizations. As a partner in the CleanHand Network, Fraunhofer FEP will present the Network and current research topics of the Institute in the field of hygiene and cleaning at the parts2clean trade fair, October 23-25, 2018 in Stuttgart, at the booth of the Fraunhofer Cleaning Technology Alliance (Hall 5, Booth C31).

Test reports and studies on the cleanliness of European motorway rest areas, hotel beds, and outdoor pools increasingly appear in the press, especially during...

Im Focus: Neue Therapien bei Gefäßerkrankungen

Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) vom 12. bis 15. September in Münster stellten Gefäßspezialisten aus ganz Deutschland die neuesten Therapien bei Gefäßerkrankungen vor. Vor allem in den Bereichen periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) und venöse Verschlusskrankheiten wie die Tiefe Venenthrombose (TVT) gibt gute Neuigkeiten für die Patienten. Viele der 720 Gefäßspezialisten, die an der Jahrestagung teilnahmen, stellten neueste Studienergebnisse vor.

Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Gefäßerkrankungen, allein rund fünf Millionen unter der „Schaufensterkrankheit“, medizinisch periphere...

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Fachkonferenz "Automatisiertes und autonomes Fahren"

25.09.2018 | Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Umgang mit Krankenstandsdaten im Unternehmen – ein Blick hinter die Kulissen

26.09.2018 | Seminare Workshops

Bisher unbekannter Mechanismus der Blut-Hirn-Schranke entdeckt

25.09.2018 | Biowissenschaften Chemie

Suche nach Grundwasser im Ozean - Neues deutsch-maltesisches Forschungsprojekt gestartet

25.09.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics