Magnonic Computing

Fig. 1. Schematic picture of exchange spin-wave excitation.
Sketch of the sample and the experimental configuration: An inductive antenna with 2 μm width is placed on a nanoscale YIG waveguide with 200 nm width to excite the FMR mode under the antenna. μBLS spectroscopy is used to measure the spin waves along the x axis of the nanoscale waveguide. The proposed excitation method is based on the deep nonlinear shift of the spin-wave dispersion underneath the antenna in an out-of-plane magnetized nanoscale waveguide. The inset shows the schematic dispersion curves underneath the antenna (high spin-wave intensity) and outside the antenna (low intensity). A wavelength conversion from a few micrometers to 200 nm occurs for spin waves with the excitation frequency f. GGG, gadolinium-gallium-garnet.
(c) Bild entnommen aus ScienceAdvances: Deeply nonlinear excitation of self-normalized short spin waves / Qi Wang et al. https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.adg4609

Schnellere Spinwellen könnten neuartige Rechensysteme möglich machen.

Durchbruch bei Forschung zu neuartigem energieeffizientem Computer. Auf der ganzen Welt wird an Alternativen zu unserer derzeitigen elektronischen Computertechnik geforscht, denn elektronenbasierte Systeme haben Grenzen. Aus dem Bereich der Magnonik, ein wissenschaftliches Feld aus der Physik, das sich mit bestimmten, magnetischen Phänomenen befasst, ergibt sich eine neue Art der Informationsübertragung: Statt des Elektronenaustauschs könnten die in magnetischen Medien erzeugten Wellen zur Übertragung genutzt werden, allerdings ist magnonbasierte Datenverarbeitung bis dato (zu) langsam. Wissenschafter*innen der Universität Wien haben nun eine bedeutende neue Methode entdeckt: Wenn man die Intensität erhöht, werden diese sogenannten Spinwellen kürzer und schneller – ein weiterer Schritt in Richtung Magnon-Computer. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Zeitschrift Science Advances veröffentlicht.

Die Magnonik ist ein relativ neues Forschungsfeld im Bereich des Magnetismus. Eine zentrale Rolle dabei spielen Spinwellen: Eine lokale Störung in der magnetischen Ordnung eines Magneten kann sich wellenförmig über ein Material ausbreiten. Diese Wellen werden als Spinwellen und die zugehörigen Quasi-Teilchen als Magnonen bezeichnet. Sie tragen Informationen in Form von Spindrehimpulsen weiter. Aufgrund dieser Eigenschaft können sie als stromsparende Datenträger in kleineren und energieeffizienten Computern der Zukunft eingesetzt werden. Die Haupt-Herausforderung in der Magnonik ist die Wellenlänge. Je größer sie ist, desto langsamer sind magnonbasierte Datenverarbeitungseinheiten. Bislang konnte die Wellenlänge nur mit sehr komplexen Hybridstrukturen oder einem Synchrotron verkürzt werden.

Die Forschungsgruppe „Nanomagnetismus und Magnononik“ der Universität Wien hat gemeinsam mit Kolleg*innen aus Deutschland, Tschechien, der Ukraine und China eine einfachere Alternative entwickelt. Erstautor Qi Wang machte nach monatelanger Arbeit im Labor für Brillouin-Lichtstreuungsspektroskopie an der Fakultät für Physik der Universität Wien die entscheidende Beobachtung: Wenn man die Intensität erhöht, werden die Spinwellen kürzer und schneller – eine bahnbrechende Methode für magnonisches Rechnen.

Der Co-Autor der Studie und Leiter des Wiener NanoMag-Teams, Andrii Chumak, erklärt die Entdeckung mit einer Metapher: „Es ist hilfreich, sich die Methode mit Licht vorzustellen. Wenn man die Wellenlänge des Lichts ändert, ändert sich seine Farbe. Ändert man jedoch die Intensität, ändert sich nur die Leuchtkraft. In diesem Fall haben wir einen Weg gefunden, die Farbe zu ändern, indem wir die Intensität der Spinwellen ändern. Dieses Phänomen ermöglichte es uns, viel kürzere und viel bessere Spinwellen anzuregen“, so Chumak.

