Auch Primaten vom Aussterben bedroht

Eine weltweite Studie über die Primaten-Bestände zeichnet ein deprimierendes Bild: Nach Angaben der Internationalen Naturschutzorganisation IUCN sind weltweit 48 Prozent der nächsten Artverwandten des Menschen vom Aussterben bedroht. Mehr als 70 Prozent der Primaten Asiens sind als gefährdet gelistet.

Die Ergebnisse, die offiziell erst im Oktober in Barcelona präsentiert werden, basieren auf der bisher detailreichsten Studie der globalen Säugetierbestände. Beim 22. Kongress der Internationalen Primatological Society in Edinburgh wurde der Bericht über die Primaten den Experten vorgestellt.

Insgesamt wurden die Bestände von 634 verschiedenen Primaten-Spezies untersucht. Am meisten zu schaffen macht den Affen und Halb-Affen der Verlust ihres Lebensraumes. Hier ist es vor allem das Verschwinden der tropischen Wälder, der dadurch bedingte Ansteig von CO2 und darüber hinaus die Jagd der Tiere als Nahrung für den Menschen sowie der illegale Handel mit Wildtieren. „Wir haben schon vor einiger Zeit auf den rapiden Rückgang der Primaten hingewiesen.

Allerdings wird mit dieser Studie erst evident, wie dramatisch diese Situation eigentlich ist“, so Russell Mittermeier, IUCN-Vorsitzender der Primaten-Experten Gruppe. Die Rodung der Regenwälder sei immer der Hauptgrund des Rückgangs gewesen. „Nun zeigt sich allerdings in manchen Gebieten, in denen der Lebensraum praktisch unangetastet ist, dass die Jagd als Bedrohungsursache deutlich zugenommen hat.“ In vielen Gebieten würden die Tiere quasi bis zur Ausrottung verspeist.

Von den insgesamt 634 Arten wurden elf Prozent als kritisch gefährdet, 22 Prozent gefährdet und 15 Prozent als potenziell gefährdet eingestuft. Am schlimmsten ist die Situation in Südostasien. Dort könnte ein Großteil der Affen bald ganz der Vergangenheit angehören. „Das Problem der Primaten ist einerseits, dass sie alt werden und dementsprechend lange Reproduktionszeiten haben, andererseits sind sie als Tagjäger und geräuschvolle Tiere leichte Beute für Jäger“, so Jean-Christopher Vie, Stellvertretender Chef des IUCN-Species Programme. Die meisten der Tiere wiegen zwischen fünf und zehn Kilogramm – und sind damit eine gute Beute.

In Afrika sind elf der insgesamt 13 Arten von Roten Colobus-Affen stark gefährdet. Experten gehen sogar davon aus, dass zwei der Arten inzwischen sogar schon ausgestorben sein könnten, da sie seit den später 70er Jahren nicht mehr gesichtet wurden. Als kritisch gefährdet wurden auch die Berggorillas eingestuft.

Zehn der großen Menschenaffen sind im Juli 2007 im Virunga Nationalpark in der DR Kongo im Zuge des Bürgerkriegs getötet worden. „Ein Verlust von zehn Tieren hat verheerende Auswirkungen auf die gesamte Population“, so der Experte. Auf einen Erfolg kann die Studie allerdings verweisen: Nach jahrzehntelanger Bemühungen wurden die Bestände zweier brasilianischer Manteläffchen so genannte Tamarins, in Zoos nachgezüchtet und anschließend freigelassen. Das habe dazu geführt, dass sich der Bestand leicht erholt habe.

Media Contact

Wolfgang Weitlaner pressetext.austria

Weitere Informationen:

http://www.iucn.org

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