Die Verwundbarkeit der Wirtschaft durch "Peak Oil"

Als fossiler, nicht nachwachsender Rohstoff steht Erdöl nur begrenzt zur Verfügung. Welche Bedrohungen für ein gesamtwirtschaftliches System entstehen können, wenn die maximale Förderrate der weltweiten Erdölproduktion – der sogenannte Peak Oil – erreicht ist, zeigt die Studie „Economic vulnerability to Peak Oil“.

Die Ergebnisse von Erstautor Dr. Christian Kerschner, derzeit Fellow am Integrativen Forschungsinstitut zu Transformationen von Mensch-Umwelt-Systemen (IRI THESys), wurden nun in der aktuellen Ausgabe der Global Environmental Change veröffentlicht. Ebenfalls an der Studie beteiligt sind Christina Prell, Kuishuang Feng und Klaus Hubacek von der University of Maryland, USA.

Am Beispiel des US-amerikanischen Wirtschaftsmarktes identifiziert das internationale Forscherteam Sektoren, deren Verwundbarkeit in Bezug auf das Phänomen Peak Oil besonders hoch ist: „Die US-Wirtschaft als weltweit größter Ölkonsument ist ein gutes Beispiel für eine Wirtschaftsform mit hoher Ressourcenabhängigkeit“, erklärt Dr. Christian Kerschner. „Kommt es zur Erdölknappheit bedingt durch Peak Oil, droht ein Zusammenbruch der Versorgungsketten.

So sind beispielsweise die Sektoren Eisenhütten, Chemie- und Plastikindustrie, Düngemittelproduktion sowie Luftverkehr besonders abhängig von der Erdölförderung und somit außerordentlich anfällig. Sie stellen für die gesamte US-Wirtschaft ein Risiko dar“, sagt der Ökologische Ökonom. Diese Wirtschaftszweige sind einerseits von großer finanzieller und struktureller Wichtigkeit, andererseits werden sich ihre Produkte maßgeblich beim Erreichen des Peak Oil verteuern.

Laut Studie können diese Risiken für ein Wirtschaftssystem jedoch verringert werden: „Hierfür müsste die strukturelle und finanzielle Bedeutung der als anfällig herausgearbeiteten Sektoren reduziert werden“. Ein Beispiel: Die Bedeutung synthetischer Düngemittelproduktion könnte sich verkleinern, wenn stattdessen biologische Anbaupraktiken adäquat gefördert würden.

„Unsere Erkenntnisse bieten ein Frühwarnsystem für die gefährdeten Sektoren und für jene, die von ihnen abhängen. Unser Ziel ist es, Regierungen, die Öffentlichkeit und Unternehmen über die Gefahren zu informieren und ihnen Werkzeuge für einen politischen Peak-Oil-Aktionsplan zur Verfügung zu stellen und somit die Weichen für eine sichere wie nachhaltigere Wirtschaft zu stellen“, fasst Dr. Christian Kerschner zusammen.

Das Analyseinstrumentarium der Forschergruppe ist nicht nur auf das Phänomen Peak Oil beschränkt. Der Ansatz lässt sich darüber hinaus auf andere Umweltherausforderungen übertragen. So kann das Modell um weitere Analysedimensionen ergänzt werden, die beispielsweise konkrete Aussagen zur wirtschaftlichen Verwundbarkeit in Hinblick auf den Themenkomplex Klimawandel zulassen.

Publikation
Kerschner, C., Prell, C., Feng, K., Hubacek, K., 2013. Economic vulnerability to Peak Oil. Global Environmental Change.
Kontakt
Dr. Christian Kerschner
Humboldt-Universität zu Berlin
IRI THESys
Tel.: 030 2093-66349
christian.kerschner@hu-berlin.de
Susanne Cholodnicki
Humboldt-Universität zu Berlin
Pressereferentin
Tel.: 030 2093-2332
susanne.cholodnicki.1@hu-berlin.de
Weitere Informationen:
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0959378013001544
Studie „Economic vulnerability to Peak Oil“

Media Contact

Hans-Christoph Keller idw

Weitere Informationen:

http://www.hu-berlin.de

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen

Hier bietet Ihnen der innovations report interessante Studien und Analysen u. a. aus den Bereichen Wirtschaft und Finanzen, Medizin und Pharma, Ökologie und Umwelt, Energie, Kommunikation und Medien, Verkehr, Arbeit, Familie und Freizeit.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Kunststoffe – alles Müll?

»Open Lab« im Fraunhofer LBF gibt Einblicke in die Kunststoffforschung. Als erste Stadt in Deutschland erhielt Darmstadt vor 25 Jahren den Ehrentitel »Wissenschaftsstadt«. Auch das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit…

Zukunft der Ampel wird weiter erforscht

Das Forschungsprojekt „KI4LSA“, welches die Frage beantworten sollte, ob die Steuerung von Ampelanlagen mit künstlicher Intelligenz (KI) den Verkehrsfluss verbessern kann, bringt Fraunhofer im August 2022 zum Abschluss. Über 30…

Schmerzlinderung ohne Nebenwirkungen und Abhängigkeit

Forschende der FAU nutzen Adrenalin-Rezeptoren für hochwirksame Analgetika. Neuartige Substanzen, die Adrenalin- statt Opioid-Rezeptoren aktivieren, haben eine ähnliche schmerzlindernde Wirkung wie Opiate, jedoch keine negativen Folgen wie Atemdepression und Abhängigkeit….

Partner & Förderer