Kosten der Parkinson-Krankheit

Medikamente drehen an der Preisschraube, verringern aber die Pflegebedürftigkeit. Studie der Europa Fachhochschule Fresenius und der Deutschen Klinik für Diagnostik

Parkinson – die Erkrankung des Nervensystems ist für gut 250.000 Menschen eine schwere Belastung – und die Behandlung mit neuen Therapiemethoden eine kostspielige Angelegenheit. Bisher lagen nur grobe Schätzungen zu den direkten Kosten vor. In einer Studie haben die Europa Fachhochschule Fresenius (Idstein) und der Fachbereich Neurologie der Deutschen Klinik für Diagnostik DKD (Wiesbaden) neue Daten zu den direkten Kosten der Parkinson-Therapie erhoben. Ergebnis: „Vor allem die Medikamente drehen an der Preisschraube“, so das Fazit von Professor Dr. Jens Jessen, Lehrstuhlinhaber für Gesundheitsökonomie an der Europa Fachhochschule Fresenius (EFF) in Idstein.

Die Studie erfasste zehn Monate lang die direkt anfallenden „Krankheitskosten“ von 77 Patienten in ambulanter Behandlung: für Diagnostik, Medikamente, Therapie bei Neben- und Wechselwirkungen, ärztliche Betreuung (Arztbesuche), Überweisungen zu anderen Institutionen, stationäre Behandlung, Operationen und Pflegekosten oder Kosten, die durch vorzeitigen Therapieabbruch entstehen. Hinzu kommen Aufwendungen für besondere Unterstützungen wie z.B. durch eine Haushaltshilfe.

Als wichtigstes Ergebnis der Studie zeigt sich, dass die Medikamentenkosten unter den direkten Kosten den weitaus größten Teil ausmachen. Im Frühstadium der Krankheit belaufen sich die durchschnittlichen monatlichen Kosten für die medikamentöse Therapie auf 397,67 Euro. Mit zunehmender Krankheitsausprägung wachsen die Aufwendungen bis auf 645,77 Euro monatlich. Im Vergleich dazu belasten Heilmittel die Kostenträger durchschnittlich mit 25,46 Euro. Die ärztlichen Leistungen schlagen mit 15,73 Euro pro Monat zu Buche. 18,74 Euro müssen im Schnitt für medizinisch-technische Diagnoseuntersuchungen aufgebracht werden.

„Ein Aufwand, der sich lohnt!“, so Jessen: „Eine differenzierte Therapie führt zwar zu einer deutlichen Steigerung der Medikamentenkosten, die Kosten für die stationäre Behandlung verringern sich jedoch und die Pflegebedürftigkeit wird zeitlich hinausgezögert.“

Die Langzeitstudie wird fortgesetzt. Im nächsten Schritt werden an der Europa Fachhochschule Fresenius die indirekten Kosten (zum Beispiel Kosten durch Arbeitsunfähigkeit) erfasst.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Jens Jessen
Lehrstuhl Gesundheitsökonomie
Europa Fachhochschule Fresenius
Limburger Straße 2, 65510 Idstein
E-Mail: jessen@fh-fresenius.de

Media Contact

Bianca Stamm idw

Weitere Informationen:

http://www.fh-fresenius.de

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