Wissenschaftler scannen Gehirne von Nonnen

Eine Studie der Université de Montréal hat mit bildgebenden Verfahren nachgewiesen, dass Glaubenserfahrungen ein Netzwerk innerhalb des Gehirns entstehen lassen. Neurowissenschaftler haben ein Netzwerk von Gehirnregionen identifiziert, die aktiviert werden, wenn sich Nonnen eins mit Gott fühlen. Die künstliche Stimulierung des Gehirns in dieser Art und Weise könnte es laut den Wissenschaftlern auch ungläubigen Menschen ermöglichen mystische Erfahrungen zu machen. Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachmagazin Neuroscience Letters veröffentlicht.

Der leitende Wissenschaftler Mario Beauregard erklärte, dass er aufgrund eigener persönlicher Erlebnisse wissen wollte, was im Gehirn während spiritueller, mystischer oder religiöser Erfahrungen vor sich geht. Was in jenen Momenten geschieht, wenn sich Menschen eins mit Gott fühlen und ein Gefühl von Frieden, Freude und Liebe empfinden. Beauregard und sein Kollege Vincent Paquette untersuchten 15 Karmeliterinnen mittels funktioneller Magnet-Resonanz-Tomographie (fMRI) und befragen sie nach ihren am stärksten mystischen Momenten im Leben. Während des Betens wurden die Teilnehmerinnen nicht gescannt, da sie erklärt hatten, dass die willentliche Herstellung einer Verbindung mit Gott nicht möglich sei. Zur Kontrolle wurden die Nonnen nach einer Erfahrung gefragt, bei der sie sich einem anderen Menschen nahe fühlten.

Die Wissenschaftler fanden eine Reihe von Gehirnregionen, die während der Erinnerung an die mystischen Erlebnisse aktiver waren. Der Nucleus caudatus zum Beispiel, der mit positiven Gefühlen wie Glück und Seligkeit in Zusammenhang gebracht wird, schien während dieser Erinnerungen aktiver zu sein. Zusätzlich konnte eine besondere Aktivität in Regionen nachgewiesen werden, die körperliche Erfahrungen vom Rest des Körpers integrieren. Damit ist vielleicht der Eindruck erklärt, dass Nonnen eins mit Gott und ihrer Umgebung geworden sind. Ein Ansteigen von bestimmten Arten elektrischer Aktivität, die mit dem Tiefschlaf und Meditation in Zusammenhang gebracht werden, konnte ebenfalls nachgewiesen werden.

Frühere Studien hatten nahe gelegt, dass derartige Erfahrungen in einem bestimmten Teil des Gehirns ihren Ursprung haben. Die Arbeit mit sehr gläubigen epileptischen Patienten lieferte den Hinweis darauf, dass der Schläfenlappen großteils für religiöse Gefühle verantwortlich sein könnte. Die aktuelle Studie wies eine Aktivierung des Schläfenlappens als eine von vielen beteiligten Gehirnregionen nach. Es ist laut Nature denkbar, dass die Unterschiede zwischen den früheren und neuen Experimenten die unterschiedlichen Ergebnisse erklären. Zum Beispiel analysierte die aktuelle Studie die Erinnerungen an mystische Erfahrungen und nicht den Augenblick, in dem sie tatsächlich stattfanden.

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Michaela Monschein pressetext.austria

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