Kein klarer Hinweis auf globale Waldverluste

Daten über die tatsächlichen Waldbestände in tropischen Regionen sind so lückenhaft, dass eine Aussage darüber, ob die Wälder wachsen oder zerstört werden, kaum getroffen werden kann, berichtet Alan Grainger von der School of Geography an der University of Leeds in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins Proceedings of the National Academy of Sciences PNAS. Der Forscher hat Daten der vergangenen 30 Jahre untersucht und ist zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen. In diesem Zusammenhang fordert der Wissenschaftler die Schaffung eines globalen Monitoring Programms.

Die UNO hat in zahlreichen Untersuchungen Daten bestätigt, wonach tropische Wälder weltweit im Rückgang begriffen sind. Grainger ist sich allerdings nicht sicher, ob das bedeutet, dass es zu einer globalen Abnahme der Waldbestände gekommen ist. „Es steht außer Zweifel, dass große Waldgebiete in den vergangenen Jahren gerodet wurden. Es gibt allerdings auch Hinweise dafür, dass in anderen Regionen die Wälder zugenommen haben“, so der Forscher. „Unsere Analyse beweist nicht, dass es keinen Verlust tropischer Regenwälder gibt – dafür gibt es genügend lokale Beweise – sondern eher dass es schwierig ist, verlässliche Daten darüber zu bekommen.“

Für seine Forschungsarbeit hat Grainger Daten der FAO seit den 1980ern genauer untersucht. Von den dortigen Waldbestandsaufnahmen, die alle zehn Jahre veröffentlicht werden, konnte man eine deutliche Abnahme der trockenen und feuchten tropischen Regenwälder ableiten. Das FAO Global Forest Resources Assessment für das Jahr 2000 wies aus, dass die tropischen Waldgebiete im Zeitraum von 1990 bis 2000 von 1,926 Mio. Hektar auf 1,799 Mio. Hektar geschrumpft waren. Im Bericht von 1990 war hingegen zu lesen, dass die tropischen Wälder zwischen 1980 und 1990 von 1,9 Mio. Hektar auf 1,756 Mio. Hektar geschrumpft waren. Die Flächenangaben betrafen genau die gleichen 90 Länder.

Grainger betont, dass die FAO sehr genau arbeite, sich für ihre Untersuchungen allerdings auch auf nationale Statistiken verlassen müsse. „Die Ungenauigkeiten sind demnach unausweichlich“, schließt der Geograph, der als internationaler Experte für tropische Wälder gilt. Das Tragische an den Ungenauigkeiten dieser Daten sei auch, dass viele international arbeitende Wissenschaftler sich auf diese Daten stützen. Die einzige Lösung dieser Probleme sieht Grainger in neuen hochsensiblen Satellitenbildern, die verlässliche Bestandsdaten bringen sollen.

Trotz der relativ ungenauen Datenlage, gebe es in einigen Ländern deutliche Hinweise auf eine Ausdehnung der Waldgebiete, schreibt der Forscher. Dies sei etwa im westafrikanischen Gambia und im südostasiatischen Vietnam der Fall. In beiden Ländern lag die Rate der Abholzung deutlich unter jener der Wiederaufforstung. „Genau das ist das Problem“, erklärt der Waldexperte von Global2000, Thomas Lackner, im pressetext-Interview. Wald sei nicht gleich Wald. Man müsse die Qualität des Ökosystems miteinbeziehen. „Die so genannten Primärwälder sind es, die besonders viel CO2 aufnehmen können. Wälder, die mit schnell wachsenden Eukalyptusbäumen oder anderen Hybriden aufgepflanzt werden, sind hingegen kein wertvolles Ökosystem“, so der Experte, der solche Jubelmeldungen über den Zuwachs an tropischen Waldgebieten immer sehr skeptisch sieht. „In einer Veröffentlichung des deutschen Umweltministeriums zur Lage der Wälder in den Tropen, wurde klar von einer globalen Verringerung dieser gesprochen“, erklärt Lackner.

Eigenen Angaben zufolge habe der Boom bei den so genannten Biotreibstoffen die Situation zusätzlich verschärft. Das sei sowohl in Indonesien als auch in Südamerika deutlich spürbar. „Bekannt geworden sind nun auch großflächige Rodungen der Wälder in Paraguay. Generell kann man sagen, dass der Druck auf diese ursprünglichen Habitate deutlich zugenommen hat“, erklärt Lackner. Zahlreiche Berichte würden dies unterstreichen. „Möglicherweise sind in den Daten von 2006 die Rodungen zugunsten der Biotreibstoffe noch nicht eingeflossen“, so der Experte abschließend.

Media Contact

Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

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