Internet ist oft noch nicht der passende Schlüssel zum Wissen

Eine Nutzer-Studie an deutschen Hochschulen zeigt: Informationskompetenz noch keine Schlüsselkompetenz an deutschen Hochschulen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Sozialforschungsstelle Dortmund (zusammen mit der Universität Dortmund und der Gesellschaft für angewandte Unternehmensforschung und Sozialstatistik mbH – gaus ) zur „Nutzung elektronischer wissenschaftlicher Information in der Hochschulausbildung“ im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMB+F).

Im März diesen Jahres wurde dem Ministerium ein Maßnahmenkatalog überreicht, in dem Schritte zur Verbesserung der Informationskompetenz vorgeschlagen werden.

Die umfassende Bestandsaufnahme der Sozialforschungsstelle Dortmund im Rahmen von drei repräsentativen schriftlichen Befragungen von Dekanaten, Hochschullehrenden und Studierenden zur Nutzung elektronischer wissenschaftlicher Information in der Hochschulausbildung hat ergeben: Zwar wird zunehmend das Internet zum Informationsmedium Nummer 1 auch im Studium – aber die fach- und sachgerechte Nutzung lässt stark zu wünschen übrig. Ein Grund ist die geringe Informationskompetenz der Studierenden. Folge dieses Mangels: Das Angebot an elektronischer wissenschaftlicher Information wird als unübersichtlich empfunden; die Zufriedenheit mit den Ergebnissen der elektronischen Recherchen ist gering. Die Potenziale der neuen Informationsmedien werden nicht ausgeschöpft.

Im Einzelnen zeigt die Studie:

  • Nur in jeder 20. Fakultät ist die Förderung der Informationskompetenz – als Bestandteil der zu erwerbenden wissenschaftlichen Qualifikation – in der Prüfungsordnung verankert.
  • 64,1 % der Studierenden suchen elektronische Fachinformation mit Lycos, Altavista oder anderen kommerziellen Suchmaschinen – mit zumeist geringem Erfolg.
  • Nur jeder 10. Studierende nutzt kostenpflichtige Angebote elektronischer Recherche in Fachdatenbanken, obwohl diese hochwertige und geprüfte wissenschaftliche Information bereitstellen.
  • Nur jeder 8. Studierende erwirbt sich Informationskompetenz systematisch im Rahmen von Einführungsveranstaltungen der Bibliotheken. Die große Mehrheit der Studierenden (79,6%) erlernt die Nutzung elektronischer Medien autodidaktisch, also durch Versuch und Irrtum, obwohl ihre Dozentinnen und Dozenten diesen Weg als wenig angemessen betrachten.
  • Nur ein Drittel aller befragten Hochschullehrenden fördert die Informationskompetenz ihrer Studierenden im Rahmen der eigenen Lehrveranstaltungen.
  • Um ihre methodisch-didaktischen Fähigkeiten zur Vermittlung von Informationskompetenz weiterzuentwickeln, plädieren die Hochschullehrenden dafür, dazu Weiterbildungsveranstaltungen auch für Lehrende einzurichten.

Auch wenn man fachspezifische Unterschiede in der Informationskompetenz der Studierenden einräumt, zeigt die Studie der sfs: In etlichen Studienbereichen können Studierende an deutschen Hochschulen den hohen Anforderungen des Studiums und des Berufslebens in punkto Informationskompetenz heute nicht gerecht werden. Projektleiter Dr. Rüdiger Klatt: „Viele Studierende nutzen zu häufig einfache Zugänge wie etwa Suchmaschinen im Internet. Sie verzichten auf effektive Recherche in Fachdatenbanken und professionellen Informationsdiensten.“

Angesichts dieser Lage schlägt die sfs einen umfassenden Maßnahmenkatalog vor, um die Situation zu verbessern. Dr. Christine Thomas vom Bundesministerium für Bildung und Forschung: „Notwendig sind Modellprojekte mit Breitenwirkung, in denen Innovationen zur Förderung der Informationskompetenz entwickelt werden.“

Die sfs hat dazu folgende Ansatzpunkte ausgemacht

  • – Die Vermittlung von Informationskompetenz und die Nutzung elektronisch bereitgestellter wissenschaftlicher Information muss in die Lehre integriert werden.
  • Tutorien, von Studierenden selbst durchgeführt, sollen den Wissensaustausch unter den Studierenden bei der Nutzung und Verwendung elektronisch bereitgestellter Fachinformation anregen.
  • Den Studierenden und Lehrenden sollten durch die Fachbereiche bzw. Fakultäten geprüfte Angebote elektronischer wissenschaftlicher Information gemäß den fachlichen Anforderungen bereitgestellt werden.
  • Die Anforderungen an die Informationskompetenz in der Hochschulausbildung sollen im Rahmen von Modellprojekten auch zwischen Unternehmen und Hochschulen abgestimmt werden, um die Informationskompetenz der Studierenden gemeinsam aufzubauen.

Kontakt: Dr. Rüdiger Klatt (sfs/Uni Dortmund),
Evinger Platz 17, 44339 Dortmund, Ruf 0231-8596-284 und 0231-8596-281, Fax: 0231-8596-100,
E-Mail: klatt@sfs-dortmund.de

Media Contact

Klaus Commer idw

Weitere Informationen:

http://www.stefi.de http://www.bmbf.de

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