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Bienensterben - Noch großer Forschungsbedarf

17.10.2012
Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln beeinträchtige zwar die Honigbiene, könne aber im Frühling und bei einem gesunden Bienenstaat kaum ein ganzes Volk auslöschen.

So lautet die Einschätzung von Wissenschaftlern der britischen Universität Exeter. Im Fachjournal "Science" hatten sie eine im April 2012 veröffentlichte Studie des französischen Agrarforschungsinstituts INRA kritisiert und weitere wissenschaftliche Untersuchungen gefordert, um die Auswirkungen von bestimmten Pflanzenschutzmitteln auf die Honigbiene genauer zu untersuchen.

Neonicotinoide sind eine Wirkstoffgruppe, die zur Bekämpfung von Schadinsekten eingesetzt werden. Wenn Pflanzen mit diesen Präparaten behandelt werden, kann die Honigbiene über Nektar und Pollen deren Rückstände aufnehmen. Die Schadstoffe wirken wie ein Nervengift und stören den Orientierungssinn der Insekten, so dass Arbeiterinnen nicht wieder zurück in den Bienenstock finden. Die erhöhte Sterblichkeit könnte nach Berechnungen der französischen Forscher zu einem Zusammenbruch des ganzen Volkes führen.

Diese Ergebnisse werden von den britischen Wissenschaftlern angezweifelt. Dem mathematischen Modell würden Voraussetzungen zugrunde liegen, die in der landwirtschaftlichen Praxis in der Regel nicht vorkommen. In der Studie würde auch die Regenerationsfähigkeit des Bienenvolkes unterschätzt.

In Europa sind die Insekten den Pflanzenschutzmitteln vor allem im Frühling und Frühsommer ausgesetzt. Zu dieser Zeit ist die Hauptblütezeit von betroffenen Kulturen, wie etwa Raps, und die Vermehrungsrate der Bienenvölker durch das gute Nahrungsangebot sehr hoch. Dann wäre es sehr unwahrscheinlich, dass allein der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ein Völkersterben auslösen würde, so die Kritiker und weisen auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen hin.

Die französische Studie wird von Wissenschaftlern, Umweltschützern und Politikern häufig angeführt, um einen Zusammenhang zwischen Pflanzenschutz und Bienensterben zu belegen. In Frankreich wurde aufgrund dieser Daten die Zulassung eines Mittels zur Saatgutbeizung vorläufig ausgesetzt.

Die EU-Kommission hat im April 2012 3,3 Millionen Euro als Teil der Strategie gegen den Verlust von Bienenvölkern zur Verfügung gestellt, um die Datenlage zu verbessern und in 17 Mitgliedsstaaten Untersuchungen zum Bienensterben durchzuführen. Von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) wurde die bisher praktizierte Risikoprüfung für die Bienengefährlichkeit von Pestiziden einer kritischen Prüfung unterzogen.

Die am "Panel on Plant Protection Products and their Residues" beteiligten Wissenschaftler stellten u. a. fest, dass die bislang gültigen Grenzwerte für die Bienengefährlichkeit weitgehend aus Kurzzeittests abgeleitet würden. Bei Langzeitversuchen könnte sich herausstellen, dass bereits bei wesentlich geringeren Konzentrationen erhebliche Schäden auftreten.

Zwischen den unterschiedlichen Entwicklungsstadien der Bienen aber auch zwischen den Arten gebe es erhebliche Unterschiede, wie diese auf Pestizide reagieren. Das mache u. a. eigene Risikoanalysen für Honigbienen, Hummeln und Solitärbienen notwendig.

Eine Fortsetzung der Diskussion ist also garantiert.

Heike Kreutz/Renate Kessen | www.aid.de
Weitere Informationen:
http://www.aid.de

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