Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krankheitserreger und Schadstoffe in Futtermitteln und Fäkalien

02.11.2000


Nicht erst seit dem Auftreten von BSE fragen Wissenschaftler, wie sich Krankheitserreger über Futtermittel und tierische Fäkalien verbreiten. Virusseuchen wie Schweinepest oder die Maul- und Klauenseuche
führen noch immer zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten, auch bakteriell verursachte Krankheiten wie Schweineruhr und Salmonellose oder die Rindertuberkulose sind keineswegs ausgerottet - im Gegenteil: Durch die moderne Massentierhaltung steigen die epidemiologischen Risiken.

Die Senatskommission zur Beurteilung von Stoffen in der Landwirtschaft der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat jetzt einen Sachstandsbericht Potenzielle Schadorganismen und Stoffe in Futtermitteln sowie in tierischen Fäkalien herausgegeben; darin wird neben einer detaillierten Bestandsaufnahme auch auf weiteren Forschungs- und Handlungsbedarf hingewiesen sowie die Rechtslage erläutert.

Es ist hinlänglich bekannt, dass Viren und Prionen über verfüttertes Tiermehl und Schlachtabfälle in Tierbestände eingeschleppt werden können. Weniger bekannt dagegen ist, wie erkrankte oder infizierte Nutztiere Viren ausscheiden und wie sich diese durch Düngung, etwa durch Gülle, oder bei Freilandhaltung in der Umwelt verbreiten. Aus seuchenhygienischer Sicht wird diese Situation als "nicht unbedenklich" eingestuft. In welchem Umfang Menschen diesen aus tierischen Ausscheidungen stammenden Viren ausgesetzt sind, ist ebenfalls wenig bekannt. Zwar wurden bislang mit tierischen Fäkalien keine Verschleppungen viraler Krankheits- und Seuchenerreger festgestellt, jedoch dürften ähnlich wie bei krankheitserregenden Viren des Menschen auch tierische Viren den Weg in Böden, Trinkwasser und Badeseen finden. Nachdem sich die meisten Viren weitgehend wirtsspezifisch verhalten, ist der Mensch nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht unmittelbar gefährdet.
Doch nicht nur der Viren wegen sind die von rund 143 Millionen Nutztieren jährlich produzierten 264 Millionen Tonnen Exkremente pro Jahr ein aus hygienischer Sicht problematisches Gut; auch bakterielle Krankheitserreger können darin längere Zeit lebensfähig bleiben. Neben krankheitserregenden Bakterien, die zum Ausbruch einer meldepflichtigen Seuche führen, stehen zunehmend solche Erreger im Vordergrund, die man früher nur als Begleitkeime angesehen hat und die erst durch bestimmte Umstände wie falsche Fütterung, nicht artgemäße Tierhaltung oder fehlerhaftes Stallklima pathogen werden können. Auch Erkrankungen des Menschen, verursacht durch kontaminierte Lebensmittel tierischer Herkunft, werden immer


häufiger diskutiert. Durch die intensive Tierhaltung und den massenhaften Einsatz von Antibiotika gelangen antibiotikaresistente Bakterien in die Gülle. So gibt es kaum noch Tiere, die in ihrem Darm voll empfindliche, also kein Resistenzgen tragende Darmbakterien (Escherichia coli) besitzen. Noch ist nicht untersucht, ob diese mit den tierischen Fäkalien ausgebrachten resistenten Bakterien einen Langzeiteffekt bewirken. Bislang konnte nachgewiesen werden, dass durch den Einsatz von Streptothricin zur Leistungssteigerung Kreuzresistenzen gegenüber in der Humanmedizin eingesetzten Antibiotika entstanden sind. Hier müssen weitere Untersuchungen erfolgen.

Auch Pilze sind in Futtermitteln und tierischen Exkrementen fast immer nachzuweisen; dabei handelt es sich meist um Schimmelpilze der Gattungen Aspergillus und Penicillium. Während diese Pilze und ihre toxischen Stoffwechselprodukte sehr gut untersucht sind, ist diesbezüglich bei anderen Pilzgattungen nur wenig bekannt.

Die Senatskommission sieht weiteren dringenden Forschungsbedarf, um die Gesundheitsgefährdung von Menschen und Tieren durch Erreger und Schadstoffe besser beurteilen zu können. Gerade auf dem Gebiet der Epidemiologie gebe es noch erhebliche Kenntnislücken.


