Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Agroforstwirtschaft: eine zukunftsweisende Strategie für das Landmanagement

18.08.2015

Im Rahmen des BMBF-geförderten Verbundprojekts "AUFWERTEN" wendet eine Forschungsgruppe der Universität Bayreuth moderne Verfahren des Innovationsmarketing auf die Agroforstwirtschaft an. Innovationen werden daraufhin untersucht und bewertet, inwiefern sie das Potenzial haben, die Wertschöpfung im Bereich der Agroforstwirtschaft zu steigern.

Weltweit sieht sich die Landwirtschaft mit steigenden Ansprüchen konfrontiert: Nicht nur die Produktion hochwertiger Nahrungs- und Futtermittel, sondern auch die Herstellung nachwachsender Rohstoffe zur Energieerzeugung wird von ihr erwartet.

Zudem sollen ökologische Formen der Landnutzung dabei helfen, dass die Artenvielfalt nicht weiter zurückgeht, möglichst wenig Schadstoffe in die Umwelt gelangen, die Qualität der Böden erhalten bleibt und extreme Klima- und Wetterereignisse die Pflanzen nicht nachhaltig schädigen. Vor diesem Hintergrund gewinnt eine Form der Landwirtschaft an Bedeutung, die in Deutschland schon weitgehend in Vergessenheit geraten war: die Agroforstwirtschaft.

Hierbei wird der Ackerbau, der auf die Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln abzielt, mit dem Anbau von Bäumen zur Holzgewinnung kombiniert. Dadurch werden die Böden nicht so leicht von Wind und Regen abgetragen, und es gelangen weniger Düngemittel in fließende Gewässer.

Zudem entstehen kleinräumige geschützte Lebensräume für vielfältige Tier- und Pflanzenarten. Außerdem kann eine gezielte Anordnung von Gehölzen das Mikroklima vorteilhaft beeinflussen und so die Ertragsstabilität der Ackerkulturen erhöhen. Und nicht zuletzt kann aus der Holzproduktion ein neuer Erwerbszweig in ländlichen Gebieten entstehen.

Neue Lösungen für den Umgang mit der „Ressource Land“

Vor diesem Hintergrund fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) das Projekt „Agroforstliche Umweltleistungen für Wertschöpfung und Energie“, kurz „AUFWERTEN“. Die beteiligten Fachleute aus Wissenschaft und Praxis bilden eine von neun Innovationsgruppen, die vom BMBF im Rahmen des Programms „Forschung für nachhaltige Entwicklungen“ (FONA) damit beauftragt wurden, bis 2019 zukunftsweisende und praktikable Lösungen für den Umgang mit der „Ressource Land“ zu erarbeiten.

Das Projekt „AUFWERTEN“ soll in diesem Zusammenhang – am Beispiel der Modellregion Süd-Brandenburg – die Möglichkeiten zur Etablierung einer Agroforstwirtschaft ausloten. Zudem geht es um die Frage, wie ein regionales Versorgungsnetz mit Bioenergieträgern aufgebaut werden kann. An diesen Forschungsarbeiten ist der Lehrstuhl für Innovations- und Dialogmarketing der Universität Bayreuth mit dem Teilprojekt „Innovation und Qualifikation“ beteiligt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Daniel Baier und Alexander Sänn M.Sc. werden Innovationen daraufhin untersucht und bewertet, inwiefern sie das Potenzial haben, die Wertschöpfung im Bereich der Agroforstwirtschaft zu steigern.

Moderne Verfahren des Innovationsmarketing, angewendet auf die Agroforstwirtschaft

Die Bayreuther Forschungsgruppe greift dabei auf die sogenannte „Lead User-Methode“ zurück. Es handelt sich dabei um ein in den 1980er Jahren am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickeltes Verfahren, das darauf abzielt, Fehlsteuerungen und Fehlinvestitionen bei Innovationen von vornherein zu vermeiden.

