Beben treffen arme Länder härter

Eine genaue Analyse der Katastrophen und ihrer Hintergründe hat jetzt James Daniell vom Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) vorgelegt.

Daniells Bericht am KIT zu globalen Schadensbeben des Jahres 2010 gründet auf der Datenbasis CATDAT, die der Wissenschaftler seit 2003 systematisch aufgebaut hat. Sie berücksichtigt Online-Archive, Berichte von Institutionen, Veröffentlichungen in Büchern und Zeitschriften, aber auch andere Datensammlungen weltweit. Seine Arbeit finanziert er mit einem Stipendium der General Sir John Monash Stiftung in Australien.

Im vergangenen Jahr gab es mindestens 91 Erdbeben, bei denen Menschen starben, verletzt oder obdachlos wurden oder bei denen beträchtliche Sachschäden entstanden. Betroffen waren 33 Länder, 13mal – und damit am häufigsten – bebte die Erde in China, 10mal im Iran.

Daniell beleuchtet die Bedingungen in den betroffenen Ländern und kann erklären, warum die Unglücke sich so unterschiedlich auswirken. Die verheerendsten Folgen hatte das Beben mit der Stärke sieben auf der Momenten-Magnituden-Skala (Mw) in Haiti: Es forderte bis zu 225.000 Todesopfer, zwischen einer und 2,1 Millionen Menschen wurden obdachlos.

Die Erderschütterungen in Chile erreichten gar die Stärke 8,8 Mw. Rund 800.000 Menschen wurden obdachlos – mit 600 starben aber weit weniger Menschen als in Haiti. Der Grund: Dort traf das Erdbeben eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt, mehr als 70 Prozent der Menschen in Haiti haben weniger als zwei Dollar pro Tag zur Verfügung und leben somit unter der Armutsgrenze. Pläne zur Absicherung gegen Erdbeben gibt es kaum, die meisten Häuser sind in einfachster Weise gebaut.

In Chile dagegen verhinderten stabilere Gebäude eine deutlich höhere Zahl an Todesopfern. Zwar verursachte das Erdbeben Verluste in Höhe von rund 30 Milliarden US-Dollar. Sie wirken sich aber in Chile, wo rund zwei Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben, weniger gravierend aus als die – absolut gesehen niedrigeren – Verluste von etwa acht Milliarden US-Dollar in Haiti. Denn diese Summe macht in dem Land mehr als 100 Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts aus. Insgesamt gehört die Katastrophe in Haiti zu den zehn folgenreichsten Erdbeben seit 1900.

Für Daniell ergibt sich daraus: „Die sozioökonomische Verwundbarkeit eines Landes muss bei der Risikoabschätzung eine wichtige Rolle spielen“. Seine Daten belegten eindeutig, so Daniell, dass höher entwickelte Länder über umfassendere Baurichtlinien, eine stärkere Forschung auf dem Gebiet der Erdbebenrisiken und -effekte sowie eine sicherere Bauweise und umfangreichere Maßnahmen zur Reduzierung des Risikos verfügten. „Sie bereiten sich auch besser auf ein Katastrophenmanagement vor.“

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und staatliche Einrichtung des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung – Lehre – Innovation.

Weiterer Kontakt:

Klaus Rümmele
Presse, Kommunikation und Marketing (PKM)
Tel.: +49 721 608-48153
E-Mail: klaus.ruemmele@kit.edu
Der Bericht:
www.cedim.de/download/2011-1_CATDAT_4.01.2011.pdf

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Monika Landgraf idw

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