Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Agrar-Innovationen: Von erfolgreichen Ideen lernen

05.10.2016

Forscher der Universität Hohenheim durchleuchten innovative Agrar-Projekte in ganz Europa. Sie zeigen auf, welche Faktoren den Erfolg ausmachen.

Quinoa-Anbau in den Niederlanden, GPS-gestützte Weidehaltung im Baskenland, traditionelle Weizen-Sorten in Italien – manche Initiativen sind Musterbeispiele für erfolgreich umgesetzte Innovationen. Daraus wollen Wissenschaftler der Universität Hohenheim und ihre 14 europäischen Projektpartner nun lernen.


Quinoa-Feld in den Niederlanden

Bildquelle: Universität Hohenheim, Andrea Knierim

Anhand von Fallbeispielen aus der Praxis suchen sie nach den Gründen für gutes Gelingen – und für ein Scheitern. Die EU fördert das Projekt mit insgesamt fast zwei Mio. Euro. An der Universität Hohenheim ist es mit einer Fördersumme von 183.000 Euro ein Schwergewicht der Forschung.

Innovative Ideen können auch in der Landwirtschaft ein Schlüssel zum Unternehmenserfolg sein. Doch nicht jeder gute Ansatz schafft den Durchbruch. Was genau den Innovationsprozess fördert oder hemmt, wollen nun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hohenheim gemeinsam mit 14 Partnern aus Forschung und Praxis in ganz Europa untersuchen.

„Wir betrachten dazu Fallbeispiele von Innovationen in 12 Regionen Europas und analysieren, was warum gelungen ist“, erklärt die Agrarsoziologin Prof. Dr. Andrea Knierim vom Fachgebiet Ländliche Soziologie der Universität Hohenheim. „Auf diese Weise wollen wir die Faktoren identifizieren, die im Innovationsprozess förderlich oder hinderlich sind".

Lernen am Fallbeispiel

Damit ein Fallbeispiel im Projekt aufgenommen wird, muss es bestimmte Voraussetzungen erfüllen: „Der Innovationsprozess muss schon eine Weile erfolgreich praktiziert werden, es müssen mehrere Akteure beteiligt sein und natürlich muss er im Bereich Landwirtschaft angesiedelt sein“, legt Prof. Dr. Knierim dar.

Zahlreiche Ideen aus 12 Ländern – von Spanien bis Lettland, von Irland bis Rumänien – fließen nun in die Untersuchung ein. „Es gibt kein Muster-Fallbeispiel“, so die Expertin. „Die Ansätze sind äußerst vielfältig und umfassen unterschiedliche Aspekte wie etwa Bioanbau, Tierwohl, Umweltschutz oder soziale Inklusion.“

Prof. Dr. Knierim schildert exemplarisch zwei Beispiele aus den Niederlanden.

Fallbeispiel 1: Alternative Schweinehaltung

Auch in den Niederlanden müssen sich Schweinehalter nicht nur am Markt bewähren, sondern zunehmend auch die Wünsche der Bevölkerung an das Tierwohl berücksichtigen. In den Dörfern selbst sieht die Bevölkerung die intensive Schweinehaltung immer kritischer.

Schweinehalterin Marijke Nooijen hat daher, nach intensiven Gesprächen mit Kunden und Nachbarn, eine kombinierte Freilandhaltung für die Tiere entwickelt. „Um den notwendigen Preis zu erzielen, hat sie unter dem Konzeptnamen Vair Varkenshuis ein neues Vermarktungssystem aufgebaut: Das Fleisch vermarktet sie nun direkt in die Stadt und an Michelin Restaurants“, erklärt Prof. Dr. Knierim.

Fallbeispiel 2: Quinoa-Produktion in den Niederlanden

Auf der Suche nach alternativen Proteinquellen für die Tierhaltung hat Landwirt Rens Kuijten das südamerikanische Quinoa entdeckt. Dessen Anbau erwies sich in den Niederlanden aber als nicht sehr ertragreich. Landwirt Kuijten ließ sich davon nicht abschrecken. Er stellte fest, dass es im Lebensmittelbereich einen Markt für das proteinreiche Getreide gibt.„Heute managt er mit der „Dutch Quinoa Group“ ein ganzes Netzwerk von Landwirten und hat andere Landwirte unter Vertrag. Im Jahr 2014 bauten in den Niederlanden 13 Betriebe auf insgesamt 33 Hektar Quinoa an“, berichtet die Expertin.

Ergebnisse sollen Praxis unterstützen

Diese und andere Fallbeispiele wollen die Forscher und ihre Partner nun qualitativ und – falls eine einheitliche Datenerhebung möglich ist – auch quantitativ analysieren. Reflexionsworkshops aller 15 Kooperationspartner sind für Dezember 2016, Januar und März 2017 geplant.„Am Ende wollen wir konkrete Empfehlungen formulieren für alle Netzwerk-Akteure und darüber hinaus“, erklärt Prof. Dr. Knierim. „Videomaterialien und ein Handbuch zum Beispiel sollen die Arbeit von Beratung und Innovationsförderung unterstützen – also all derjenigen, die an der Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis sitzen."Damit trägt dieses Projekt auch zur Europäischen Innovationspartnerschaft AGRI bei, einer Maßnahme der Europäischen Kommission, um Innovationen in der Landwirtschaft zu fördern.

