Treibhausgase in Europa – Stuttgarter Wissenschaftler leisten Beitrag zur Bilanzierung

In einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift NatureGeoscience haben Wissenschaftler der Universität Stuttgart gemeinsam mit weiteren Forschern aus ganz Europa eine Bilanz der Treibhausgase für Europa erstellt.

Die Bilanzierung zeigt, dass die Wälder zurzeit den größten Beitrag zur Senkung der Treibhausgase leisten, jedoch durch die jetzige Praxis des Managements von Wald-und Landwirtschaftsflächen deren Rolle als Treibhausgassenker abnimmt.

Ziel der Klimaverhandlungen in Kopenhagen ist eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen. Dabei wird neben der Einschränkung der Emissionen auch die Anrechnung von Ökosystemen als Treibhausgassenkern diskutiert. Bisher wird angenommen, dass Ökosysteme, insbesondere Wälder und Wiesen, etwa zehn Prozent der europäischen Treibhausgasemissionen aus der Verbrennung von fossilen Energieträgern aufnehmen. Neben Kohlendioxid haben auch Methan und Lachgas, deren Emissionen insbesondere von der Landwirtschaft verursacht werden, einen erheblichen Anteil an dem vom Menschen verursachten Treibhauseffekt.

In einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift NatureGeoscience*) haben Stuttgarter Wissenschaftler gemeinsam mit weiteren Forschern aus ganz Europa auf Grundlage der Ergebnisse des EU-Projektes CARBOEUROPE IP eine Bilanz der Treibhausgase für Europa erstellt. Dabei wurden die Ströme von Kohlendioxid, Methan und Lachgas zwischen 2000 und 2005 bilanziert.

Die Wissenschaftler des Instituts für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung der Uni Stuttgart berechneten dazu die stündlichen anthropogenen Emissionen von Kohlendioxid, Lachgas und Methan in einer räumlichen Auflösung von zehn mal zehn Kilometer für ganz Europa. Aufgrund dieser Ergebnisse in Verbindung mit entsprechenden Transportmodellen ergab sich die Konzentration der Gase in der Atmosphäre. Dies war eine wichtige Grundlage zur anschließenden Bilanzierung dieser Treibhausgase.

Für diese Bilanzierung wurden zudem atmosphärische Messungen durchgeführt, die mit den modellierten Treibhausgaskonzentrationen verglichen wurden. Die Differenz zwischen Messungen und Modellierung wurde den bisher nicht genau bekannten natürlichen Flüssen von Treibhausemissionen zugeordnet. Das so erzielte Ergebnis wurde mit Hilfe von Flussmessungen überprüft, die die CO2-Flüsse in Ökosystemen in ganz Europa messen.

Beitrag der Wälder zur Klimabilanz sinkt
Die Bilanzierung zeigt, dass die Wälder in Europa zurzeit den größten Beitrag zur Senkung der Treibhausgase leisten: Dazu tragen die umfangreichen Waldgebiete insbesondere in Nord- und Osteuropa und das starke Holzwachstum bei. Dies liegt daran, dass jedes Jahr mehr Holz nachwächst als geerntet wird. Die Wissenschaftler nehmen jedoch an, dass diese Funktion der Wälder als Treibhausgassenken verlorengehen wird, wenn zunehmend Holz als biogener Brennstoff beispielsweise in Kleinfeuerungsanlagen verwendet wird.
Ökosystemflächen als Treibhausgasemitter?
Ein wesentliches Resultat dieser Bilanzierung ist auch, dass durch die jetzige Praxis des Managements von Wald- und Landwirtschaftsflächen deren Rolle als Treibhausgassenke abnimmt. Der Trend zu intensiverer landwirtschaftlicher Produktion sowie steigender Herstellung von Festbrennstoffen lässt die Wissenschaftler zu dem Schluss kommen, dass in absehbarer Zeit damit zu rechnen ist, dass die Ökosystemflächen (Wälder, Wiesen und Landwirtschaftsflächen) in Europa statt zu einer Senke sogar zu einer beträchtlichen Quelle von Treibhausgasemissionen werden könnten.

*) E.D. Schulze et al., Importance of methane and nitrous oxide for Europe`s terrestrial greenhouse-gas balance, Nature Geoscience, Vol 2, December 2009 www.nature.com/naturegeoscience

Weitere Informationen:
Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung, Abteilung Technikfolgenabschätzung und Umwelt der Universität Stuttgart,
Dr.-Ing. Jochen Theloke, Tel. 0711/685-87856, e-mail: jochen.theloke@ier.uni-stuttgart.de,
Dipl.-Ing. Balendra Thiruchittampalam, Tel. 0711/685-879-20,
e-mail: balendra.thiruchittampalam@ier.uni-stuttgart.de

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Ursula Zitzler idw

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