Zahnimplantologie: Haben Omas und Opas "Dritte" bald ausgedient?

Vor 25 Jahren wurden am Uniklinikum Greifswald die ersten drei Zahnimplantate eingesetzt. Inzwischen werden jährlich etwa 300 der künstlichen Zahnwurzeln aus Titan im Kiefer verschraubt.

Damit gehört Greifswald zu den Spitzenreitern unter den Universitätskliniken in den neuen Bundesländern. Die Implantologie gilt allgemein als das Fachgebiet der Zahnheilkunde mit der rasantesten Entwicklung. Bis zur Ablösung des guten alten Gebisses werden allerdings noch ein paar Jahre vergehen.

Greifswalder Zahnmediziner und Kieferchirurgen forschen jetzt zusammen mit dem Schweizer Marktführer für Zahnimplantate in Europa, der Firma Straumann, an innovativen Knochenersatzmaterialien, da nicht jeder Kiefer für ein Zahnimplantat geeignet ist. Die Greifswalder Studie unter Leitung des Stellvertretenden Direktors der Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Prof. Wolfgang Sümnig, wird von dem Schweizer Medizintechnikunternehmen in den nächsten zweieinhalb Jahren mit fast 100.000 Euro unterstützt.

Wie lässt sich Knochenschwund nach dem Zähneverlust verhindern, lautet eine der zentralen Fragen der Implantologie und der Studie. Ähnlich wie bei einem nicht trainierten Muskel bildet sich der Kieferknochen recht schnell und stark zurück, wenn Zähne gezogen oder krankheits- bzw. verletzungsbedingt entfernt werden müssen. Ist nicht mehr ausreichend Kiefersubstanz vorhanden, können zunächst keine künstlichen Zähne eingepflanzt werden. Eine Forschergruppe um Prof. Wolfgang Sümnig und Dr. Tillmann Frauendorf, welche schon eine ähnliche Studie mit der Firma Artoss aus Rostock vorgenommen hat, wird die kommenden zwei Jahre testen, ob das Knochengranulat der Straumann AG aus Basel den Knochenschwund aufhält und sogar ausgleicht.

Dazu wird das synthetisch hergestellte Material mit Eigenblut des Patienten versehen und anschließend direkt auf den Kieferknochen aufgetragen. Mittels modernster Hightech-Röntgenbildtechnik DVT (Digitaler Volumentomograph) lässt sich das Ausmaß des Knochenschwundes sowie die erwünschte Neubildung exakt und dreidimensional nachvollziehen.

Von den Ergebnissen der klinischen Studie, an der betroffene Patienten freiwillig teilnehmen können, erhoffen sich die Wissenschaftler auch entscheidende Fortschritte für die Behandlung von Krebs im Mund- und Kieferbereich. „Transplantationen mit Eigenknochen aus anderen Körperregionen sind für die Patienten in der Regel immer mit großem Aufwand verbunden. Insofern wäre der Knochenaufbau mit künstlichem und zellbildendem Material auf jeden Fall die bessere Alternative“, so Sümnig.

Ansprechpartner
Universitätsklinikum Greifswald
Klinik und Poliklinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie/Plastische Operationen
Stellv. Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Sümnig
Rotgerberstraße 8, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-71 68
E suemnig@uni-greifswald.de

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Constanze Steinke idw

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