Schon kurze Abstinenz senkt Osteoporose-Risiko bei alkoholkranken Männern

In einer Folgestudie belegen die Forscher nun, dass schon nach achtwöchiger Abstinenz eine deutliche Verbesserung des Knochenstoffwechsels feststellbar ist. Die Erkenntnisse aus Innsbruck finden internationale Beachtung.

Die Osteoporose, eine der häufigsten Erkrankungen im höheren Lebensalter, ist durch eine Abnahme der Knochendichte und folglich erhöhte Frakturanfälligkeit gekennzeichnet, wodurch hohe Rehabilitationskosten für das Gesundheitssystem entstehen. Obwohl Osteoporose vor allem bei Frauen nach der Menopause diagnostiziert wird, wirken sich auch andere Faktoren wie verschiedene Medikamente oder chronische Erkrankungen negativ auf den Knochenstoffwechsel aus. Alkoholmissbrauch und damit verbundene Effekte wie Unterernährtheit, Bewegungsmangel und Leberzirrhose beeinflussen ebenfalls knochenbildende Zellen und betreffen somit beide Geschlechter. Etwa ein Viertel aller Osteoporose-Fälle ist männlich.

Toxische Wirkung von Alkoholmissbrauch auf Knochendichte

Die Ergebnisse einer aktuellen Verlaufsstudie, die unter der Leitung von Dr. Peter Malik von der Universitätsklinik für Biologische Psychiatrie (Direktor Univ.-Prof. Wolfgang W. Fleischhacker) durchgeführt wurde, belegen nun einen positiven toxischen Effekt von Alkoholmissbrauch auf das Gleichgewicht von knochenbildenden und knochenabbauenden Zellen und somit auf die Knochendichte.

Dazu wurden mithilfe der Doppelröntgenabsorptiometrie – einem verbreiteten Verfahren zur möglichst frühzeitigen Erkennung der Osteoporose – an 53, am Therapie- und Gesundheitszentrums Mutters (Leitung: ao.Univ.-Prof. Sergei Mechtcheriakov) behandelten männlichen, während der Therapiedauer abstinenten Patienten die Knochendichte einmalig sowie Laborparameter des Knochenstoffwechsels zu Beginn und Ende bestimmt.

Die Probanden waren zwischen 21 und 50 Jahre alt und zeigten noch keine Anzeichen von Leberzirrhose. „Wir stellten fest“, so Studienautor Dr. Malik, „ dass sich schon nach achtwöchiger Abstinenz annähernd ein Gleichgewicht zwischen Knochenanbau und –abbau einstellte, was im Umkehrschluss einen direkten Effekt des Alkohols auf die Funktion knochenbildender Zellen bei den zuvor alkoholkonsumierenden Patienten nahe legt.“ Die im Journal Alcoholism: Clinical & Experimental Research vorab besprochene und im Dezember dieses Jahres veröffentlichte Studie deutet außerdem darauf hin, dass sich sportliche Aktivität ebenfalls positiv auf den Knochenumbau auswirkt. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass jene alkoholabhängigen Patienten, die sich auch während des Trinkens regelmäßig bewegten, eine bessere Knochendichte aufweisen. Darum denken wir, dass Therapieprogramme zur Abstinenz immer auch Physiotherapie bzw. sportliche Angebote miteinschließen sollten“, so Malik.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Erkenntnisse rät der Suchtexperte dazu, die Messung der Knochendichte bei alkoholabhängigen Patienten durchzuführen, vor allem dann, wenn noch weitere Risikofaktoren, wie Ko-Medikation mit negativer Wirkung auf den Knochenstoffwechsel oder Nikotinkonsum, vorliegen. „Die frühzeitige Erkennung und Prävention der Osteoporose ist – wie bei allen chronischen Erkrankungen – noch immer der beste Schutz“, so Dr. Malik.

