Grow or Go / Studie von Oliver Wyman zum globalen Windenergiemarkt

Für die Hersteller von Windkraftanlagen sind die goldenen Zeiten erst einmal vorbei. Nach dem rasanten Wachstum bis 2009 und nachfolgender Stagnation wird der Weltmarkt auch in den kommenden Jahren nur moderat zulegen.

Überkapazitäten und massiver Preisdruck sind die Folge und lösen in einer zunehmend reifer werdenden Branche eine Konsolidierungswelle aus. Für alle Hersteller von Windkraftanlagen heißt es schnell handeln. Größe ist das Gebot der Stunde, M&A das zentrale Thema. Es gilt, Wettbewerber zu kaufen und so den Marktanteil auszubauen. Wer nicht als Käufer agieren kann, muss sich proaktiv Partner suchen, um am Markt bleiben zu können.

Dies sind Ergebnisse der globalen Oliver Wyman-Studie „Wind 2020: The Growth Imperative“.

Mit explosionsartigen Steigerungsraten bei neu installierter Windkraftkapazität hat der weltweite Windenergiemarkt von 2005 bis 2009 geglänzt. Sie beliefen sich auf durchschnittlich 35 Prozent pro Jahr, was zu einer Zunahme von 11,5 GW auf rund 38,3 GW führte.

Seither aber ticken die Uhren anders. Im Windschatten der Finanzkrise rutschte die Branche in die Stagnation. So stieg zwischen 2009 und 2011 die neu installierte Leistung im Schnitt jährlich um gerade mal 3,9 Prozent auf 41,2 GW. Einzig Asien zeigte in diesem Zeitraum mit einem durchschnittlichen Plus von jährlich 17,4 Prozent kräftiges Wachstum – dabei tat sich vor allem China hervor. Chinesische Windkraftanlagenhersteller gehörten 2011 in puncto neu installierte Windkraftkapazität zu den Wachstums-Champions, bei einigen europäischen OEMs schrumpfte diese dagegen.

Darüber hinaus, so zeigt die aktuelle Oliver Wyman-Studie, machen den internationalen OEMs enorme Überkapazitäten von 25 bis 40 Prozent zu schaffen, die einen massiven Preisdruck ausgelöst haben. Seit 2009 befinden sich die Preise im freien Fall – bis heute gingen sie um rund 25 Prozent zurück. In der Folge ist die Profitabilität bei westlichen Herstellern von Windkraftanlagen drastisch gesunken.

Im Schnitt beliefen sich die EBIT-Margen 2011 auf lediglich 1,4 Prozent – nach 4,4 Prozent im Jahr 2010. Einige OEMs verzeichneten gar ein negatives EBIT. „Vom Markt können die Hersteller in den nächsten Jahren keine Lösung ihrer Probleme bei Preis und Überkapazitäten erwarten“, ist Wolfgang Krenz, Partner bei Oliver Wyman, überzeugt.

„Dynamisches Marktwachstum ist vorerst nicht in Sicht. Erst ab 2015 ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen.“

Enorme Herausforderungen

Damit steht die gesamte Windkraftbranche vor ganz neuen Herausforderungen. Organisches Wachstum ist im dominierenden Onshore-Segment künftig nur schwer zu realisieren. Im Neugeschäft müssen sich die OEMs in den nächsten drei Jahren auf weiterhin niedrige Profitmargen einstellen. Konsequentes Kostenmanagement und Produktkostensenkung bleiben zentrale Aufgaben. Wachstumsakzente können vor allem im Servicegeschäft gesetzt werden. Tatsächlich sind viele internationale Anlagenhersteller im Bereich Wartung und Reparatur bei der Verteidigung ihrer Marktanteile bislang erfolgreicher als erwartet. Allerdings ist heute noch nicht absehbar, ob die vermehrt abgeschlossenen langfristigen Serviceverträge auf Dauer profitabel sind.

