Tiefenprüfung bis zur letzten Schraube


Tiefenprüfung bis zur letzten Schraube
Maschinenbauer testen stufenloses Getriebe der Nissan-Modelle „Gloria“ und „Cedric“

Die Professur Maschinenelemente der TU Chemnitz untersucht gegenwärtig im Auftrag der Forschungsvereinigung Antriebstechnik und des Verbandes der Automobilindustrie den Wirkungsgrad und die Lebensdauer des stufenlose Getriebe der neuen Nissan-Oberklasse-Modelle „Gloria“ und „Cedric“. „Beide Fahrzeugtypen des japanischen Automobilkonzerns werden gegenwärtig für den Verkaufsstart in Europa vorbereitet“, berichtet der Leiter des Forschungsteams Prof. Dr. Peter Tenberge. Außerdem sollen die Chemnitzer Maschinenbauer das japanische Getriebe mit dem Getriebe des einzigen Wettbewerbers auf dem Weltmarkt, der Firma Torotrak/Großbritannien, vergleichen. Die TU Chemnitz erhält dafür zusammen mit der Zahnradfabrik Friedrichshafen einen Nissan „Gloria“ sowie drei weitere Getriebe, um das Auto umfassend zu testen und um die Getriebe bis zur letzten Schraube zu zerlegen und zu analysieren.

In dem neuartigen Getriebe der Nissan-Fahrzeuge wird eine hohe Motorleistung (280 PS bei einem maximalen Drehmoment von 370 Newtonmeter) nicht über Zahnräder formschlüssig in mehreren Gängen übertragen , sondern stufenlos über Reibung. „Dazu hat das Getriebe einen sogenannten Toroidvariator. Dieser besteht aus glatten, geschliffenen Stahlscheiben auf der Antriebs- und Abtriebswelle mit einer bestimmten Form, die zusammen einen Torusraum bilden“, erklärt Prof. Tenberge. Zwischen diesen Torusscheiben sitzen Zwischenrollen, deren Laufradien auf den Torusscheiben eingestellt werden können. Durch die Vorspannvorrichtung werden die Scheiben und Rollen extrem stark gegeneinander gepresst. Der Druck, der dabei entsteht, entspricht dem Druck eines 40 Tonnen-Lastkraftwagen auf einer Briefmarke. Bei dieser hohen Kontaktbelastung reichen selbst die geringen Reibungszahlen von 0,05 in geschmierten Kontakt der Stahlscheiben aus, um hohe Drehmomente zu übertragen. Für ein Motordrehmoment von 400 Newtonmetern sind jedoch vier solcher Zwischenrollen im Gesamtgetriebe erforderlich.

Zur Diskussion der bisherigen Untersuchungsergebnisse mit der deutschen Autoindustrie besuchte Dr. Hisashi Machida, Vizepräsident des an der Entwicklung dieses Nissan-Getriebes beteiligten japanischen Wälzlagerhersteller NSK, unlängst die TU Chemnitz. Hier konnten sich Vertreter der Automobilindustrie und Wissenschaftler in einem Nissan Gloria von den hervorragenden Eigenschaften des Getriebes überzeugen. Dr. Machida wurde von einem Fernsehteam des japanischen Fernsehens begleitet, das derzeit eine Reportage über diese neue Technologie vorbereitet. „Die Japaner waren wieder einmal schneller als alle anderen und versuchen jetzt natürlich, diese Technik auch in Europa zu vermarkten. Was die Japaner früher mit unserer
Technologie gemacht haben, müssen wir heute mit der japanischen machen, um nicht den Anschluss zu verlieren“, meint Prof. Tenberge.

Weitere Informationen erteilt Prof. Peter Tenberge, Tel. (03 71) 5 31 – 12 44, peter.tenberge@mbv.tu-chemnitz.de

Hinweis für die Medien: Im Versuchsfeld der Professur Maschinenelemente, in dem das neue Nissan-Automatikgetriebe untersucht wird, haben Sie am 20. Juli 2000 um 10.00 Uhr Gelegenheit für Film- und Fotoaufnahmen. Außerdem können Sie Aufnahmen vom neuen Oberklasse-Modell Nissan „Gloria“ anfertigen. Das Versuchsfeld befindet sich im Uni-Teil Straße der Nationen 62, Raum 010, Zugang über den Innenhof (nach der Hofzufahrt erster Eingang auf der linken Seite).

Media Contact

Dipl.-Ing. Mario Steinebach

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Verfahrenstechnologie

Dieses Fachgebiet umfasst wissenschaftliche Verfahren zur Änderung von Stoffeigenschaften (Zerkleinern, Kühlen, etc.), Stoffzusammensetzungen (Filtration, Destillation, etc.) und Stoffarten (Oxidation, Hydrierung, etc.).

Unter anderem finden Sie Wissenswertes aus den Teilbereichen: Trenntechnologie, Lasertechnologie, Messtechnik, Robotertechnik, Prüftechnik, Beschichtungsverfahren und Analyseverfahren.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Perowskit-Solarzellen erklimmen neues Leistungs-Hoch

In einer Zusammenarbeit zwischen der Universität Pavia (Italien) und dem Center for Advancing Electronics Dresden an der Technischen Universität Dresden (Deutschland) haben Forscherinnen und Forscher eine neuartige Methode zur Herstellung…

Blauer Wasserstoff kann das Klima schützen

Eine internationale Gruppe von Forschenden unter Leitung des Paul Scherrer Instituts PSI und der Heriot-Watt-Universität haben die Klimawirkungen von sogenanntem blauem Wasserstoff umfangreich analysiert. Er wird aus Erdgas gewonnen, wobei…

Der Architektur von Krebszellen auf der Spur

Zwei neue Großgeräte für Massenspektronomie für 2,5 Millionen Euro für Institut für Pathologie der Universitätsmedizin Göttingen. Neue, exakte Einblicke auf kleinste Moleküle in Krebs-Gewebeproben möglich. Ziel ist es, Krebs noch…

Partner & Förderer