Altlasten verlieren ihren Schrecken

ttz Bremerhaven: Flächensanierung bei laufendem Betrieb

Das Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven (ttz Bremerhaven) findet neue Wege zur kostengünstigen Sanierung von Altlasten. „Das Projekt ECOSOIL ist gerade mit einem Treffen der beteiligten Projektpartner in Schweden gestartet worden“, berichtet René Surma, als Technischer Leiter am Umweltinstitut des ttz Bremerhaven zuständig für das Projekt. Die Tüftler haben zwei Jahre Zeit, um das von der Europäischen Union geförderte Vorhaben durchzuführen.

Das Erfolgsgeheimnis soll die so genannte Horizontalbohrung werden: Bei dem Verfahren werden nicht wie üblich vertikale Bohrungen in den Boden eingebracht. Stattdessen gibt es horizontale Bohrungen, die mit einem geeigneten Adsorber gefüllt werden. „Der Adsorber hat die Aufgabe, die im Boden vorhandenen Kontaminationen aufzunehmen und sicher zu binden“, beschreibt Surma das Verfahren. „Nach Erreichen des Sanierungsziels kann der Boden für den jeweils vorgesehenen Zweck wieder genutzt werden.“

Nach Angaben der European Environment Agency (Europäische Umweltagentur) liegen die Kosten für die Sanierung der deutlich über einer Million Altlasten in Europa zwischen 59 und 109 Milliarden Euro. „Die Tendenz ist steigend“, weiß René Surma. „Daher besteht ein großer Bedarf an geeigneten Verfahren, die vor allem auch zeit- und kosteneffizient sein müssen.“

In den vergangenen Jahren haben sich verschiedene Sanierungsverfahren am Markt etabliert, die technisch aufwändig sind und oft erheblichen Baustellenverkehr verursachen, etwa durch Transport und Austausch des kontaminierten Bodens. Selbst bei Sanierungen direkt vor Ort sind beträchtliche Anstrengungen notwendig, um das gewünschte Ziel zu erreichen.

Das ECOSOIL-Verfahren geht hier einen anderen Weg: „Die minimal inversible Technik verursacht an der Bodenoberfläche nur äußerst geringe Störungen der Umgebung“, betont Umweltexperte Surma. „Wir benötigen lediglich eine Maschine in der Größe eines kleinen Radladers, um die Horizontalbohrungen vorzunehmen.“ Nach dem Bohren verschwindet die Maschine wieder, und der Rest passiert unsichtbar im Untergrund. „Damit kann auch bei laufendem Betrieb eine Sanierung durchgeführt werden – beispielsweise bei Tankstellen, Bahnanlagen, Flughäfen oder Lager- und Umschlagflächen.“

Die geschätzten Kosten für das ECOSOIL-Verfahren brauchen den Vergleich mit den konventionellen Verfahren nicht zu scheuen: Wird die Aufrechterhaltung des Übertagebetriebs in die Bilanz mit einbezogen, so ist das ECOSOIL-Verfahren konkurrenzlos günstig. „Dieses Projekt zeigt deutlich, wie Innovation und Wirtschaftlichkeit nicht nur umweltverträglich, sondern sogar umweltschützend sein können“, unterstreicht ttz-Geschäftsführer Werner Mlodzianowski. „Wir wollen mit dem ttz Bremerhaven dafür sorgen, dass diese Zusammenführung von Ökologie und Ökonomie auch weiterhin gemeinsam mit regionalen Firmen seine Fortsetzung findet.“

Dem ttz Bremerhaven sind sechs Forschungsinstitute zugehörig, die sich der Entwicklung moderner marktfähiger Produkte und Prozesse verschrieben haben. Dies sind jeweils das Bremerhavener Institut für Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik (BILB); das Umweltinstitut; das Institut für Energie- und Verfahrenstechnik (IEV); das Bremerhavener Institut für Gesundheitstechnologien (BIGT); das Bremerhavener Institut für Biologische Informationssysteme (BIBIS) sowie das Bremerhavener Institut für Organisation und Software (BIOS).

Den Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt der Blauen Biotechnologie hat das ttz Bremerhaven im Projekthaus Bio-Nord im Biotechnologiezentrum Bio-Nord in Bremerhaven angesiedelt. Bremerhaven ist von der Europäischen Union als Schwerpunktregion für die Blaue Biotechnologie anerkannt.

Media Contact

Boris Trelle idw

Weitere Informationen:

http://www.ttz-bremerhaven.de

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Dieses Fachgebiet umfasst wissenschaftliche Verfahren zur Änderung von Stoffeigenschaften (Zerkleinern, Kühlen, etc.), Stoffzusammensetzungen (Filtration, Destillation, etc.) und Stoffarten (Oxidation, Hydrierung, etc.).

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