Kunststoff als Bandscheibenersatz

Die gezeigten Bilder (farbig und in hoher Auflösung) können Sie auch aus dem Internet herunterladen, und zwar unter http://www.uni-kl.de/Pressestelle/Bilder.htm

Es ist schon ein Kreuz mit dem Kreuz: Nach Schätzungen leiden bis zu 80% aller Erwachsenen unter gelegentlichen Rückenproblemen; Röntgenaufnahmen von Mumien beweisen, dass sogar ägyptische Pharaonen schon an Wirbelsäulenschäden litten. Häufige Ursache des Volksleidens ist ein mechanischer Verschleiß der Bandscheiben. Wissenschaftler der Universität Kaiserslautern und der Universitätsklinik Mainz untersuchen momentan einen Kunststoff, der sich als Bandscheibenersatz für die Lendenwirbelsäule eignen könnte.

Jährlich werden weltweit etwa eine Million Bandscheibenoperationen durchgeführt. Dabei muss in vielen Fällen der verschlissene Knorpel komplett entfernt werden; die betroffenen Wirbelsegmente wurden bislang meist mit Schrauben und Stäben versteift. Ein großer Nachteil dieser Methode ist, dass nun die angrenzenden Segmente noch mehr beansprucht werden als zuvor – mit der Gefahr eines weiteren Bandscheibenvorfalls.
Medizinern der Uniklinik Mainz kam vor einigen Jahren die Idee, nach der operativen Entfernung der angegriffenen Knorpelscheibe eine flüssige Kunststoffmasse in den entstandenen Hohlraum zu spritzen, die dort binnen kurzer Zeit aushärtet. Dazu wird lediglich ein kleines Loch in den Bandapparat gebohrt, durch das die Masse eingefüllt werden kann – Narbenbildung und die Gefahr von Nervenschädigungen sind daher gering.
Die Bandscheiben aus Kunststoff werden momentan an der Universität Kaiserslautern auf ihre Dämpfungseigenschaften und Lebensdauer untersucht. Unter Laborbedingungen überstanden die Kunststoffscheibchen schon fünf Millionen Lastwechsel, ohne danach sichtbare Schäden aufzuweisen; das würde einer Lebensdauer von mindestens fünf Jahren entsprechen. Die Steifigkeit des Materials nahm zwar mit der Zeit zu, näherte sich jedoch einem Maximum, das im weiteren Verlauf nicht überschritten wurde. Außerdem konnte in der umgebenden Kulturflüssigkeit kein nennenswerter Abrieb nachgewiesen werden; Flüssigkeitsproben, die nach den Belastungstests entnommen wurden, riefen keine immunologischen Abwehrreaktionen hervor.
In Kürze gehen die künstlichen Bandscheiben in die klinische Studie – die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend und wecken bereits jetzt neue Hoffnung für viele Rückengeschädigte.

Ansprechpartnerin:
Claudia Fleck
Tel.: 0631/205-3942
fleck@mv.uni-kl.de

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Frank Luerweg

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