Der Offshore-Markt bietet zwar hohe prozentuale Wachstumsraten, macht aber heute erst drei Prozent der neu installierten Leistung aus. In absoluten Gigawatt-Zahlen bleibt der Zubau im Onshore-Bereich bis 2020 jedoch größer und wird dann noch über 80 Prozent des Gesamtmarkts ausmachen. Chinesische Wettbewerber werden sich nicht wie bislang ausschließlich in ihrem Heimatmarkt bewegen. Ihr Eintritt in internationale Märkte mit technologisch vergleichbaren, aber günstigeren Produkten, erhöht zusätzlich den Wettbewerbsdruck.

Zwang zur Größe

Größe ist das Erfolgsrezept der Zukunft. Die Gründe hierfür sind in der stark fragmentierten Branche vielschichtig. Hersteller von Windkraftanlagen sind gezwungen, erheblich mehr Kostenvorteile aus Skaleneffekten zu ziehen. Immer größere, professionellere Kunden und Windparkbetreiber werden verstärkt auf große OEMs setzen. Die Projekte werden größer und umfangreicher, vor allem getrieben durch das wachsende Offshore-Segment. Analog zum traditionellen Energieanlagenbau steigen die Ansprüche der Kunden an Generalunternehmerschaft und komplementäre Leistungsangebote. Dadurch entstehen größere Einzelrisiken. Diese können größere, finanzstarke Player – auch durch ein professionelleres Risikomanagement – besser abfedern. Größe und Finanzkraft erleichtern darüber hinaus den Zugang zu Projektfinanzierungen, die immer noch schwierig sind. Zudem müssen Investitionen in Forschung und Entwicklung deutlich erhöht werden, insbesondere im Offshore-Bereich, in dem asiatische Player derzeit geballt neue Windkraftanlagen entwickeln. Nur Größe sichert eine entsprechende Amortisation der F&E-Investitionen.

Internationale OEMs werden einen Marktanteil von deutlich mehr als zehn Prozent haben müssen, um im globalen Wettbewerb auch künftig mithalten zu können. Mit 12,7 Prozent liegt derzeit nur Branchenprimus Vestas über dieser Marke, der aber in den letzten Jahren bereits erheblich Marktanteil verloren hat. Der Zwang zur Größe heizt den M&A-Markt in den kommenden Jahren massiv an. Die klassischen großen Kraftwerks- und Anlagenbauer werden sich verstärkt in den Windmarkt einkaufen und im Offshore-Segment, das zumindest in Europa in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen wird, mit ihrem breiten Leistungsangebot das Rennen machen. Chinesische Hersteller von Windkraftanlangen werden zunehmend internationale Wettbewerber akquirieren. Entsprechend müssen sich westliche Player jetzt schnell bewegen, um Größenvorteile zu erzielen und bis 2020 auf der Gewinnerseite zu stehen.

Der Markt wird jetzt verteilt

Wer nicht selbst akquirieren kann, sollte nicht um jeden Preis auf die Beibehaltung der Eigenständigkeit setzen und damit eine weitere Erosion des Unternehmenswerts riskieren. Vielmehr gilt es, sich proaktiv einen Partner zu suchen, um unter dessen Dach am Markt agieren zu können. Dafür heißt es nachhaltig zu restrukturieren und sich für mögliche Partner attraktiv zu machen. „Die Zeit drängt, der Markt wird jetzt verteilt“, betont Krenz. „Windkraft ist eine gute Technologie. Sie ist wettbewerbsfähiger und attraktiver als alle anderen im Bereich der erneuerbaren Energien. Doch die gegenwärtigen Probleme im Windmarkt verschwinden nicht von alleine. Die OEMs müssen schnell und gezielt handeln.“

Die vollständige Pressemeldung und die dazugehörigen Grafiken finden Sie hier zum Download: http://ots.de/t8YeC

ÜBER OLIVER WYMAN

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