Die derzeitige Wellenlänge, die mit diesem System gefunden wurde, liegt bei etwa 200 Nanometern. Laut numerischen Simulationen wäre es möglich, sogar noch kleinere Wellenlängen anzuregen, zum jetzigen Zeitpunkt ist es jedoch sehr schwierig, diese Größenordnungen anzuregen oder zu messen.

Die Amplituden der Spinwellen sind auch für künftige magnetische integrierte Schaltungen von entscheidender Bedeutung. Das entdeckte System weist eine selbsthemmende nichtlineare Verschiebung auf, was bedeutet, dass die Amplitude der angeregten Spinwellen konstant ist. Diese Eigenschaft ist für integrierte Schaltungen sehr relevant, da sie es ermöglicht, dass verschiedene magnetische Elemente mit der gleichen Amplitude zusammenarbeiten. Dies wiederum ist von grundlegender Bedeutung für den Aufbau komplexerer Systeme und für die Verwirklichung des weit entfernten Ziels eines auf Magnonen basierenden Computers. Das Endziel, ein voll funktionsfähiger Magnon-Computer, ist noch nicht erreicht. Trotzdem bringt dieser solide Meilenstein die Forscher*innen ihrem Ziel ein gutes Stück näher.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Univ.-Prof. Dr. habil. Andrii Chumak
Nanomagnetismus und Magnonik, Universität Wien
Boltzmanngasse 5, 1090 Wien
T +43-1-4277-73910
andrii.chumak@univie.ac.at
www.univie.ac.at

Originalpublikation:

Publikation in Science Advances:
Deeply nonlinear excitation of self-normalized short spin waves
Qi Wang, Roman Verba, Björn Heinz, Michael Schneider, Ondřej Wojewoda, Kristýna Davídková, Khrystyna Levchenko, Carsten Dubs, Norbert J. Mauser, Michal Urbánek, Philipp Pirro, Andrii V. Chumak
DOI: 10.1126/sciadv.adg4609
https://doi.org/10.1126/sciadv.adg4609

Weitere Informationen:

https://medienportal.univie.ac.at/media/aktuelle-pressemeldungen/detailansicht/a…

Media Contact

Theresa Bittermann Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie

Von grundlegenden Gesetzen der Natur, ihre elementaren Bausteine und deren Wechselwirkungen, den Eigenschaften und dem Verhalten von Materie über Felder in Raum und Zeit bis hin zur Struktur von Raum und Zeit selbst.

Der innovations report bietet Ihnen hierzu interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Astrophysik, Lasertechnologie, Kernphysik, Quantenphysik, Nanotechnologie, Teilchenphysik, Festkörperphysik, Mars, Venus, und Hubble.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Evolutionäre Ursprünge des Appetits

Kieler Forschungsteam zeigt am Beispiel des Süßwasserpolypen Hydra, wie schon Lebewesen mit sehr einfachen Nervensystemen die komplexe Koordination des Sättigungsgefühls und damit zusammenhängende Verhaltensweisen regulieren. Im Laufe der Evolution haben…

Österreichischer Minisatellit OPS-SAT verglüht nach erfolgreicher Mission

Viereinhalb Jahre lang fungierte der an der TU Graz gebaute Nanosatellit als fliegendes Labor im All, um missionskritische Software, Betriebskonzepte und neue Technologien zu erproben. Am 18. Dezember 2019 war…

Ein Pilz verwandelt Zellulose direkt in neuartige Plattformchemikalie

Ein neues Verfahren zur Massenproduktion von erythro- Isozitronensäure aus Abfällen könnte die Substanz zukünftig für die Industrie interessant machen. Der Pilz Talaromyces verruculosus kann die vom Markt bisher wenig beachtete…

Partner & Förderer