ForschungsReport 2/2002 der Internationalen Walfangkommission IWC

Abgetaucht: Wie es mit den Walbeständen weitergeht, hängt nicht zuletzt von den Entscheidungen der Internationalen Walfangkommission ab. (Foto: M. Welling)

Der neu erschienene ForschungsReport 2/2002 berichtet über die diesjährigen Sitzungen der Internationalen Walfangkommission IWC und über den Stand der Diskussion zwischen Walschützern und Walfangbefürwortern.

Über das Wohl und Wehe der Wale wird jährlich auf den Tagungen der Internationalen Walfangkommission (IWC) debattiert. 49 Mitgliedsstaaten gehören der Kommission derzeit an. Dr. Karl-Hermann Kock, Meeresbiologe an der Bundesforschungsanstalt für Fischerei, nahm als offizieller Delegierter Deutschlands an dem diesjährigen Meeting teil. Im jetzt erschienenen ForschungsReport 2/2002 schildert er den aktuellen Stand der Diskussion und beschreibt die IWC als Gruppierung, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg als Club von Walfängern etablierte und im Laufe der Zeit zu einem lebhaften Diskussionsforum über das Schützen oder Schießen von Walen entwickelte.

„Wale – Sanfte Riesen oder Ratten der Meere?“ lautet der provozierende Titel des Beitrags von Karl-Hermann Kock. Assoziieren die meisten Menschen in Westeuropa mit dem Wal das Bild von den sanften Riesen, die die Weltmeere durchkreuzen, so werden die Großsäuger in der Walfangnation Japan gerne als Ratten der Meere bezeichnet, die den Fischern den Broterwerb streitig machen. Dementsprechend unterschiedlich waren die Denkwelten, die auf der diesjährigen Tagung der IWC im japanischen Shimonoseki aufeinanderprallten. Walschützer und Walfangbefürworter stehen sich in der Kommission mit verhärteten Fronten gegenüber und ringen in harten Verhandlungen um Mehrheiten für ihre jeweilige Position.

Seit einiger Zeit hat Island, das zwischenzeitlich aus der Walfangkommission ausgetreten war, versucht wieder Mitglied zu werden – allerdings mit dem Vorbehalt, das geltende Moratorium (Verbot) des kommerziellen Walfangs nicht anzuerkennen. Wurde dieser Antrag auf der IWC-Jahrestagung in Shimonoseki noch abgelehnt, so ist jetzt auf einer nachfolgenden IWC-Sondersitzung im Oktober 2002 die Aufnahme Islands trotz Aufrechterhaltung seines Vorbehalts mit knapper Mehrheit beschlossen worden.

Das Walschutzgebiet „Indischer Ozean“ wurde für weitere 10 Jahre bestätigt. Dagegen konnte auf der Jahrestagung keine Einigung über eine Fangquote für die Eskimos in Alaska und das Volk der Chukten in Sibirien erzielt werden. Ebenfalls auf der Sondersitzung im Oktober wurde dann aber beschlossen, für diese traditionell vom Walfang lebenden Eingeborenengruppen eine Quote von 280 Grönlandwalen in dem Zeitraum 2003-2008 zu bewilligen. Nach Auffassung des Wissenschaftlichen Kommittees der IWC ist damit keine Gefährdung des Bestandes verbunden.

Deutschland, das erst relativ spät – 1982 – Mitglied der IWC geworden ist, bezieht klar Position für den Schutz der großen Meeressäuger. Bundesministerin Renate Künast, in deren Ressort auch die Fischerei fällt, setzt sich mit Nachdruck für ein Walfangverbot und einen dauerhaften Schutz der Bestände ein. „Wenn es um den Schutz der Walbestände geht, werden wir nicht locker lassen, und ich werde alles daran setzen, bis zur nächsten IWC-Tagung 2003 die Unterstützung weiterer Länder zu gewinnen und inhaltlich voran zu kommen“, so Künast. In erster Linie komme es darauf an, wirkungsvolle Kontroll- und Sanktionsmechanismen zu erarbeiten und zu installieren.

Die nächste, 55. Jahrestagung der IWC wird 2003 in Berlin stattfinden – Ausdruck des regen Interesses Deutschlands an der Walforschung. Nach Auffassung Karl-Hermann Kocks müssen dort endlich größere Fortschritte in der Entwicklung eines wissenschaftlich gestützten Management-Modells für die Bewirtschaftung der Walbestände gemacht werden, damit die IWC nicht zu einem zahnlosen Instrument verkommt, das nicht mehr viel für den Walschutz tun kann und in Bedeutungslosigkeit versinkt.

Media Contact

Dr. Michael Welling idw

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