Erster globaler Atlas der Biodiversität in Binnengewässern online

BioFresh Altlas<br>Bild: IGB <br>

Unter Federführung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) wurde in enger Zusammenarbeit von zwölf internationalen Forschungsinstitutionen und zahlreichen NGOs eine wissenschaftliche Informationsplattform geschaffen, um den Schutz und das Management von Binnengewässern nachhaltig zu unterstützen.

Der Atlas ist frei verfügbar und wird der Öffentlichkeit im Rahmen des „Water Lives Symposiums“ in Brüssel präsentiert, wo Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger gemeinsam über den Erhalt der Biodiversität in Süßgewässern diskutieren.

Binnengewässer zählen zu den artenreichsten Lebensräumen weltweit. Obwohl sie weniger als ein Prozent der Erdoberfläche bedecken, beherbergen sie 35 Prozent aller Wirbeltierarten. Zugleich nimmt die biologische Vielfalt in Flüssen, Seen und Feuchtgebieten viel stärker ab als im Meer oder an Land. Der Politik kommt deshalb die wichtige Aufgabe zu, den Erhalt der Binnengewässer als Ökosysteme mit dem steigenden Wasserbedarf der Energie-, Lebensmittel- und Entsorgungsindustrie zu vereinbaren.

Mit dem globalen Atlas zur biologischen Vielfalt stehen nun verlässliche und empirisch belegte Entscheidungshilfen zur Verfügung. Interessenten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft erhalten erstmals einen freien, online verfügbaren und interaktiven Zugang zu geografischen Schlüsselinformationen sowie zu Daten über Lebensräume und die aquatische Artenvielfalt.

Der Online-Atlas verfügt über eine buchähnliche Struktur, welche die Suche in den vier Kapiteln „Status und Prognose der aquatischen Biodiversität“, „Wasserressourcen und Ökosysteme“, „Belastungen von Binnengewässern“ und „Erhalt und Management der Gewässer“ erleichtert. Alle Karten werden durch profunde Hintergrundinformationen ergänzt. Die interaktive Kartenoberfläche ist sehr benutzerfreundlich gestaltet und ermöglicht einen schnellen Wechsel zwischen Karten, Navigation, Zoom und weiterführenden Informationen. Anders als ein gedruckter Atlas kann der Online-Atlas jederzeit erweitert und aktualisiert werden, sobald neue Daten oder Karten verfügbar sind.

Der Atlas wird im Rahmen des Projektes BioFresh erarbeitet, das vom Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) koordiniert wird. In diesem von der Europäischen Union finanzierten Projekt werden alle verfügbaren Daten über das Leben in unseren Flüssen und Seen gesammelt, um nachhaltige Lösungsansätze für den Schutz und das Management von Binnengewässern entwickeln zu können.

Die beteiligten Wissenschaftler stammen aus zwölf europäischen Forschungsinstituten und werden bei der Entwicklung des Atlas aktiv von internationalen Organisationen unterstützt. Hierzu zählen das GEO Biodiversity Observation Network, die Welt-Naturschutzunion (IUCN), das Global Water System Project (GWSP), Conservation International (CI), Wetlands International, The Nature Conservancy (TNC) und der World Wildlife Fund (WWF).

„Dieser Atlas stellt eine unschätzbar wichtige Grundlage dar, um Prioritäten im Management der Gewässer und zum Schutz ihrer einzigartigen Biodiversität zu setzen. So erfordert der globale Boom im Ausbau der Wasserkraft dringend zuverlässige Daten, um ökologisch und sozial verträgliche Lösungen für die Nutzung von Gewässern zu entwickeln“, sagt Prof. Klement Tockner, Direktor des IGB und Koordinator des Forschungsprojektes BioFresh.

Weitere Stimmen:

Vanessa Bremerich, Entwicklerin des Atlas am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Berlin

„Der Atlas ist ein wichtiges Visualisierungsinstrument, was den Zugang zu Informationen erleichtert und die Verfügbarkeit von wissenschaftlichen Ergebnissen auf dem Feld der aquatischen Biodiversität erhöht.“

Dr. Will Darwall, Vorsitzender der Gruppe für aquatische Biodiversität der Welt-Naturschutzunion (IUCN), Cambridge

„Der Atlas ist für NGOs, politische Entscheidungsträger und Naturschützer von unschätzbarem Wert. Er hilft dabei, Kernzonen aquatischer Biodiversität zu identifizieren, Schutzzonen zu entwickeln, die negative Effekte von Landnutzungen wie Dämmen zu minimieren und damit letztendlich auch Naturschutzziele zu erreichen.“

Zum IGB:
Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) ist das bundesweit größte Forschungszentrum für Binnengewässer. Es gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. www.igb-berlin.de
Kontakt:
Vanessa Bremerich und Prof. Dr. Klement Tockner
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Berlin
Tel.: 49-30-64181631
E-Mail: bremerich@igb-berlin.de; tockner@igb-berlin.de
Dr. Astrid Schmidt-Kloiber
Universität für Bodenkultur, Wien
Tel.: +43-1-47654-5225
E-Mail: astrid.schmidt-kloiber@boku.ac.at
Weitere Informationen:
http://www.freshwaterbiodiversity.eu
http://atlas.freshwaterbiodiversity.eu/index.php/explore
http://atlas.freshwaterbiodiversity.eu/index.php/maps
http://atlas.freshwaterbiodiversity.eu/index.php/contribute
http://www.freshwaterbiodiversity.eu
http://atlas.freshwaterbiodiversity.eu
http://www.waterlives.eu/

Ansprechpartner für Medien

Gesine Wiemer Forschungsverbund Berlin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Ökologie Umwelt- Naturschutz

Dieser Themenkomplex befasst sich primär mit den Wechselbeziehungen zwischen Organismen und den auf sie wirkenden Umweltfaktoren, aber auch im weiteren Sinn zwischen einzelnen unbelebten Umweltfaktoren.

Der innovations report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Klimaschutz, Landschaftsschutzgebiete, Ökosysteme, Naturparks sowie zu Untersuchungen der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes.

Zurück zur Startseite

Kommentare (0)

Schreib Kommentar

Neueste Beiträge

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Neues Computermodell verbessert Therapie

Mithilfe mathematischer Bildverarbeitung haben Wissenschafter der Forschungskooperation BioTechMed-Graz einen Weg gefunden, digitale Zwillinge von menschlichen Herzen zu erstellen. Die Methode eröffnet völlig neue Möglichkeiten in der klinischen Diagnostik. Obwohl die…

Teamarbeit im Molekül

Chemiker der Universität Jena erschließen Synergieeffekt von Gallium. Sie haben eine Verbindung hergestellt, die durch zwei Gallium-Atome in der Lage ist, die Bindung zwischen Fluor und Kohlenstoff zu spalten. Gemeinsam…

Älteste Karbonate im Sonnensystem

Die Altersdatierung des Flensburg-Meteoriten erfolgte mithilfe der Heidelberger Ionensonde. Ein 2019 in Norddeutschland niedergegangener Meteorit enthält Karbonate, die zu den ältesten im Sonnensystem überhaupt zählen und zugleich einen Nachweis der…

Partner & Förderer

Indem Sie die Website weiterhin nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. mehr Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind so eingestellt, dass sie "Cookies zulassen", um Ihnen das bestmögliche Surferlebnis zu bieten. Wenn Sie diese Website weiterhin nutzen, ohne Ihre Cookie-Einstellungen zu ändern, oder wenn Sie unten auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

schließen