Ausgewählte Marktteilnehmer („Lead User“) werden dabei in die Innovationsprozesse von Unternehmen einbezogen. Sie nutzen bisherige Produkte und Dienstleistungen auf eine neue, bisher unbekannte oder sogar extreme Weise; dabei entwickeln sie eigene Ideen und Konzepte, so dass sie den ‚Normalverbrauchern‘ deutlich voraus sind. Häufig haben sie besonders hohe Ansprüche und bringen ein persönliches Interesse mit, als Partner an innovativen Entwicklungen mitzuwirken.

Mit dieser Einbeziehung von „Lead Usern“ kombinieren die Bayreuther Wissenschaftler ein weiteres Verfahren, das in der Forschung als Conjointanalyse (CA) bezeichnet wird. Hierbei werden die Vorlieben von potenziellen Kunden ermittelt und in unterschiedlichen Produktprofilen zusammengeführt. Auf dieser Basis lassen sich künftige Marktsituationen simulieren, in denen die Kunden zwischen verschiedenen Produkten wählen können und müssen.

„Indem wir diese etablierten Methoden des Innovationsmarketing auf das noch weitgehend unbekannte Gebiet der Agroforstwirtschaft übertragen, wollen wir erreichen, dass die von der Innovationsgruppe „AUFWERTEN“ erarbeiteten Konzepte und Maßnahmen sich im Rahmen einer privatwirtschaftlich organisierten Land- und Forstwirtschaft bewähren“, erklärt der Bayreuther Ökonom Alexander Sänn.

„Es fällt auf, dass agroforstliche Wege der Landnutzung trotz ihrer wissenschaftlich erwiesenen Vorteile in der Praxis kaum beschritten werden. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von wirtschaftlich-technischen Risiken bis zu fehlenden Verwertungsmöglichkeiten im regionalen Umfeld. Auch rechtliche Unsicherheiten spielen offenbar eine Rolle. In unserem Teilprojekt ‚Innovation und Qualifikation‘ wollen wir diese Gründe systematisch aufklären und konkrete Vorschläge zu ihrer Überwindung ausarbeiten.“

Auf dem Weg zu einer marktfähigen Agroforstwirtschaft

Am Ende des Projekts „AUFWERTEN“ soll ein strategisches Konzept stehen, das als Grundlage einer marktfähigen und zugleich ökologisch ausgerichteten Agroforstwirtschaft genutzt werden kann – in der Modellregion Süd-Brandenburg, die voraussichtlich besonders stark vom Klimawandel betroffen sein wird, und darüber hinaus. Zugleich soll ein Geoinformationssystem (GIS) eingerichtet werden, mit dem Flächen identifiziert werden können, die sich für eine agroforstliche Nutzung eignen.

Hinzu kommen Bewirtschaftungs-, Logistik- und Verwertungskonzepte, erfolgversprechende Geschäftsmodelle sowie der langfristige Aufbau eines Kompetenzzentrums Agroforstwirtschaft. „An der Innovationsgruppe ‚AUFWERTEN‘ sind eine große Zahl renommierter Partner aus unterschiedlichen Forschungszweigen, aus der Land- und Forstwirtschaft, der Agrartechnik sowie dem Umwelt- und Naturschutz beteiligt, die miteinander in engem Kontakt stehen und gut zusammenarbeiten. Deshalb bin ich sehr zuversichtlich, dass wir unsere hochgesteckten Ziele erreichen können“, meint Prof. Dr. Daniel Baier.