Hintergrund: Projekt AgriSpin

AgriSpin ist das Kurzwort für den Projekttitel “Space for innovations in Agriculture“. Die EU fördert das Vorhaben im Rahmenprogramm Horizont 2020 mit einer Fördersumme von insgesamt 1.994.307 Euro, wovon 183.000 Euro auf die Universität Hohenheim entfallen. Die 15 Projektpartner aus 14 europäischen Ländern nahmen am 1.3.2015 die Arbeit auf, die am 31.8.2017 abgeschlossen sein soll. Dem dänischen SEGES (tidligere Videncentret for Landbrug) obliegt die Koordination des Projektes. Homepage: http://agrispin.eu

Hintergrund: Schwergewichte der Forschung

31,2 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim 2015 für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung“ herausragende Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 250.000 Euro bei den Experimental- bzw. 125.000 Euro bei den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.

Links:
AgriSpin: http://agrispin.eu

Kontakt für Medien:
Jun.-Prof. Dr. Andrea Knierim, Universität Hohenheim, Fachgebiet Ländliche Soziologie, T: 0711 459 22646, andrea.knierim@uni-hohenheim.de

Text: Elsner

Florian Klebs | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Smart Farming für Europa: Neue Plattform für eine datengesteuerte und ressourcenschonende Landwirtschaft
12.11.2019 | Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS

nachricht Hühnerstall mit Durchblick
12.11.2019 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neu entwickeltes Glas ist biegsam

Eine internationale Forschungsgruppe mit Beteiligung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat ein Glasmaterial entwickelt, das sich bei Raumtemperatur bruchfrei verformen lässt. Das berichtet das Team aktuell in "Science". Das extrem harte und zugleich leichte Material verspricht ein großes Anwendungspotential – von Smartphone-Displays bis hin zum Maschinenbau.

Gläser sind ein wesentlicher Bestandteil der modernen Welt. Dabei handelt es sich im Alltag meist um sauerstoffhaltige Gläser, wie sie etwa für Fenster und...

Im Focus: Images from NJIT's big bear solar observatory peel away layers of a stellar mystery

An international team of scientists, including three researchers from New Jersey Institute of Technology (NJIT), has shed new light on one of the central mysteries of solar physics: how energy from the Sun is transferred to the star's upper atmosphere, heating it to 1 million degrees Fahrenheit and higher in some regions, temperatures that are vastly hotter than the Sun's surface.

With new images from NJIT's Big Bear Solar Observatory (BBSO), the researchers have revealed in groundbreaking, granular detail what appears to be a likely...

Im Focus: Veränderungen der Chiralität von Molekülen in Echtzeit beobachten

Chirale Moleküle – Verbindungen, die als Bild und Spiegelbild vorkommen – spielen eine wichtige Rolle in biologischen Prozessen und in der chemischen Synthese. Chemikern der ETH Zürich ist es nun erstmals gelungen, mit Hilfe von Ultrakurzzeit-Laserpulsen Änderungen der Chiralität während einer chemischen Reaktion in Echtzeit zu beobachten.

Manche Moleküle können in zwei spiegelbildlichen Formen existieren, ähnlich wie unsere Hände. Obwohl solche sogenannten Enantiomere fast identische...

Im Focus: Durchbruch in der Malariaforschung

Eine internationale Forschungsgruppe um den Zellbiologen Volker Heussler von der Universität Bern hat hunderte genetische Schwachstellen des Malaria-Parasiten Plasmodium identifiziert. Diese sind in der Medikamenten- und Impfstoffentwicklung dringend erforderlich, um die Krankheit dereinst ausrotten zu können.

Trotz grosser Anstrengungen in Medizin und Wissenschaft, sterben weltweit immer noch mehr als 400'000 Menschen an Malaria. Die Infektionskrankheit wird durch...

Im Focus: Bauplan eines bakteriellen Kraftwerks entschlüsselt

Wissenschaftler der Universität Würzburg und der Universität Freiburg gelang es die komplexe molekulare Struktur des bakteriellen Enzyms Cytochrom-bd-Oxidase zu entschlüsseln. Da Menschen diesen Typ der Oxidase nicht besitzen, könnte dieses Enzym ein interessantes Ziel für neuartige Antibiotika sein.

Sowohl Menschen als auch viele andere Lebewesen brauchen Sauerstoff zum Überleben. Bei der Umsetzung von Nährstoffen in Energie wird der Sauerstoff zu Wasser...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Antibiotika aus dem Meer

18.11.2019 | Biowissenschaften Chemie

Lebende Brücken: Mit alten indischen Bautechniken moderne Städte klimafreundlich gestalten

18.11.2019 | Architektur Bauwesen

„Moonwalk“ für die Wissenschaft zeigt Verzerrungen im räumlichen Gedächtnis

18.11.2019 | Studien Analysen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics