Migranten sind ähnlich häufig Existenzgründer wie Einheimische

Migranten gründen damit nicht häufiger – aber auch nicht seltener – ein Unternehmen als die Einheimischen. Dies ist das Ergebnis einer am Montag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Instituts für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover.

Schaut man genauer hin, stellt man fest: Während Migranten beispielsweise aus Süd- und Osteuropa nicht häufiger als Einheimische ein eigenes Unternehmen gründen, haben Zuwanderer aus den westlichen und nördlichen Anrainerstaaten Deutschlands eine deutlich höhere Gründungsneigung.

„Häufiger als Einheimische sehen Migranten in einer selbständigen Tätigkeit eine gute Karriereoption“, schreiben die Arbeitsmarktforscher. Die Selbständigkeit könne aber auch Weg sein, eine nicht nach deutschen Standards zertifizierte Qualifikation zu nutzen: „Eine Gründung kann die Chance eröffnen, Fähigkeiten und Kenntnisse einzusetzen, die in Deutschland formal nicht anerkannt werden“, erklären die Forscher. Daneben würden auch Vorbilder für die Idee einer eigenen Unternehmensgründung eine wichtige Rolle spielen: Migranten haben häufiger Bekannte, die sich kürzlich selbstständig gemacht haben, so die Forscher.

Ein Hochschulabschluss erhöht die Wahrscheinlichkeit zu gründen erheblich, geht aus der Studie hervor. Der Unterschied gegenüber Personen ohne Hochschulabschluss beträgt drei Prozentpunkte. Dies gelte gleichermaßen für Einheimische wie Migranten, betonen die Forscher. Ebenfalls unabhängig vom Migrationsstatus zeigt sich: Männer machen sich häufiger als Frauen selbständig – die Differenz beträgt wiederum drei Prozentpunkte –, und junge Menschen gründen häufiger als Ältere ein Unternehmen. Während beim mittleren Alter von rund 40 Jahren rund fünf Prozent der Migranten und der Einheimischen in den letzten dreieinhalb Jahren ein eigenes Unternehmen gegründet haben oder gerade dabei sind, es zu tun, sind es bei den 50-Jährigen rund 4,2 Prozent.

Zudem stellten die Forscher fest: Die Gründungen von Migranten sind nicht weniger innovativ als die von Einheimischen. Auch bei der Exportorientierung lassen sich keine Unterschiede nachweisen.

Die Studie beruht auf den Daten des Global Entrepreneurship Monitors (GEM). Die Auswertungen für Deutschland basieren auf knapp 15.000 Interviews in den Jahren 2010 bis 2012.

Weitere Informationen:
http://doku.iab.de/kurzber/2013/kb2513.pdf

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Wolfgang Braun idw

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