Deutsche Forschungsgemeinschaft
Senatskommission zur Beurteilung von Stoffen in der Landwirtschaft
Potenzielle Schadorganismen und Stoffe in Futtermitteln sowie in tierischen Fäkalien
Sachstandsbericht, Mitteilung 4
440 Seiten
198.- DM
Wiley-VCH, D-69451 Weinheim

Hinweis für Redaktionen:
Redaktionen können ein kostenloses Rezensionsexemplar beim Pressereferat der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Kennedyallee 40, 53175 Bonn, Tel.: 0228/885-2210, Fax: 0228/885-2180, anfordern.

Dr. Pia Teufel | idw

Weitere Berichte zu: Beurteilung Futtermittel Fäkalien Krankheitserreger Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Süßkartoffel warnt ihre Nachbarn bei Befall durch einen einzigen Duftstoff
02.12.2019 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Nachhaltiger Pflanzenschutz: Pflanzenschädlinge umweltfreundlich eindämmen
02.12.2019 | Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus

Durch Untersuchungen struktureller Veränderungen während der Synthese von Kathodenmaterialen für zukünftige Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und kooperierender Einrichtungen neue und wesentliche Erkenntnisse über Degradationsmechanismen gewonnen. Diese könnten zur Entwicklung von Akkus mit deutlich erhöhter Kapazität beitragen, die etwa bei Elektrofahrzeugen eine größere Reichweite möglich machen. Über die Ergebnisse berichtet das Team in der Zeitschrift Nature Communications. (DOI 10.1038/s41467-019-13240-z)

Ein Durchbruch der Elektromobilität wird bislang unter anderem durch ungenügende Reichweiten der Fahrzeuge behindert. Helfen könnten Lithium-Ionen-Akkus mit...

Im Focus: Neue Klimadaten dank kompaktem Alexandritlaser

Höhere Atmosphärenschichten werden für Klimaforscher immer interessanter. Bereiche oberhalb von 40 km sind allerdings nur mit Höhenforschungsraketen direkt zugänglich. Ein LIDAR-System (Light Detection and Ranging) mit einem diodengepumpten Alexandritlaser schafft jetzt neue Möglichkeiten. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) und des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT entwickeln ein System, das leicht zu transportieren ist und autark arbeitet. Damit kann in Zukunft ein LIDAR-Netzwerk kontinuierlich und weiträumig Daten aus der Atmosphäre liefern.

Der Klimawandel ist in diesen Tagen ein heißes Thema. Eine wichtige wissenschaftliche Grundlage zum Verständnis der Phänomene sind valide Modelle zur...

Im Focus: Auxetische Membranen - Paradoxes Ersatzgewebe für die Medizin

Ein Material, das dicker wird, wenn man daran zieht, scheint den Gesetzen der Physik zu widersprechen. Der sogenannte auxetische Effekt, der auch in der Natur vorkommt, ist jedoch für eine Vielzahl von Anwendungen interessant. Eine neue, vor kurzem im Fachblatt «Nature Communications» veröffentlichte Studie der Empa zeigt nun, wie sich das erstaunliche Materialverhalten weiter steigern lässt – und sogar für die Behandlung von Verletzungen und Gewebeschäden genutzt werden kann.

Die Natur macht es vor: Ein Kälbchen, das am Euter der Mutterkuh Milch saugt, nutzt eine faszinierende physikalische Eigenschaft der Kuhzitze: Diese besteht...

Im Focus: Meteoritengestein ist "bessere Diät"

Archaeon kann Meteoritengestein aufnehmen – und sich davon ernähren

Das Archaeon Metallosphaera sedula kann außerirdisches Material aufnehmen und verarbeiten. Das zeigt ein internationales Team um Astrobiologin Tetyana...

Im Focus: The coldest reaction

With ultracold chemistry, researchers get a first look at exactly what happens during a chemical reaction

The coldest chemical reaction in the known universe took place in what appears to be a chaotic mess of lasers. The appearance deceives: Deep within that...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was gehört auf die Trendliste für 2020?

05.12.2019 | Unternehmensmeldung

Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus

05.12.2019 | Energie und Elektrotechnik

Schweizer Weltraumteleskop CHEOPS: Raketenstart voraussichtlich am 17. Dezember 2019

05.12.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics