E-Autos im Alltagstest: Zu teure Anschaffung, zu wenig Ladesäulen

Elektroautos sind – betrieben mit Strom aus erneuerbaren Energien – eine umweltfreundliche Sache und ein wichtiger Schritt zur Energiewende. Bislang haben sie den Durchbruch hierzulande allerdings noch nicht geschafft. Woran hapert es? Die Alltagstauglichkeit der E-Autos testeten Forscher unter Federführung von RUB-Elektrotechnikern im Feldversuch.

Sie untersuchten unter anderem, welche Wünsche und Erwartungen Autofahrer an ein E-Auto haben und wie sie die Nutzung empfinden. Ergebnis: In vielen Dingen übertrafen die E-Autos sogar die Erwartungen. Größte Hemmschuhe: Zu teure Anschaffung und zu wenige Lademöglichkeiten.

Über ihre Ergebnisse berichtet RUBIN, das Wissenschaftsmagazin der Ruhr-Universität, in seiner aktuellen Ausgabe.

RUBIN mit Bildern im Internet
Den vollständigen Beitrag mit Bildern zum Herunterladen finden Sie im Internet unter: http://www.rub.de/rubin

70 Testfahrer waren im E-Auto unterwegs

Das Ruhrgebiet war eine von insgesamt acht Modellregionen in Deutschland, in denen die Alltagstauglichkeit der Elektroautos getestet wurde. Die Forscher der RUB schafften sechs Elektrofahrzeuge an und statteten sie gemeinsam mit dem Automobilzulieferer Delphi mit aufwändiger Messtechnik aus. Per Aufruf rekrutierten die Wissenschaftler im nächsten Schritt 70 Testfahrer: Ärzte, Hausfrauen, Anwälte, Altenpfleger, Unternehmer, Rentner und viele andere Berufsgruppen waren vertreten, die Altersspanne reichte von 21 bis 73 Jahre.

Erwartungen wurden übertroffen

Die Testfahrer wurden vor und nach ihrer einwöchigen Probephase mit dem E-Auto eingehend befragt: Wie einfach ist der Umgang mit dem E-Auto? Macht das Fahren Spaß? Wie sicher fühlt man sich? Wie sieht es mit den Aufladungen aus? Sechs Monate und 50.000 gefahrene Kilometer später haben die Forscher nun ihre Ergebnisse ausgewertet. „Man kann ganz klar sagen, dass die Erwartungen an die Fahrzeuge in den meisten Fragen übererfüllt worden sind“, fasst Constantinos Sourkounis zusammen. Je über 80 Prozent der Fahrer fanden den Umgang mit dem Fahrzeug leicht zu lernen und das Auto einfach zu nutzen.

Vorher hatten das nur rund 50 bzw. 40 Prozent angenommen. Manche Vorbehalte der Fahrer gegenüber Elektroautos entlarvten die Wissenschaftler anhand ihrer Studie als unbedeutend. So wird häufig die Reichweite pro Batteriefüllung von rund 100 Kilometern als zu kurz angesehen. „Dabei waren 80 Prozent der gefahrenen Strecken kürzer als fünf Kilometer. Zwischen zwei Aufladungen haben unsere Testfahrer im Durchschnitt nur 44 Kilometer zurückgelegt.“, erklärt Philipp Spichartz vom Projektteam.

Steuerliche Vergünstigungen oder günstige Versicherungen erwünscht

„Das größte Problem sind aber die fehlenden Lademöglichkeiten“, sagt Constantinos. Nach ihren Wünschen an ein Elektrofahrzeug gefragt, äußerten 54 Prozent der Testfahrer den Wunsch nach mehr Lademöglichkeiten. Um sie ist es nicht gut bestellt – in Bochum gibt es geschätzt ganze zwölf Säulen. Ein weiteres gewichtiges Gegenargument zur Anschaffung eines Elektroautos ist der Preis. 28 Prozent der Testfahrer ist er zu hoch. Ein Elektroauto ist heute – vor allem wegen der Batterie – etwa so teuer wie zwei gleich große herkömmliche Autos. Über die Hälfte der Testnutzer wünschen sich daher steuerliche Vergünstigungen oder günstige Versicherungen.

Themen in RUBIN

In RUBIN finden Sie darüber hinaus folgende Themen: Fumarsäureester gegen MS; Mit Speck fängt man Mäuse, mit Honeypots Angreifer im Internet; Religionskontakt um die Ecke; Jahrhunderte alte Gespräche belauschen; Stammzellen füllen Knochenlücken; Auf dass sich die Balken biegen: große Betonteile im Labor testen; An der kurzen Leine: Werthaltungen in der Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen; E-Autos im Alltagstest; Moderne Spurenleser: Was wogen Dinosaurier?; Schwimmende Überlebenskünstler: Wie sich der Wasserfloh verteidigt; Im Gewand des Feindes: Autonome Nationalisten. RUBIN ist erhältlich in der Stabsstelle Strategische PR und Markenbildung der RUB, Tel. 0234/32-26952, und online unter http://www.rub.de/rubin.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Constantinos Sourkounis, Lehrstuhl für Energiesystemtechnik und Leistungsmechatronik , Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25776, E-Mail: Sourkounis@enesys.rub.de

Redaktion: Meike Drießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verkehr Logistik

Von allen Aktivitäten zur physischen Raum- und Zeitüberbrückung von Gütern und Personen, einschließlich deren Umgruppierung – beginnend beim Lieferanten, durch die betrieblichen Wertschöpfungsstufen, bis zur Auslieferung der Produkte beim Kunden, inklusive der Abfallentsorgung und des Recyclings.

Der innovations report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Verkehrstelematik, Maut, Verkehrsmanagementsysteme, Routenplanung, Transrapid, Verkehrsinfrastruktur, Flugsicherheit, Transporttechnik, Transportlogistik, Produktionslogistik und Mobilität.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Graphen-Forschung: Zahlreiche Produkte, keine akuten Gefahren

«Graphene Flagship» nach zehn Jahren erfolgreich abgeschlossen. Die grösste je auf die Beine gestellte EU-Forschungsinitiative ist erfolgreich zu Ende gegangen: Ende letzten Jahres wurde das «Graphene Flagship» offiziell abgeschlossen. Daran…

Wie Bremsen im Gehirn gelockert werden können

Forschende lokalisieren gestörte Nervenbahnen mithilfe der tiefen Hirnstimulation. Funktionieren bestimmte Verbindungen im Gehirn nicht richtig, können Erkrankungen wie Parkinson, Dystonie, Zwangsstörung oder Tourette die Folge sein. Eine gezielte Stimulation von…

Wärmewende auf der GeoTHERM erleben

Als Innovationspartner in Sachen Wärmewende für Industrie und Kommunen stellt sich das Fraunhofer IEG auf der internationalen Fachmesse GeoTHERM vor. Auf seiner Ausstellungsfläche in Offenburg stellt es ab dem 29….

Partner & Förderer