Arbeitszeit-Rekord durch Personalabbau

Dies sei eine Folge des starken Personalabbaus in der Wirtschaftsflaute bis 2003, aus der jetzt gelernt werden müsse, warnten Arbeitszeitexperten heute (29. Januar) in Duisburg auf einer Tagung von Hans-Böckler-Stiftung (HBS) und Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen.

Weniger Wochenstunden – vom Überstundenabbau bis hin zu vertraglichen Arbeitszeitverkürzungen – könnten vielen Unternehmen in den kommenden Monaten helfen, Auftragseinbrüche abzufangen und Entlassungen zu vermeiden.

Besonders stark sind die Arbeitszeiten in Westdeutschland angestiegen.

Dies zeigt ein auf der Tagung vorgestellter „Arbeitszeit-Monitor“, den die IAQ-Arbeitszeitforscher Steffen Lehndorff, Angelika Kümmerling und Andreas Jansen im Auftrag der HBS erarbeitet haben. Nach Auswertung von Daten des Mikrozensus arbeiteten Vollzeitkräfte in Westdeutschland 2006 durchschnittlich 40,4 Stunden pro Woche, während es drei Jahre zuvor 39,6 Wochenstunden gewesen waren. Vorreiter bei dieser Arbeitszeitverlängerung waren die Metallindustrie und der öffentliche Dienst in Westdeutschland: 2006 wurde in beiden Branchen pro Woche im Schnitt rund eine Stunde länger gearbeitet als noch 2003.

Die durchschnittlichen Arbeitszeitverlängerungen sind vor allem darauf zurückzuführen, dass viele Beschäftigte zur 40-Stunden-Woche zurückgekehrt sind, die zuvor von den tarifvertraglichen Arbeitszeitverkürzungen profitiert hatten. So arbeitete zum Beispiel zu Beginn dieses Jahrzehnts jeder zweite männliche Arbeitnehmer Westdeutschlands zwischen 35 und 39 Wochenstunden, 2006 nur noch jeder dritte. Dem standen zu diesem Zeitpunkt 38 Prozent der abhängig Beschäftigten mit einer tatsächlichen 40-Stunden-Woche gegenüber, und 18 Prozent mit einer Arbeitszeit von über 40 Wochenstunden. Grundsätzlich liegen bei den Vollzeitbeschäftigten die deutschen Wochenarbeitszeiten im Durchschnitt der EU. Die Arbeitszeiten von Frauen in Teilzeit dagegen sind in keinem Land der EU so kurz wie in Deutschland.

Nach der IAQ-Studie hat der starke Personalabbau in der Stagnation 2001 bis 2003 Personalengpässe im folgenden Aufschwung verursacht. Wer noch da war, musste länger arbeiten. Erst mit mehrjähriger Verzögerung gab es Neueinstellungen – darunter auch mehr Leiharbeit, die sich gegenwärtig als wenig krisenfest erweist. Nach Einschätzung des IAQ waren „die Arbeitszeitverlängerungen im Aufschwung nach Personalabbau in der Rezession eine Fehlentwicklung, aus der in der jetzt einsetzenden Rezession gelernt werden sollte. Es ist sinnvoller, das Flexibilitätspotenzial der Arbeitszeit (inkl. Kurzarbeit) in Verbindung mit Qualifizierungsmaßnahmen zu nutzen, als mit Entlassungen den Personalmangel im nächsten Aufschwung zu programmieren. Die durch derartige Personalengpässe provozierten Arbeitszeitverlängerungen schränken den Beschäftigungsaufbau nach der Krise ein“.

Der aktuelle IAQ-Report „Arbeitszeiten wieder so lang wie vor 20 Jahren – IAQ/HBS Arbeitszeit-Monitor seit 2001“ ist zu finden unter http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2009/report2009-01.shtml

Weitere Informationen:
Dr. Steffen Lehndorff, Tel. 0209/1707-146, steffen.lehndorff@uni-due.de; Andreas Jansen, Tel. 0209/1707-257, andreas.jansen@uni-due.de,

Dr. Angelika Kümmerling, Tel. 0209/1707-152, angelika.kuemmerling@uni-due.de

Redaktion:
Claudia Braczko,
Tel. 0209/1707-176,
0170-8761608,
presse-iaq@uni-due.de

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