Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ressource Land unter Druck

04.03.2016

Die Landnutzung ist weltweit im Wandel. Unersättlich scheint der Bedarf an Ackerland, Nahrungsmitteln und Energie. Doch die Ressource Land ist endlich. Die Folgen der sich ändernden Nutzung zu untersuchen und Nutzungsstrategien zu entwickeln, waren Ziele der 2016 zu Ende gehenden Fördermaßnahme „Nachhaltiges Landmanagement“. Damit findet auch deren wissenschaftliches Begleitvorhaben GLUES seinen Abschluss, das am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) koordiniert wurde. Zur Abschlusskonferenz, die vom 7. bis 9. März in Berlin stattfindet, werden mehr als 350 internationale Forscherinnen und Forscher sowie Praktiker erwartet.

„Entscheidende Erkenntnis unserer Arbeit ist, dass der Spagat zwischen einer nachhaltigen Landnutzung und der Ernährungssicherheit für die Menschheit gelingen kann“, sagt Prof. Dr. Ralf Seppelt. Er leitet das wissenschaftliche Begleitvorhaben GLUES (Global Assessment of Land Use Dynamics, Greenhouse Gas Emissions and Ecosystem Services) und das Department Landschaftsökologie am UFZ.


In einem der zwölf regionalen Forschungsprojekte (LEGATO) befassten sich die Forscher mit der Bedeutung künstlich bewässerter Reisterrassen für den Erhalt der Artenvielfalt in Südostasien.

UFZ / André Künzelmann


Um Kindern und Jugendlichen das Thema Landnutzung nahe zu bringen, wurde das Computerspiel LandYOUs entwickelt.

UFZ

„Möglich ist das, wenn Landwirte ökologisch vertretbar Flächen intensivieren, Nahrungsmittel weltweit besser verteilt sind und der Mensch seine Ernährungsgewohnheiten ändert und er weniger wegwirft“, bilanziert Seppelt.

Wie notwendig ein Umsteuern ist, veranschaulichen die Ergebnisse aus dem GLUES-Projekt. So konnten die Forscher nachweisen, dass der Mensch entgegen vieler Expertenmeinungen keine zusätzlichen Flächen für die Landwirtschaft in Anspruch nehmen muss, um die wachsende Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 ernähren zu können.

Demnach könnte der globale Ertrag etwa durch Mehrfachernten um fast 40 Prozent gesteigert werden (1). Gleichzeitig konnten die Forscher belegen, dass sich die Produktionsraten nachwachsender Ressourcen nicht unbegrenzt steigern lassen. Die Analyse ergab, dass sie bei etlichen Schlüsselressourcen wie Mais, Reis, Weizen, Fisch, Fleisch oder Milch ihren Peak bereits überschritten haben (2).

Die globale Perspektive der Landnutzung ist nur ein kleiner Teil der Fördermaßnahme „Nachhaltiges Landmanagement“, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) zwischen 2010 und 2015 mit 75 Millionen Euro förderte. 500 Wissenschaftler waren weltweit in zwölf regionalen Forschungsprojekten beteiligt.

Für Steppen in Sibirien etwa entwarf ein Team von Wissenschaftlern im Projekt KULUNDA ökologische und ökonomische Strategien, wie eine nachhaltige Landnutzung in den Grasländern aussehen könnte (3). Auf den Philippinen und in Vietnam analysierten Forscher im Projekt LEGATO, unter welchen Bedingungen ökologischer Reisanbau wirtschaftlich rentabel sein kann (4). Im Projekt COMTESS entwickelten Wissenschaftler Maßnahmen, mit denen man dem Anstieg des Meeresspiegels an Nord- und Ostsee durch ein nachhaltiges Landmanagement an der Küste begegnen kann (5).

Um diese Einzelergebnisse zu den Folgen der Landnutzung zusammenzuführen und besser bewerten und vergleichen zu können, definierten die GLUES-Forscher aus mehr als 30 Indikatoren zu Landwirtschaft, Umwelt, Klima und Sozioökonomie globale Landnutzungsmuster.

Zu diesen Archetypen zählen etwa Weidewirtschaftssysteme, degradierte Wälder oder Agrarsysteme in den Tropen. Deutlich wurde durch eine globale Karte der Landnutzung zum Beispiel, dass extensive Anbauflächen etwa in China, Indien und Teilen Russlands rund elf Prozent der Landfläche ausmachen. Die Karte verdeutlicht aber auch, dass in weiten Teilen Westeuropas oder den USA eine Ertragssteigerung kaum mehr möglich ist (6).

Die Ergebnisse des GLUES-Projekts bleiben nicht in der Wissenschaft, sie sollen auch in der Praxis umgesetzt werden. So hat das Sekretariat der UN-Wüstenkonvention (UNCCD) das Thema Nachhaltige Landnutzung aufgegriffen. Zudem wird demnächst ein Handbuch erscheinen, das Landwirten und Entwicklungsorganisationen in Form eines Beratungskatalogs praxisnah Anleitung gibt, wie sie Agrarflächen nachhaltig bewirtschaften können.

Und um Kindern und Jugendlichen das Thema Land nahe zu bringen, wurde das Computerspiel LandYOUs entwickelt. Spieler können dabei entscheiden, wie viel Geld des Staatsbudgets sie in Naturschutz, Aufforstung, Landwirtschaft oder Stadtentwicklung investieren wollen. Sie erfahren so, welche Folgen der Landnutzungswandel für Gesellschaft, Biodiversität, Forst- und Landwirtschaft haben kann.

Weitere Informationen:
http://nachhaltiges-landmanagement.de/de/startseite/

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ralf Seppelt
UFZ-Department Landschaftsökologie
E-Mail: ralf.seppelt@ufz.de

Ausgewählte Publikationen:
(1) Mauser, W., G. Klepper, F. Zabel, R. Delzeit, T. Hank, B. Putzenlechner, A. Calzadilla. 2015. Global Biomass Production Potentials Exceed Expected Future Demand without the Need for Cropland Expansion. Nature Communications,
http://dx.doi.org/10.1038/ncomms9946

(2) Seppelt, R., A. M. Manceur, J. Liu, E. P. Fenichel, and S. Klotz. 2014. Synchronized peak-rate years of global resources use. Ecology and Society, http://dx.doi.org/10.5751/ES-07039-190450

(3) Novel Methods for Monitoring and Managing Land and Water Resources in Siberia. Herausgeber: Mueller, Lothar, Sheudshen, Askhad K., Eulenstein, Frank (Eds.), Springer Water 2016, ISBN 978-3-319-24409-9, http://www.springer.com/de/book/9783319244075#aboutBook

(4) Settele J, Spangenberg JH, Heong KL, Burkhard B, Bustamante JV, Cabbigat J, Chien HV, Escalada M, Grescho V, Hai LH, Harpke A, Horgan F, Hotes S, Jahn R, Kühn I, Marquez L, Schädler M, Tekken V, Vetterlein D, Villareal S, Westphal C, Wiemers M (2015). Agricultural Landscapes and Ecosystem Services in South-East Asia – the LEGATO-Project. Basic and Applied Ecology 16, 661-664. http://dx.doi.org/10.1016/j.baae.2015.10.003

(5) Karrasch, L., Klenke, T., Woltjer, J. (2014): Linking the ecosystem services approach to social preferences and needs in integrated coastal land use management – A planning approach. Land Use Policy 38, 522-532. http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0264837713002718

(6) Václavík,T., Lautenbach, S., Kuemmerle, T., Seppelt, R. 2013:
Mapping global land system archetypes. Global Environ. Change, http://dx.doi.org/10.1016/j.gloenvcha.2013.09.004.

