Unsichtbare Viren-Schutzwand für Innenräume

PD Dr. med. Arne Wieser (l.) vom Tropeninstitut des LMU Klinikums München und Prof. Dr. Christoph Haisch vom Lasers and Microparticles Lab der Technischen Universität München haben die unsichtbare „Schutzwand“ aus UV-C-Licht mitentwickelt.
Bild: Steffen Hartmann / LMU Klinikum München

Raumteiler aus UV-C-Licht befreit Aerosole von SARS-CoV-2-Viren.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen stellen virenbelastete Aerosole in Innenräumen immer noch ein wichtiges Problem dar. Eine von Forschenden des Tropeninstituts am LMU Klinikum und der Technischen Universität München (TUM) entwickelte unsichtbare Schutzwand aus UV-C-Licht könnte hier Abhilfe schaffen und in Zukunft die Ausbreitung von Viren und anderen Pathogenen in Räumen zuverlässig eindämmen ohne die Bewegungsfreiheit der im Raum befindlichen Menschen einzuschränken.

Ein Forschungsteam des Tropeninstituts am LMU Klinikum München und der Technischen Universität München hat in Kooperation mit dem Start-up Smart United GmbH eine unsichtbare „Schutzwand“ aus UV-C-Licht entwickelt.

In ihrer als Preprint auf medRxiv veröffentlichten Untersuchung konnten sie zeigen, dass die von ihnen entwickelte Barriere aus UV-Licht die Ausbreitung von Krankheitserregern über die Luft in Innenräumen verhindert, indem sie die auf den Aerosol-Partikeln mitreisenden Erreger abtötet.

Die Schutzrate wurde anhand von Modellorganismen überprüft. Dazu gehörten E. coli, S. aureus sowie ein Coronavirus. Bei Luftgeschwindigkeiten von 10 cm/s werden Inaktivierungsraten von über 99 Prozent erreicht.

Zweifaches Schutzsystem eliminiert über 99 Prozent der Pathogene

„Unser System kann man wie eine Lampe an der Decke aufhängen, um Räume abzutrennen. Das UV-C Licht strahlt gebündelt nach unten ab. Wie mit einem Schutzvorhang werden dabei Pathogene inaktiviert, sobald sie auf Aerosol-Partikeln ‚hindurchschweben‘“, erläutert PD Dr. med. Andreas Wieser, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie am Tropeninstitut des LMU Klinikums.

Professor Christoph Haisch vom Lehrstuhl für Analytische Chemie und Wasserchemie der Technischen Universität München ergänzt: „Zusätzlich desinfiziert das System mit seinem patentierten Schutzmechanismus die im Raum befindliche Atemluft durch Ansaugen und langsames Einblasen in den Leuchtbereich der UV-C Lichtwand. Dies verhindert zusätzlich zur direkten Barrierewirkung der Lichtwand eine Anreicherung infektiöser Aerosole im Raum.“

Sicherer Viren-Ausbreitungsschutz für kleine und große Bereiche

Eine gesundheitliche Gefährdung durch das UV-C-Licht des Systems wird durch spezielle Abschalteinrichtungen vermieden. Sobald ein Gegenstand oder Körperteil in den Strahlungsbereich gerät, wird der Bereich automatisch abgeschaltet. Dies passiert auch wenn man hindurchgehen will; man kann sich also im Raum komplett frei bewegen.

Durch eine innovative Spezialoptik können die geltenden Anforderungen des Arbeitsschutzes und der dort festgelegten strengen Expositionsgrenzwerte für UV-Strahlung sowie sonstige rechtliche Vorgaben eingehalten werden. Zudem wird die Ozonerzeugung durch die innovative LED-Lichtquelle und die spezielle Optik vermieden.

Die UV-C-Virenschutzwand kann als unsichtbarer Raumteiler genutzt werden und größere Räume in kleinere “virtuelle” Räume unterteilen, die so lufttechnisch isoliert sind. Damit kann sie kann ein wichtiger Teil eines Aerosol-Hygienekonzepts für Räume und Gebäude werden.