Ansprechpartner:

Alexander Sänn M.Sc.
Lehrstuhl für Innovations- und Dialogmarketing
Universität Bayreuth
D-95440 Bayreuth
Telefon: +49 (0) 921 55-4345
E-Mail: alexander.saenn@uni-bayreuth.de

Christian Wißler | Universität Bayreuth
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Wie der Mix aus Acker, Bäumen und Tieren auf dem Feld den Ertrag von Landwirten steigert
20.03.2019 | Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

nachricht Lupine bringt Vielfalt in einseitigen Energiepflanzenanbau
19.03.2019 | Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die Zähmung der Lichtschraube

Wissenschaftler vom DESY und MPSD erzeugen in Festkörpern hohe-Harmonische Lichtpulse mit geregeltem Polarisationszustand, indem sie sich die Kristallsymmetrie und attosekundenschnelle Elektronendynamik zunutze machen. Die neu etablierte Technik könnte faszinierende Anwendungen in der ultraschnellen Petahertz-Elektronik und in spektroskopischen Untersuchungen neuartiger Quantenmaterialien finden.

Der nichtlineare Prozess der Erzeugung hoher Harmonischer (HHG) in Gasen ist einer der Grundsteine der Attosekundenwissenschaft (eine Attosekunde ist ein...

Im Focus: The taming of the light screw

DESY and MPSD scientists create high-order harmonics from solids with controlled polarization states, taking advantage of both crystal symmetry and attosecond electronic dynamics. The newly demonstrated technique might find intriguing applications in petahertz electronics and for spectroscopic studies of novel quantum materials.

The nonlinear process of high-order harmonic generation (HHG) in gases is one of the cornerstones of attosecond science (an attosecond is a billionth of a...

Im Focus: Magnetische Mikroboote

Nano- und Mikrotechnologie sind nicht nur für medizinische Anwendungen wie in der Wirkstofffreisetzung vielversprechende Kandidaten, sondern auch für die Entwicklung kleiner Roboter oder flexibler integrierter Sensoren. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) haben mit einer neu entwickelten Methode magnetische Mikropartikel hergestellt, die den Weg für den Bau von Mikromotoren oder die Zielführung von Medikamenten im menschlichen Körper, wie z.B. zu einem Tumor, ebnen könnten. Die Herstellung solcher Strukturen sowie deren Bewegung kann einfach durch Magnetfelder gesteuert werden und findet daher Anwendung in einer Vielzahl von Bereichen.

Die magnetischen Eigenschaften eines Materials bestimmen, wie dieses Material auf das Vorhandensein eines Magnetfeldes reagiert. Eisenoxid ist der...

Im Focus: Magnetic micro-boats

Nano- and microtechnology are promising candidates not only for medical applications such as drug delivery but also for the creation of little robots or flexible integrated sensors. Scientists from the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) have created magnetic microparticles, with a newly developed method, that could pave the way for building micro-motors or guiding drugs in the human body to a target, like a tumor. The preparation of such structures as well as their remote-control can be regulated using magnetic fields and therefore can find application in an array of domains.

The magnetic properties of a material control how this material responds to the presence of a magnetic field. Iron oxide is the main component of rust but also...

Im Focus: Goldkugel im goldenen Käfig

„Goldenes Fulleren“: Liganden-geschützter Nanocluster aus 32 Goldatomen

Forschern ist es gelungen, eine winzige Struktur aus 32 Goldatomen zu synthetisieren. Dieser Nanocluster hat einen Kern aus 12 Goldatomen, der von einer Schale...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größte nationale Tagung 2019 für Nuklearmedizin in Bremen

21.03.2019 | Veranstaltungen

6. Magdeburger Brand- und Explosionsschutztage vom 25. bis 26.3. 2019

21.03.2019 | Veranstaltungen

Teilchenphysik trifft Didaktik und künstliche Intelligenz in Aachen

20.03.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Feuerwehrmaske mit Datenbrille ermöglicht Navigation in verrauchten Räumen

25.03.2019 | Innovative Produkte

Vermessung der Gedanken beim Speichern von Wissenskonzepten

25.03.2019 | Biowissenschaften Chemie

Eisriesen im Labor: Kunststoff hilft HZDR-Forschern, Planeten besser zu verstehen

25.03.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics