Empfehlungen zur Bewertung eingeschleppter Arten

Das aus dem Himalaya stammende Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera) gehört mittlerweile zu den häufigsten eingeschleppten Arten in Auengebieten. Tritt es in dichten Beständen auf, so verdrängt es heimische Arten. Foto: Stefan Klotz/ UFZ

Diese Fragen wurden von einer internationalen Forschungsgruppe beantwortet – mit Beteiligung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Die Ergebnisse sind jetzt aktuell im renommierten Fachjournal BioScience erschienen.

Die Website zur Pressemitteilung (inkl. Foto) finden Sie unter: http://www.ufz.de/index.php?de=33434

In den letzten Jahrzehnten wurden eine große Anzahl von Tier- und Pflanzenarten durch den Menschen verschleppt – mehr als 13.000 solcher gebietsfremder Arten sind in Europa bekannt. Die Auswirkungen dieser invasiven Arten auf die Biodiversität und auf den Menschen sind vielfältig. Manche Arten verändern naturnahe Lebensräume massiv – wie die Robinie, eine aus Nordamerika stammende Baumart, die Magerwiesen zuwachsen lässt und mit Nährstoffen anreichert.

Andere sind allergieauslösend – wie etwa das bekannte Ragweed, eine aus Nordamerika stammende Pflanze mit hoch allergenen Pollen, die sich in tiefen Lagen Österreichs derzeit rasch ausbreitet. Um effektive Regelungen zur Kontrolle invasiver Arten entwerfen zu können, ist es wichtig, die Größe dieser Auswirkungen quantifizieren zu können. So lässt sich klären, welche Arten heute oder in Zukunft zu den schädlichsten gehören und welche keine großen Auswirkungen haben. Dieses Wissen ist wiederum nötig, um zielgerichtete Maßnahmen ergreifen zu können.

Von der Kunst, das Wichtige richtig zu studieren

Ein Team ausgewiesener ExpertInnen aus vier verschiedenen Kontinenten, darunter Prof. Ingolf Kühn vom UFZ aus Halle (Saale), hat eine Checkliste für das Studium der Auswirkungen von eingeschleppten Tieren und Pflanzen erarbeitet. Dazu gehören beispielsweise qualitative Veränderungen an Ökosystemleistungen, Auswirkungen auf die genetische Vielfalt oder die Historie der invasiven Art.

„So vielfältig die Arten und Lebensräume, so schwer war es bisher die Studien darüber zu vergleichen. Mit der jetzt vorgestellten Arbeit gibt es endlich einen konzeptionellen Standard. Das hilft, künftige Untersuchungen besser planen zu können. Außerdem lassen sich so die Ergebnisse besser vergleichen und kommunizieren „, erklärt Ingolf Kühn. Und sein österreichischer Forscherkollege Dr. Franz Essl von der Universität Wien ergänzt: „Diese Empfehlungen haben eine hohe Bedeutung für die Praxis, denn es ist wichtig, die knapp vorhandenen Mittel zielgerichtet einzusetzen – also gegen jene Arten, die die größten Schäden verursachen.“

Empfehlungen zum richtigen Zeitpunkt

Die Empfehlungen basieren auf jahrelanger Erfahrung der ForscherInnen und sie behandeln gezielt jene Themen, bei denen die Wissenslücken am größten sind (etwa die Frage, wie sich Erkenntnisse aus kleinflächigen Experimenten verallgemeinern lassen). Die Vorschläge kommen zeitlich gerade richtig, denn am 1. Januar 2015 tritt die neue EU-Verordnung zu gebietsfremden Arten in Kraft. Von diesem Zeitpunkt an, müssen EU-Mitgliedstaaten Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung problematischer, gebietsfremder Arten ergreifen.

Publikation:
Sabrina Kumschick, Mirijam Gaertner, Montserrat Vilà, Franz Essl, Jonathan M. Jeschke, Petr Pyšek, Anthony Ricciardi, Sven Bacher, Tim M. Blackburn, Jamie T.A. Dick, Thomas Evans, Philip E. Hulme, Ingolf Kühn, Agata Mrugała, Jan Pergl, Wolfgang Rabitsch, David M. Richardson, Agnieszka Sendek, and Marten Winter (2014): Ecological Impacts of Alien Species: Quantification, Scope, Caveats, and Recommendations – A Unified Classification of Alien Species Based on the Magnitude of their Environmental Impacts. BioScience. doi:10.1093/biosci/biu193
http://bioscience.oxfordjournals.org/content/early/2014/12/12/biosci.biu193.short

Der Artikel entstand aus einem Workshop der Global Soil Biodiversity Initiative und des Synthesezentrums des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig. iDiv wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und widmet sich der biologischen Vielfalt auf der Erde. iDiv ist eine zentrale Einrichtung der Universität Leipzig und wird zusammen mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Friedrich-Schiller-Universität Jena betrieben – sowie in Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ und weiteren außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Ingolf Kühn
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: +49-345-558-5311
http://www.ufz.de/index.php?de=821
sowie
Dr. Franz Essl
Universität Wien / Department für Botanik und Biodiversitätsforschung
M +43-676-609 16 38
http://cvl.univie.ac.at/mnb/Staff/staff_detail.cfm?Nachname=Essl
oder über
Tilo Arnhold, Susanne Hufe (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635, -1630
http://www.ufz.de/index.php?de=640
sowie
Mag. Veronika Schallhart
Pressebüro der Universität Wien
T +43-1-4277-175 30 & M +43-664-602 77-175 30
http://medienportal.univie.ac.at/presse/aktuelle-pressemeldungen/

Weiterführende Links:
UFZ-Thema des Monats „Biodiversität und Verkehr“: http://www.ufz.de/index.php?de=19324

Globalisierung belastet kommende Generationen mit biologischen Invasionen (Pressemitteilung vom 20. Dezember 2010)
http://www.ufz.de/index.php?de=20893
Reichtum ist ein größeres Risiko als der Klimawandel (Pressemitteilung vom 16. Juni 2010)
http://www.ufz.de/index.php?de=19723
Europas Pflanzenwelt verarmt (Pressemitteilung vom 8. Dezember 2009)
http://www.ufz.de/index.php?de=19137
Ökologen bringen Preisschilder bei invasiven Arten an (Pressemitteilung vom 22. April 2009)
http://www.ufz.de/index.php?de=18001
Anzahl fremder Pflanzen in Europa deutlich gestiegen (Pressemitteilung vom 16. September 2008)
http://www.ufz.de/index.php?de=17176

UFZ-Video „Invasion der Minke“
http://www.youtube.com/watch?v=HyfWvy3QtwM 

Die Universität Wien ist eine der ältesten und größten Universitäten Europas: An 19 Fakultäten und Zentren arbeiten rund 9.700 MitarbeiterInnen, davon 6.900 WissenschafterInnen. Die Universität Wien ist damit die größte Forschungsinstitution Österreichs sowie die größte Bildungsstätte: An der Universität Wien sind derzeit rund 92.000 nationale und internationale Studierende inskribiert. Mit über 180 Studien verfügt sie über das vielfältigste Studienangebot des Landes. http://www.univie.ac.at

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg mehr als 1.100 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert. http://www.ufz.de/

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 35.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894). http://www.helmholtz.de/

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