Forschung für Natur, Mensch und Umwelt


– 10 Jahre Institut für Angewandte Forschung (IAF) der Fachhochschule Nürtingen –

NÜRTINGEN. (üke) Wie sind die naturräumlichen Bedingungen in Baden-Württemberg für die Landes- und Regionalentwicklung? Mit welchen informationstechnischen Hilfsmitteln kann die Landschafts- und Stadtplanung unterstützt und die Bevölkerung besser informiert werden? Wie kann eine nachhaltige Kulturlandschaftsentwicklung mit Bürgerbeteiligung umgesetzt werden? Wie können Artenvielfalt erhalten, alternative Anbaumethoden gefördert, aus der Agrarnutzung herausfallende Flächen gepflegt und Nutztiere artgerechter gehalten werden? – Mit solchen Fragen beschäftigt sich seit 1990 das Institut für Angewandte Forschung (IAF) der Fachhochschule Nürtingen, das in diesen Tagen sein 10-jähriges Bestehen feiert.

Zum Wintersemester 1989/90 wurde die Forschungseinrichtung gegründet. Unter der Leitung von Professor Dr. Karl-Josef Durwen gingen zunächst vier Professorinnen und Professoren mit Forschungsarbeiten zur „Landschaftsentwicklung und Landschaftsinformatik“ neue Wege. Zuvor war dieser Forschungsbereich in Deutschland nicht vertreten, die Forschung war insgesamt an Fachhochschulen noch ein Stiefkind. Die damalige Landesregierung erkannte jedoch, dass gerade die praxisnahe Forschung unterstützt werden müsse. Ein erster Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt des Instituts war die digitale Aufbereitung von landschaftsökologischen Daten, die über mehrere Jahrzehnte vom Institutsmitglied Prof. Dr. Weller erhoben und zusammengetragen worden waren. Daraus entstand ein Landschaftsökologisches Informationssystem und ein Digitaler Landschaftsökologischer Atlas auf CD-ROM.

Heute trägt das IAF die Bezeichnung „Umwelt und Planung“ und besteht aus zwei Abteilungen. Unter der Leitung von Professor Dr. Roman Lenz sind über ein Dutzend Professoren und etwa ebenso viele Mitarbeiter – die weitgehend aus Forschungsaufträgen finanziert werden – tätig. In diesem Forschungsfeld ist das eine Größenordnung, die auch im Vergleich mit Universitäten nahezu konkurrenzlos in Deutschland ist. Die Bilanz der letzten 10 Jahre kann sich sehen lassen: 30 bearbeitete Drittmittel-Projekte, ca. 200 Fachpublikationen, ca. 180 wissenschaftliche Vorträge im In- und Ausland, ca. 70 Ausstellungen, Präsentationen, Messebeteiligungen u.ä. in einem halben Dutzend europäischer Länder.

Internationale Zusammenarbeit aber auch regionale Forschungskooperationen sind in der jüngsten Zeit immer wichtiger geworden: Im EU-Projekt VOCAMOD kooperieren acht Forschungseinrichtungen aus vier Ländern. Dabei geht es um die Modellierung flüchtiger Kohlenwasserstoffe von Kronenschichten europäischer Wälder.
In einem vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie geförderten Vorhaben zur Kulturlandschaftserhaltung gehen die Universitäten Hohenheim, Freiburg und die FH Nürtingen in einer mehrjährigen Studie gemeinsam neue Wege. Eine Besonderheit dieses Großprojektes am Beispiel der Region Hohenlohe ist, dass diese Forschungsgruppe aus Baden-Württemberg die Förderung als Sieger eines bundesweiten Wettbewerbes erringen konnte. In dem Projekt werden nachhaltige, das heißt sozial, wirtschaftlich und ökologisch tragfähige Konzepte der Landnutzung entwickelt, erprobt und letztlich umgesetzt. Diese Projekte werden in der Abteilung „Landschafts- und Umweltplanung“ bearbeitet, die von Prof. Dr. K.-J. Durwen geleitet wird.

Die Kulturlandschaftspflege ist ein Forschungsbereich der Abteilung „Agrarwirtschaft“. Dazu gehört das Projekt „Einsatz von Ziegen in der Landschaftspflege“, das über mehrere Jahre von der Bundesstiftung Umwelt unterstützt wird. In dem Projekt werden modellhafte Verfahren zum Einsatz von Fleischziegen in der Landschaftspflege entwickelt. Die Abteilung wird von Prof. Dr. Stanislav von Korn geleitet. Zu den Projekten gehören auch Arbeiten zur Evaluierung pflanzengenetischer Ressourcen, und die Entwicklung tiergerechter Haltungssysteme. Dazu gehören zum Beispiel das „Nürtinger System“ (Schweinehaltung) und der „Nürtinger Freiluftstall“ (Kälberhaltung), die auch internationale1 Beachtung gefunden haben.

Nach zehn Jahren IAF ist die praxisbezogene Forschung nicht mehr aus der Hochschule wegzudenken. Dutzenden von Absolventen wurde über das Institut für Angewandte Forschung ein erfolgreicher Einstieg in die Berufswelt ermöglicht. Nicht zuletzt ist es ein Verdienst des IAF, dass sich die Fachhochschule Nürtingen in der deutschen Forschungslandschaft einen Namen gemacht hat.

Nürtingen, 18. Juli 2000

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Gerhard Schmuecker

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