Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wir machen uns das Wetter selbst - Klimasimulation an der Bauhaus-Universität Weimar

18.02.2002


Klimasimulationskammer mit Studentin


Klimasimulationskammer mit Betonproben bei "Nebelregen"


In zwei begehbaren Zellen mit einer Größe von je 5 m3 können bis zu 1,5 t Probenmaterial natürlichen Klimabedingungen ausgesetzt werden, seien es nun Temperaturen wie in der Wüste oder in der Arktis.

Seit Dezember 2001 könnte man in Weimar den neuerworbenen Schlafsack auf seine Witterungsbeständigkeit hin überprüfen. Hält er bei arktischen Minusgraden immer noch so warm, wie vom Hersteller versprochen? Das kann allerdings nur im Selbstversuch herausgefunden werden...

Mit zwei neuartigen Klimasimulationszellen des F.A. Finger-Institutes für Baustoffkunde an der Bauhaus-Universität Weimar, die in Zusammenarbeit mit der Thüringer Firma Feutron Klimasimulation entwickelt wurden, wären solche Experimente schon denkbar. In zwei begehbaren Zellen mit einer Größe von je 5 m3 können bis zu 1,5 t Probenmaterial natürlichen Klimabedingungen ausgesetzt werden, seien es nun Temperaturen wie in der Wüste oder in der Arktis.
Die 212.700 Euro teure Anlage, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Thüringen, soll aber weniger der Simulation exotischer Klimate dienen, sondern die Entwicklung zeitraffender Prüfverfahren zur Vorhersage der Dauerhaftigkeit frei bewitterter Baustoffe ermöglichen.

Schon seit Jahren ist die Dauerhaftigkeit von Baustoffen von besonderem Interesse, da z.B. Betonschäden an Autobahnen, Brücken- und Wasserbauwerken Milliarden von Euro verschlingen. Bisher existieren aber keine Prüfverfahren, die den Einfluss des Klimas (Frost, wechselnde Durchfeuchtung, Erwärmung durch starke Sonneneinstrahlung) auf die Dauerhaftigkeit von Baustoffen erfassen kann. In den Klimasimulationszellen können z.B. an Betonproben natürliche Witterungseinflüsse simuliert werden, um herauszufinden, wie Beton zusammengesetzt sein muss, der in der Praxis eine ausreichende Lebensdauer aufweist. Die bisher dazu durchgeführten Laborversuche waren mit hohem manuellen Aufwand verbunden - die Betonproben wurden abwechselnd in Trockenschränken, Frostkammern, Wasserbädern und Klimaräumen eingelagert. Zudem verringert sich der Zeitaufwand im Wechsellagerzyklus
von neun Monaten auf weniger als vier Monate.

Die in ihrer Funktion weltweit einzigartigen Klimasimulationszellen des F.A. Finger-Institutes ermöglichen die Einstellung verschiedenster Temperatur- und Feuchtebedingungen mit hohen Änderungsgeschwindigkeiten. Temperaturen von -40 bis +105 °C sind möglich. Sie werden wahlweise mit einer scharfen Trocknung oder bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt mit einer starken Befeuchtung der Proben durch Nebelbildung kombiniert. Auch durch Frost- und Tauwechsel können sowohl ?normale? als auch extreme Witterungsverhältnisse simuliert werden. Das F.A. Finger-Institut unter Leitung von Prof. Jochen Stark beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Untersuchungen zum Problemkomplex Dauerhaftigkeit von Beton, speziell auch unter wechselnden Temperatur- und Feuchtebedingungen.
Die Firma Feutron Klimasimulation aus Greiz/Thüringen entwickelte zunächst in Zusammenarbeit mit dem Institut einen Prototyp. Die in 1-jähriger Testphase gewonnen Erfahrungen führten schließlich zur Entwicklung der Klimasimulationszellen.
Seit Dezember 2001 laufen die Klimasimulationszellen im Dauerbetrieb, werden derzeit noch einer Testphase unterzogen und danach für Untersuchungen zur weiteren Verbesserung der Dauerhaftigkeit von Baustoffen und damit zur zielgerichteten Vermeidung von Schäden herangezogen.

Reiner Bensch M.A. | idw

Weitere Berichte zu: Bauhaus-Universität Beton Klimasimulation Wetter

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Forscherteam der Bauhaus-Universität Weimar entwickelt digitale Bauwerksüberwachung
08.11.2018 | Bauhaus-Universität Weimar

nachricht Spatenstich für weltweit erstes adaptives Hochhaus: Gebäude passen sich an Umwelteinflüsse an
31.10.2018 | Universität Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Im Focus: Mit Gold Krankheiten aufspüren

Röntgenfluoreszenz könnte neue Diagnosemöglichkeiten in der Medizin eröffnen

Ein Präzisions-Röntgenverfahren soll Krebs früher erkennen sowie die Entwicklung und Kontrolle von Medikamenten verbessern können. Wie ein Forschungsteam unter...

Im Focus: Ein Chip mit echten Blutgefäßen

An der TU Wien wurden Bio-Chips entwickelt, in denen man Gewebe herstellen und untersuchen kann. Die Stoffzufuhr lässt sich dabei sehr präzise dosieren.

Menschliche Zellen in der Petrischale zu vermehren, ist heute keine große Herausforderung mehr. Künstliches Gewebe herzustellen, durchzogen von feinen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Kalikokrebse: Erste Fachtagung zu hochinvasiver Tierart

16.11.2018 | Veranstaltungen

Können Roboter im Alter Spaß machen?

14.11.2018 | Veranstaltungen

Tagung informiert über künstliche Intelligenz

13.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Mikroplastik in Kosmetik

16.11.2018 | Studien Analysen

Neue Materialien – Wie Polymerpelze selbstorganisiert wachsen

16.11.2018 | Materialwissenschaften

Anomale Kristalle: ein Schlüssel zu atomaren Strukturen von Schmelzen im Erdinneren

16.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics