Nachhaltigkeit für marine Räume

Küsten und Meere müssen sich von der menschlichen Nutzung erholen. Fotos: Hereon/ S. Billerbeck und I. Frings sowie Ludwig-Franzius-Institut/ J. Teide Bildmontage: Hereon/ S. Hartmann

Die Forschungsmission „Schutz und nachhaltige Nutzung mariner Räume“ der Deutschen Allianz Meeresforschung (DAM) untersucht Auswirkungen von Nutzung und Wirkung von Schutzkonzepten für Meer und Küste. Zwei Pilotvorhaben und fünf Verbundprojekte untersuchen die ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen der Belastung an Nord- und Ostsee. Das Ziel: Handlungsoptionen für Nutzer und Entscheider identifizieren. Das Helmholtz-Zentrum Hereon hat die Federführung beim Verbundprojekt CoastalFutures, das vom 24. bis 26. Januar zum virtuellen Kick-off-Meeting zusammenkommt.

Meere und Küsten liefern Nahrung, Energie und Rohstoffe. Sie sind Urlaubsziele und Transportwege und dabei aber auch wichtige und einzigartige Naturräume. „Schutz und nachhaltige Nutzung mariner Räume“ heißt die zweite Forschungsmission der DAM, die im Dezember 2021 gestartet ist um Handlungswissen für eine am Gemeinwohl orientierte, den Wohlstand sichernde und umweltschonende Nutzung von Meeres- und Küstengebieten zu schaffen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die langfristig angelegte Mission mit rund 25 Millionen Euro über einen ersten Zeitraum von drei Jahren.

Handlungswissen bereitstellen

Klimawandel und die menschengemachte Verschmutzung und Übernutzung der Ökosysteme schaffen zunehmend Probleme für Meere und Küsten. Die Mission will Nutzung und Belastung mariner Räume so analysieren und einordnen, dass eine wissenschaftlich fundierte Basis geschaffen wird für Entscheidungen von Politik, Behörden und Wirtschaft. Dabei wird ein breit angelegter transdisziplinärer Forschungsansatz gewählt, um damit eben diese Akteure und die breite Öffentlichkeit anzusprechen.

CoastalFutures

Das Projekt CoastalFutures – „Zukunftsszenarien zur Förderung einer nachhaltigen Nutzung mariner Räume“ ist eines von sieben Projekten der Mission. Es wird vom Hereon koordiniert und vom BMBF mit 5.5 Millionen Euro gefördert. Mit seinem Blick in die Zukunft ist es ein wichtiger Baustein der Mission. „Die Nutzung der Meere und Küsten wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten enorm intensivieren, auch durch Maßnahmen zur Anpassung und Vermeidung von Klimaänderung. Die Folgen dieser gesellschaftlich gewollten Entwicklung abzuschätzen und wirkungsvolle Schutzkonzepte für diese veränderten Bedingungen zu schaffen ist unser Ziel.“, sagt Professor Corinna Schrum, Leiterin des Instituts für Küstensysteme – Analyse und Modellierung am Helmholtz-Zentrum Hereon und Sprecherin der Mission.

Innovatives Instrument zur Unterstützung bei Entscheidungen

Ein zentrales Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines skalenübergreifenden Modellsystems für Nord- und Ostsee und ihrer Küstengebieten. Damit wird eine virtuelle-Umgebung geschaffen, in der Auswirkungen von Klima und menschlicher Nutzung auf Ökosysteme untersucht und nachhaltige Schutzkonzepte getestet werden können. Zusammen mit Partnern aus dem maritimen Management, Interessenvertretern der Industrie und Nichtregierungsorganisationen werden Zukunftsszenarien entworfen und simuliert. Die Entwicklung von Szenarien erfordert dabei ein vertieftes Verständnis der gesellschaftlichen, politischen und institutionellen Zusammenhänge und eine regionale Kontextualisierung. Dazu gehört die individuelle Wahrnehmung von Problemen, Überzeugungen und Einstellungen von Interessengruppen sowie die Berücksichtigung von Konflikten und Kompromissmöglichkeiten. Zusammen mit Entscheidern werden in einem Ansatz der Teilhabe effektive Möglichkeiten zum Schutz und zum Management entwickelt und bewertet.

Transdisziplinär werden Ursache-Wirkungs-Ketten und grundlegende Wissensbedarfe festgestellt. Mit verschiedenen Interessenvertretern werden sektorale und sektorübergreifende Szenarien entwickelt und simuliert. Anschließend wird mit den beteiligten Akteuren ein Dialog über die Bewertung der Ergebnisse der Szenarienmodellierung, auftretende Risiken sowie neue institutionelle und regulatorische Anforderungen angestoßen.

CoastalFutures konzentriert sich dabei auf vier Managementsektoren: (1) Offshore-Energieerzeugung, (2) Fischerei, (3) Küstenschutz und Sandmanagement sowie (4) Nährstoff- und Schadstoffeinträge. Neben den Modellierungen auf Basis von Szenarien des Klimawandels, Wetterdaten und etwa auch Daten zu Nahrungsnetzen in den Meeren und am Meeresboden, wird Feldforschung betrieben um kritische Wissenslücken zu schließen. Im Projekt werden neben naturwissenschaftlichen auch soziale und politische Aspekte bearbeitet. Sozialwissenschaftler des Instituts befragen zum Beispiel Fischer zu deren Nutzungsverhalten und Bedürfnissen.

Transdisziplinäres Team und Nachwuchsförderung

„Wir werden durch einen transdisziplinären Forschungsansatz wirkungsvolle Managementoptionen identifizieren“, sagt Corinna Schrum. Rund 15 Forschende des Hereons sind in das Projekt eingebunden, weitere 50 bei den Projektpartnern. Diese bringen eine breite wissenschaftliche Expertise ein. Sie umfasst die Bereiche regionale Erdsystemmodellierung und Klimaszenarien, Biogeochemie und Nahrungsnetze, Meeres- und Küsteningenieurwesen, Hydro- und Morphodynamik, sozialwissenschaftliche, ökonomische und administrativ-rechtliche Expertise und Erfahrung in der Interaktion mit Interessenvertretern und Politikberatung. Ein wichtiger Aspekt des Projektes ist dabei auch die Nachwuchsförderung: CoastalFutures wird zahlreiche Post-Doktoranden und Postdoktorandinnen, Promovierende und Studierende im Rahmen von Abschlussarbeiten beschäftigen. Durch die transdisziplinäre Ausrichtung des Vorhabens werden die Nachwuchswissenschaftler in komplementären Denk- und Arbeitsweisen ausgebildet.

Insgesamt sind zehn Projektpartner und fünf Assoziierte Partner an CoastalFutures beteiligt. Neben dem Hereon sind dies das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, die Universität Kiel, die Technische Universität Braunschweig, die Universität Hamburg, das Thünen-Institut, die Leibniz Universität Hannover, die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover, das Alfred-Wegener-Institut – Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung und die Technische Universität Hamburg. Assoziierte Partner sind das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie, der Deutsche Wetterdienst, die Bundesanstalt für Wasserbau, das Bundesamt für Naturschutz und die SWIMWAY Wattenmeer-Gruppe.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Nikoleta Bellou I Helmholtz-Zentrum Hereon I Institut für Küstensysteme – Analyse und Modellierung I T: +49 (0) 4152 87-2352 I nikoleta.bellou@hereon.de I www.hereon.de

Weitere Informationen:

https://www.allianz-meeresforschung.de/news/meere-besser-schuetzen-und-nachhalti…

Media Contact

Dr. Torsten Fischer Kommunikation und Medien
Helmholtz-Zentrum Hereon

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz

Dieser Themenkomplex befasst sich primär mit den Wechselbeziehungen zwischen Organismen und den auf sie wirkenden Umweltfaktoren, aber auch im weiteren Sinn zwischen einzelnen unbelebten Umweltfaktoren.

Der innovations report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Klimaschutz, Landschaftsschutzgebiete, Ökosysteme, Naturparks sowie zu Untersuchungen der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreiben Sie einen Kommentar

Neueste Beiträge

Flexible Elektronik ohne Sintern

Leitfähige Metall-Polymer-Tinten für den Inkjet-Druck. Auf der diesjährigen Hannover Messe präsentiert das INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien Hybridtinten für den Inkjetdruck. Sie bestehen aus Metallnanopartikeln, die mit leitfähigen Polymeren…

Grüner Wasserstoff nach dem Vorbild der Natur

Transregio-Sonderforschungsbereich verlängert … Das Sonnenlicht als Quelle für die klimafreundliche Energieversorgung nutzen: Lange vor großen Initiativen wie dem europäischen „Green Deal“ oder der „nationalen Wasserstoffstrategie“ hat der Transregio-Sonderforschungsbereich (SFB) CataLight…

Molekulare heterogene Katalyse in definierten dirigierenden Geometrien

Katalyse-Sonderforschungsbereich geht in die zweite Runde. Der Sonderforschungsbereich „Molekulare heterogene Katalyse in definierten dirigierenden Geometrien“ (SFB 1333) an der Universität Stuttgart erhält eine zweite Förderperiode und damit Fördermittel in Höhe…

Partner & Förderer