Weitere Informationen:

http://www.ufz.de/index.php?de=36336&webc_pm=9/2016

Susanne Hufe | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Wald im Trockenstress: Schlechterer Kronenzustand, mehr tote Bäume
08.04.2020 | Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

nachricht Bodenlos nachhaltig: Neuartige landwirtschaftliche Pflanzenproduktion mit Wasserwiederverwendung
02.04.2020 | ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Breites Spektrum: Neuartiges Hybridmaterial erweist sich als effizienter Fotodetektor

Digitalkameras, aber auch viele andere elektronische Anwendungen benötigen lichtempfindliche Sensoren. Um den steigenden Bedarf an solchen optoelektronischen Bauteilen zu decken, sucht die Industrie nach neuen Halbleitermaterialien. Diese sollten nicht nur einen möglichst breiten Wellenlängenbereich erfassen, sondern auch preisgünstig sein. Ein in Dresden entwickeltes Hybridmaterial erfüllt beide Anforderungen. Himani Arora, Physik-Doktorandin am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR), wies nach, dass sich eine metallorganische Verbindung als Breitband-Fotodetektor verwenden lässt. Da es keine teuren Rohstoffe enthält, kann es in großen Mengen preisgünstig produziert werden.

Metallorganische Gerüste (Metal-Organic Frameworks, MOFs) haben sich in den vergangenen zwanzig Jahren zu einem gefragten Materialsystem entwickelt. Die...

Im Focus: Broad spectrum: Novel hybrid material proves an efficient photodetector

Digital cameras as well as many other electronic devices need light-sensitive sensors. In order to cater for the increasing demand for optoelectronic components of this kind, industry is searching for new semiconductor materials. They are not only supposed to cover a broad range of wavelengths but should also be inexpensive.

A hybrid material, developed in Dresden, fulfils both these requirements. Himani Arora, a physics PhD student at Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR),...

Im Focus: Langlebigere Satelliten, weniger Weltraumschrott

Forschende der Universität Stuttgart nehmen innovatives induktives Plasmatriebwerk auf Helicon-Basis in Betrieb

Erdbeobachtungssatelliten für niedrige Flughöhen, kleiner, leichter und billiger als herkömmliche Modelle: Das sind die Ziele des EU- Projekts „DISCOVERER“, an...

Im Focus: X-ray vision through the water window

The development of the first high-repetition-rate laser source that produces coherent soft x-rays spanning the entire 'water window' heralds the beginning of a new generation of attosecond technology

The ability to generate light pulses of sub-femtosecond duration, first demonstrated some 20 years ago, has given rise to an entirely new field: attosecond...

Im Focus: Innovative Technologien für Satelliten

Er kommt ohne Verkabelung aus und seine tragende Struktur ist gleichzeitig ein Akku: An einem derart raffiniert gebauten Kleinsatelliten arbeiten Forschungsteams aus Braunschweig und Würzburg. Für 2023 ist das Testen des Kleinsatelliten im Orbit geplant.

Manche Satelliten sind nur wenig größer als eine Milchtüte. Dieser Bautypus soll jetzt eine weiter vereinfachte Architektur bekommen und dadurch noch leichter...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium AWK’21 findet am 10. und 11. Juni 2021 statt

06.04.2020 | Veranstaltungen

Interdisziplinärer Austausch zum Design elektrochemischer Reaktoren

03.04.2020 | Veranstaltungen

13. »AKL – International Laser Technology Congress«: 4.–6. Mai 2022 in Aachen – Lasertechnik Live bereits früher!

02.04.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Preisgekröntes Projektmanagement

09.04.2020 | Förderungen Preise

Breites Spektrum: Neuartiges Hybridmaterial erweist sich als effizienter Fotodetektor

09.04.2020 | Materialwissenschaften

Bayreuther Genetiker entdecken Regulationsmechanismus der Chromosomen-Vererbung

09.04.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics