Gewässer-Renaturierungen eine Chance für die Biologische Vielfalt

Gewässerrenaturierungen können einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt wie auch zur Erreichung eines guten Zustands der Gewässer leisten. Dies macht der Abschluss des Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens zur Renaturierung der Berkelaue (Modelprojekt Berkelaue) zwischen Stadtlohn und Vreden in Nordrhein-Westfalen deutlich.

Die Projektergebnisse hat das Bundesamt für Naturschutz nun veröffentlicht. Flora und Fauna des Auenbereichs konnten demnach wieder eine beachtliche Artenvielfalt erlangen. So findet sich jetzt wieder Lebensraum für über 120 Vogelarten, darunter allein 55 seltene Arten. Aber auch Insekten und Amphibien konnten genauso wie eine Vielzahl an Pflanzenarten von den Renaturierungsmaßnahmen profitieren.

„Der gute ökologische und chemische Zustand aller Oberflächengewässer ist seit Inkrafttreten der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ein verbindliches Ziel der Wasserpolitik. Funktionsfähige Auen sind unverzichtbare Bestandteile unserer Gewässerökosysteme“, so Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamt für Naturschutz (BfN).

Die reiche biologische Vielfalt natürlicher Flussauen ist in Deutschland nur noch an wenigen Orten zu finden. Bautätigkeit und landwirtschaftliche Nutzung haben die Gestalt und den Wasserhaushalt der Auen stark verändert. Auentypische Tier- und Pflanzenarten wurden großflächig verdrängt. Deshalb kommt derartigen Renaturierungsvorhaben für den Erhalt der biologischen Vielfalt eine besondere Bedeutung zu. So wurde die Berkel innerhalb des Projektgebiets durch Ankauf von Grund, den Rückbau von Entwässerungsgräben und die Anpflanzung auentypischer Gehölze die Möglichkeit gegeben ihre Aue wieder selbst zu entwickeln.

Die früher dominierende, bis unmittelbar an die Flussufer reichende Grünlandnutzung ist durch die Maßnahmen einem wertvollen Mosaik aus Sukzessionsflächen, Gehölzen, Grünland und abwechslungsreich strukturierten Flussufern gewichen. Der so erreichte naturnahe Zustand kann unter dem Gesichtspunkt der biologischen Vielfalt als großer Erfolg gesehen werden. Die Ergebnisse führen exemplarisch vor Augen, dass sich Flora und Fauna in großer Vielfalt entwickeln können, wenn die ursprünglichen Standortbedingungen auch nur teilweise wiederhergestellt werden.

Elf Jahre lang wurde das Projekt durch Untersuchungen begleitet, die die fortschreitende und teilweise noch andauernde Veränderung von Vegetation und Fauna dokumentierten. Die in der Publikation zusammengestellten Ergebnisse belegen mit vielen Details, dass der ökologische Zustand einer Flussaue sich auch unter schwierigen Ausgangsbedingungen erheblich verbessern lässt.

Das Modelprojekt Berkelaue des Kreises Borken wurde vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums sowie vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert.

Bezug:
Brockmann-Scherwaß, U., Bücking, T., Fritze, M.-A., Heimann, R., Hübner, T., Krechel, R., Pavlovi?, P. und Schwerwaß, R.: Renaturierung der Berkelaue. Ergebnisse eines Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens im Kreis Borken. Münster 2007, 250 Seiten (ISBN 978-3-7843-3945-0).

Die Veröffentlichung kostet 22 Euro und kann über den Landwirtschaftsverlag bezogen werden: BfN-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag, Münster, Tel.: 02501(801-300, Fax: 02501/801-351, Internet: www.lv-h.de/bfn.

Hinweis:
Die Bundesregierung setzt sich besonders für den Erhalt der biologischen Vielfalt ein. Im Vorfeld der UN-Naturschutzkonferenz führt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit eine Kampagne zur biologischen Vielfalt durch, um die Öffentlichkeit auf den Wert und den Nutzen der biologischen Vielfalt aufmerksam zu machen. Weitere Information unter www.naturallianz.de.

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Franz August Emde idw

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