Weniger Hochwasserschäden durch naturbelassene Auen

Lehrstuhl für Physikalische Geographie der Universität Saarbrücken entwickelt in Zusammenarbeit mit dem BUND Saar Auenschutzkonzept für das Saarland

Die Auswirkungen der Hochwasser der 90er Jahre sind noch in lebendiger Erinnerung und die Bedeutung von Überflutungsflächen wurde uns bei diesen teilweise katastrophalen Hochwassern drastisch vor Augen geführt.

Vor diesem Hintergrund wird am Lehrstuhl für Physikalische Geographie (Professor Dr. Ernst Wolfgang Löffler) in Kooperation mit dem BUND für Umwelt und Naturschutz (BUND), Landesverband Saarland e.V. eine Studie durchgeführt, die sich mit den Auen der saarländischen Gewässer im Hinblick auf ihre Ökologie, Struktur und Dynamik und vor allem ihrer Rolle als potentieller Retentionsraum befasst.

Die von der Saartoto-Gesellschaft finanzierte und durch das Ministerium für Umwelt durch Datenbereitstellung unterstützte Untersuchung soll im Sinne einer nachhaltigen Umweltvorsorge ein Konzept zum Schutz und zur Entwicklung der saarländischen Auenstandorte liefern. Vorhandene Umweltdaten werden auf ihre Eignung zur Klassifizierung der Auen geprüft. Dabei spielt die Interpretation aktueller digitaler Orthofotos (entzerrte Luftbilder) eine zentrale Rolle. Die Erfassung des augenblicklichen Zustandes der Auen durch Kombination relevanter Parameter erfolgt mit Hilfe eines geographischen Informationssystems. Neben der Art der Landnutzung und dem Bebauungsgrad spielen hierbei vor allem auch geomorphologische und hydraulische Faktoren eine Rolle. Nach deren Erscheinungsbild und Muster werden die Überflutungsräume in homogene Abschnitte unterteilt und hinsichtlich ihrer ökologischen Funktionsfähigkeit analysiert und bewertet. Neben den morphologischen Merkmalen des Überflutungsraumes spielt insbesondere der steuernde Einflussder Fließgewässer als integraler Bestandteil der Aue eine zentrale Rolle. Der am Lehrstuhl für Physikalische Geographie erstellte Gewässertypenatlas des Saarlandes liefert diesbezüglich wichtige Grundlagendaten.

Bisher wurden die beiden Einheiten Fließgewässer und Aue bzw. Überflutungsraum meist getrennt voneinander betrachtet. Fließgewässer und Auen stellen jedoch eine durch zahlreiche Rückkoppelungsmechanismen verbundene ökologisch dynamische Einheit dar. So reduzieren beispielsweise die meist durch anthropogenen Einfluss (Begradigung, Ausbau, Kanalisierung) übertieften kleinen Fließgewässer in der offenen Landschaft die Überflutungshäufigkeiten in diesen Gebieten deutlich. Gerade aber diese Gebiete sollten als Überflutungs- bzw. Retentionsraum zur Verfügung stehen, um Flutspitzen zu kappen und damit Überschwemmungen im besiedelten Bereich zu reduzieren. Zur Bewertung des Retentionsvermögens werden beispielhaft einzelne Strecken ausgewählt und unter Berücksichtigung hydrologischer Aspekte näher untersucht. Außerhalb besiedelter Bereiche sollen Hochwasser ausufern können. Eine möglichst naturnahe Aue ist daher wünschenswert.

Der Schwerpunkt der Studie liegt in der Bereitstellung einer Planungsgrundlage, die sowohl Aspekte des Natur- bzw. Artenschutzes als auch der Wasserwirtschaft berücksichtigt. Sie ermöglicht eine Bewertung des aktuellen Zustands der saarländischen Gewässer-Aue-Systeme und schlägt Maßnahmen zum Schutz und zur Entwicklung dieser sensiblen Standorte vor.

Weitere Fragen beantwortet Ihnen gerne

Dipl.-Geogr. Christoph Kinsinger,
Dipl.-Geogr. Ulrich Honecker

Universität des Saarlandes
Fachrichtung Physische Geographie
Zentrum für Umweltforschung
Saarbrücken-Dudweiler

Tel. 06897-798234
E-Mail: c.kins@rz.uni-saarland.de
E-Mail:u.honecker@zr.uni-saarland.de

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Tamara Weise idw

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