Foto zum Herunterladen: http://www.i-med.ac.at/pr/presse/2012/72.html
Bilder können unter Beachtung des Copyright honorarfrei verwendet werden.
Weiterführende Links:
Markers of Bone Resorption and Formation During Abstinence in Male Alcoholic Patients. Malik P, Gasser RW, Moncayo R, Kemmler G, Wolfgang Fleischhacker W., Alcohol Clin Exp Res. 2012 Sep 14. [Epub ahead of print]

http://dx.doi.org/10.1111/j.1530-0277.2012.01834.x

Univ.-Klinik für Biologische Psychiatrie
https://www.i-med.ac.at/psychiatrie/biopsych/
Für Rückfragen:
Dr.med.univ. Peter Malik
Universitätsklinik für Biologische Psychiatrie
Tel.: (+ 43) 0512 504 81629
peter.malik@i-med.ac.at
Medienkontakt:
Mag.a Doris Heidegger
Öffentlichkeitsarbeit und Webredaktion
Medizinische Universität Innsbruck
Innrain 52, 6020 Innsbruck, Austria
Tel. +43 512 9003 -70083, Fax-DW 73081
public-relations@i-med.ac.at
www.i-med.ac.at
Details zur Medizinischen Universität Innsbruck
Die Medizinische Universität Innsbruck mit ihren rund 1.800 MitarbeiterInnen und ca. 3.000 Studierenden ist gemeinsam mit der Universität Innsbruck die größte Bildungs- und Forschungseinrichtung in Westösterreich und versteht sich als Landesuniversität für Tirol, Vorarlberg, Südtirol und Liechtenstein. An der Medizinischen Universität Innsbruck werden folgende Studienrichtungen angeboten: Humanmedizin und Zahnmedizin als Grundlage einer akademischen medizinischen Ausbildung und das PhD-Studium (Doktorat) als postgraduale Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens. Neu im Studienplan seit Herbst 2011 ist das Bachelor-Studium der Molekularen Medizin. An das Studium der Human- oder Zahnmedizin kann außerdem der berufsbegleitende Clinical PhD angeschlossen werden.

Die Medizinische Universität Innsbruck ist in zahlreiche internationale Bildungs- und Forschungsprogramme sowie Netzwerke eingebunden. Die Schwerpunkte der Forschung liegen in den Bereichen Onkologie, Neurowissenschaften, Genetik, Epigenetik und Genomik sowie Infektiologie, Immunologie & Organ- und Gewebeersatz. Darüber hinaus ist die wissenschaftliche Forschung an der Medizinischen Universität Innsbruck im hochkompetitiven Bereich der Forschungsförderung sowohl national auch international sehr erfolgreich.

Mag.a
Doris Heidegger
Öffentlichkeitsarbeit und Webredaktion
Medizinische Universität Innsbruck
Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Innrain 52, 6020 Innsbruck, Austria
Tel. +43 512 9003 -70083, Fax-DW 73081
doris.heidegger@i-med.ac.at

Media Contact

Doris Heidegger Med. Universität Innsbruck

Weitere Informationen:

http://www.i-med.ac.at

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Studien Analysen

Hier bietet Ihnen der innovations report interessante Studien und Analysen u. a. aus den Bereichen Wirtschaft und Finanzen, Medizin und Pharma, Ökologie und Umwelt, Energie, Kommunikation und Medien, Verkehr, Arbeit, Familie und Freizeit.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Graphen-Forschung: Zahlreiche Produkte, keine akuten Gefahren

«Graphene Flagship» nach zehn Jahren erfolgreich abgeschlossen. Die grösste je auf die Beine gestellte EU-Forschungsinitiative ist erfolgreich zu Ende gegangen: Ende letzten Jahres wurde das «Graphene Flagship» offiziell abgeschlossen. Daran…

Wie Bremsen im Gehirn gelockert werden können

Forschende lokalisieren gestörte Nervenbahnen mithilfe der tiefen Hirnstimulation. Funktionieren bestimmte Verbindungen im Gehirn nicht richtig, können Erkrankungen wie Parkinson, Dystonie, Zwangsstörung oder Tourette die Folge sein. Eine gezielte Stimulation von…

Wärmewende auf der GeoTHERM erleben

Als Innovationspartner in Sachen Wärmewende für Industrie und Kommunen stellt sich das Fraunhofer IEG auf der internationalen Fachmesse GeoTHERM vor. Auf seiner Ausstellungsfläche in Offenburg stellt es ab dem 29….

Partner & Förderer