Mehr Leistung durch Standard-Arbeitsverträge

Arbeitsverträge im Standardformat heben die Leistungsbereitschaft und bewirken eine eindeutige Steigerung der Markteffizienz. Zu diesem Ergebnis kommen Finanzwissenschaftler der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck unter der Leitung von Matthias Sutter nach Auswertung eines eigens kreierten ökonomischen Experiments. „Mit dem durchgeführten Experiment konnte erstmals belegt werden, dass Arbeitgeber von standardisierten Löhnen profitieren, wenn der Markt nur unvollständige Verträge zulässt – die Verpflichtungen von Mitarbeitern also nur schwer definierbar sind“, erläutert Wolfgang Luhan, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Finanzwissenschaft der Universität Innsbruck, im Gespräch mit pressetext.

Als Forschungsergebnis führt der Experte an, dass eine Standardisierung zu einer Steigerung der Löhne führt, wobei ökonomische Vorteile in Form höherer Arbeitsleistung und vermehrter Markteffizienz auftreten. Laut Sutter „haben die Beobachtungen ergeben, dass – verglichen mit den individuellen Vereinbarungen – die Löhne bei den standardisierten Verträgen um 30 Prozent höher waren. Aufgrund dieser Ergebnisse ist es kein Wunder, dass eine Lohnstandardisierung auch die Markteffizienz erhöht“. Nach dem Motto „Mehr Geld, mehr Leistung“ sollten Arbeitgeber, die langfristig einzelne Mitarbeiter finanziell stärken wollen, parallel auch die Löhne aller anderen Mitarbeiter anheben. Diese Forderung der Finanzwissenschaftler wird untermauert durch eine bei allen Mitarbeitern signifikant höhere Markteffizienz, da Anreize und soziale Normen in einem Markt mit vertraglich schwer festgelegten Auflagen eine wesentliche Rolle spielen.

Die Erkenntnisse basieren auf einem Experiment, an dem knapp 200 Innsbrucker Studenten unterschiedlichster Studienzweige teilnahmen, wobei im Rahmen eines „Geschenk-Austausch-Spiels“ ein Markt simuliert werden konnte. Laut Luhan waren auf ein Mal immer nur 20 bis 40 Studenten, jeweils abgetrennt durch Holzwände, am virtuellen Markt beteiligt. Den definierten Arbeitgebern war es in diesem Setting möglich, potenziellen Arbeitnehmern unterschiedliche Verträge anzubieten. Gewerkschaften wurden hierbei ganz bewusst ausgeklammert. Vor allem im Hinblick auf die kollektivvertragsorientierte Tradition in Österreich scheinen diese Ergebnisse relevant zu sein. Luhan verdeutlicht jedoch, dass es entgegengesetzt zur Standardisierung der Löhne durch Arbeitgeber, hierbei zu Gewerkschaftsverhandlungen über die Löhne ganzer Berufsgruppen kommen müsste. Das Projekt wird vom Österreichischen Wissenschaftsfonds http://www.fwf.ac.at (FWF) unterstützt.

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Florian Fügemann pressetext.austria

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