Life Sciences: Kommt der Innovationsschub?

Innovation ist der Motor der Life-Sciences-Branche und sichert die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Die Geschwindigkeit, in der Innovationen Marktreife erreichen, hängt von einer Reihe von Faktoren ab: der Entwicklung neuer Technologien, optimierten Finanzierungsmodellen sowie der steigenden Nachfrage einer immer älter werdenden Bevölkerung. Doch drohen wachsende Kosten und das damit verbundene Risiko sowie ein immer engmaschigeres Netz aus Regulierungen und Vorschriften das Tempo des Innovationszuges zu drosseln. Das ergab eine Befragung von 200 Topmanagern führender Life-Sciences-Unternehmen, die Deloitte zusammen mit der Economist Intelligence Unit (EIU) durchgeführt hat.

„Die Forderung nach effizienteren und kostengünstigeren Medikamenten einerseits sowie ein scharfer Wettbewerb und ehrgeizige Wachstumsziele andererseits erhöhen den Druck auf die Life-Sciences-Branche. Unternehmen müssen verstärkt auf Innovation setzen. Und tatsächlich scheint sich für die nächsten Jahre eine wahre Innovationswelle anzukündigen“, kommentiert Dr. Peter Thormann, geschäftsführender Partner von Deloitte.

Die Entwicklung im Life-Science-Sektor verläuft rasant.

Produktinnovationen kommt ein immer höherer Stellenwert für die wirtschaftliche Situation der Unternehmen zu: Zwei Drittel der befragten Teilnehmer schätzen, dass die Geschwindigkeit, in der Anbieter in der Lage sind, neue Produkte auf den Markt zu bringen, bis 2015 einer der ausschlaggebenden Faktoren für die jeweilige Profitabilität sein wird.

Risikofaktoren Finanzierung, gesetzliche Auflagen, Generika

Jedoch existieren zahlreiche Hürden, die der Entwicklung innovativer Medikamente und Therapien im Wege stehen. Mehrheitlich sehen die Befragten diese vor allem in den hohen technologischen und finanziellen Risiken. Immer komplexere Prozesse bei Forschung und Entwicklung, ein stetig steigender Investitionsbedarf, aber auch längere Erprobungs- und Testphasen tragen entscheidend dazu bei.

Verantwortlich sind hauptsächlich neue gesetzliche Auflagen. So hat sich seit den 1980er-Jahren die durchschnittliche Patientenzahl für die erforderlichen klinischen Erprobungsphasen nahezu verdreifacht und die Zahl der Medikamentenzulassungstests verdoppelt.

Ein zentrales Problem ist die Bereitstellung der Finanzmittel.

Obwohl die meisten Unternehmen immer noch einen erheblichen Umsatzanteil in Forschung und Entwicklung stecken, ist dieser seit Mitte der 1990er-Jahre kontinuierlich gesunken. Auch private Investoren zeigen sich zunehmend zögerlich, nachdem die vergangenen Jahre hier nicht den erhofften kommerziellen Erfolg gebracht haben.

Doch ausgelöst durch neue Finanzierungswege wie den Londoner Alternative Investment Market (AIM) scheint sich hier ein Umschwung anzukündigen.

Ein weiterer Faktor, der das Investitionstempo nachhaltig reduzieren kann, ist die Nutzungsrechtssituation. Hier gilt: Je kürzer die Phase, in der Firmen die Rechte am Medikament exklusiv nützen können, desto schlechter die Aussichten auf einen befriedigenden Return on Investment.

Auch der Marktzugang gestaltet sich in einigen Ländern schwierig.
Unterschiedliche, teils restriktive Regelungen können sich negativ auf die Rentabilität eines neuen Produkts auswirken. Nicht zuletzt zählt die Tatsache, dass sich Entwicklungen in punkto Kostendeckung bzw. Gewinnaussichten kaum vorhersagen lassen, zu den Unsicherheitsfaktoren. In vielen Ländern, so auch in Deutschland, richten sich die Bestrebungen der Gesundheitspolitik vor allem auf Kostensenkungen und Ausgabendeckelung, sodass unklar ist, welche Abgabepreise für ein neues Medikament verlangt werden können.

Beschleunigungsfaktoren für mehr Innovationen

Zur Verbesserung der Situation existieren zahlreiche Ansätze.
Unter anderem eine Optimierung der Zusammenarbeit von Industrie und Regierungen in Form von Public Private Partnerships. Auch eine internationale Standardisierung von Regularien zur Medikamentenzulassung könnte hilfreich sein. Wünschenswert ist darüber hinaus eine Intensivierung der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Unternehmen – Voraussetzung aber eine bessere Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Weiterhin sollte dem interdisziplinären Ansatz – also dem, der Medikamente, biologische Präparate, medizinische Geräte und Diagnosemethoden umfasst – ein deutlich höherer Stellenwert eingeräumt werden, so die Meinung der Life-Sciences-Manager. Auch wird sich die Industrie künftig direkt mit Patienten bzw. Verbrauchern auseinandersetzen, was vor allem zu einer besseren Verbraucherinformation führt. Die Relevanz der öffentlichen Meinung im Hinblick auf ethische oder qualitative Fragen wird ebenfalls hoch bleiben – die einzelnen Anbieter sind gut beraten, dies entsprechend zu berücksichtigen.
„Die Entwicklung der Grundlagentechnologie und eine zunehmende Nachfrage der Verbraucher, die auch mit der demografischen Entwicklung in den Industrieländern zusammenhängt, sind die Treiber, die der Life-Sciences-Branche den erhofften – und notwendigen – Innovationsschub bescheren. Ausschlaggebend dafür ist nicht zuletzt, dass sich Unternehmen, staatliche Stellen und Wissenschaft zu übergreifenden Kooperationen zusammenschließen werden“, resümiert Dr.

Peter Thormann.

Die vollständige Studie finden Sie unter http://www.deloitte.com/d tt/research/0%2C1015%2Ccid%25253D153053%2C00.html zum Download.

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