„Wir setzen gerade alles dran, um dem Markt unsere Virenschutzwände so schnell wie irgend möglich zugänglich zu machen“, sagt Reiner Prohaska, Geschäftsführer von Kooperationspartner Smart United. „Parallel zur wissenschaftlichen Validierung des Systems haben wir mit namhaften Zulieferern aus der Automobilbranche bereits angefangen, die Produktion vorzubereiten. Ab Anfang Januar beginnen wir mit unseren ersten Kunden die Raumplanung. Ab Anfang April werden wir bereits die ersten UV-C Licht Virenschutzwände ausliefern – mit dem Ziel, den Menschen wieder ein Stück Normalität zurück zu geben.“

Projektpartner

• Tropeninstitut (Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin), LMU Klinikum München
• Max von Pettenkofer-Institut, LMU
• Lehrstuhl für Analytische Chemie und Wasserchemie, Fakultät für Chemie, Technische Universität München

Mehr Informationen

Die Forschungsarbeiten wurde unterstützt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung. Die Smart United GmbH unterstützte das Vorhaben mit Material und technischem Support.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

PD Dr. med. Andreas Wieser
Tropeninstitut (Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin)
LMU Klinikum München | Max von Pettenkofer-Institut
Tel: +49 89 2180 78 296
E-Mail: wieser@mvp.lmu.de
Web: http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Abteilung-fuer-Infektions-und-Tropenmedizin/

Prof. Dr. Christoph Haisch
Lasers and Microparticles Lab
Technische Universität München
Tel: +49 89 2180 78 242
E-Mail: haisch@tum.de

Originalpublikation:

Aerosol decontamination and spatial separation using a free-space LED-based UV-C light curtain
Andreas Wieser, Jessica Beyerl, Albrecht v. Brunn, Vincent Rieker, Marcus Rieker, Michael Hoelscher, Christoph Haisch
Verfügbar als Preprint unter: https://doi.org/10.1101/2021.12.16.21267937

http://www.lmu-klinikum.de

Media Contact

Philipp Kressirer Kommunikation und Medien
Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizintechnik

Kennzeichnend für die Entwicklung medizintechnischer Geräte, Produkte und technischer Verfahren ist ein hoher Forschungsaufwand innerhalb einer Vielzahl von medizinischen Fachrichtungen aus dem Bereich der Humanmedizin.

Der innovations-report bietet Ihnen interessante Berichte und Artikel, unter anderem zu den Teilbereichen: Bildgebende Verfahren, Zell- und Gewebetechnik, Optische Techniken in der Medizin, Implantate, Orthopädische Hilfen, Geräte für Kliniken und Praxen, Dialysegeräte, Röntgen- und Strahlentherapiegeräte, Endoskopie, Ultraschall, Chirurgische Technik, und zahnärztliche Materialien.

Zurück zur Startseite

Kommentare (1)

Schreiben Sie einen Kommentar

  1. An das Forscherteam:
    Diese Art der Luftdesinfektion ist schon sehr utopisch.
    a) LED-UV-Licht eignet sich nur bedingt, außerdem sind diese Dioden noch immer
    nach ca. 1 1/2 Jahren defekt.
    b) Thema ‚UV-Sicherheit‘:
    Dieses gefährliche UV-C-Licht wird ja w/der Wellenlänge benötigt, um Viren zu eliminieren –
    und das ist frei zugängig -> ???
    c) Um Viren und Bakterien zu deaktivieren ist eine bestimmte Bestrahlungszeit notwendig
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese beim bloßen durchpusten erreicht wird.
    d) und dafür haben Sie im neuen Jahr schon Kunden gewonnen?

    Nix füar unguad aber ich bin da sehr skeptisch…

    Ich wünsche Ihnen Frohe Weihnachten!

Neueste Beiträge

Neuer Algorithmus klassifiziert Hautkrankheiten

Deep-Learning-Algorithmus mit verbesserter Diagnosegenauigkeit Dermatologinnen und Dermatologen klassifizieren Hautkrankheiten in der Regel auf der Grundlage mehrerer Datenquellen. Algorithmen, die diese Informationen zusammenführen, können die Klassifizierung unterstützen. Ein internationales Forschungsteam hat…

Lösungen für das Laserauftragschweißen

Das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT in Aachen und die TRUMPF Laser- und Systemtechnik GmbH aus Ditzingen haben eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen. Sie wollen die Zusammenarbeit im Bereich Laserauftragschweißen intensivieren und den…

Weltweit größtes Fischbrutgebiet in der Antarktis entdeckt

Forschende weisen etwa 60 Millionen Nester antarktischer Eisfische auf 240 Quadratkilometern im Weddellmeer nach. Nahe dem Filchner-Schelfeis im Süden des antarktischen Weddellmeers hat ein Forschungsteam das weltweit größte bislang bekannte…

Partner & Förderer